Daniel May
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und legen! Unsere Schulgemeinden klagen zu Recht über großen Mangel an Lehrkräften. Rund 7.800 Vollzeitäquivalente können nicht mit Personen mit der eigentlich notwendigen Qualifikation besetzt werden. Rund Stellen bleiben unbesetzt. Der Lehrkräftemangel ist auf ein gewaltiges Thema für unsere Schulen. Deshalb braucht es unser aller Anstrengung, diesen zu bekämpfen. (Lebhafter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und dem Freie Demokraten) Überlastungsanzeigen und Unterrichtsausfall – darüber sprechen wir hier im Plenum – sind direkte Folgen aus GRÜdem Mangel an ausgebildetem Personal. Lehrkräftemangel und Überlastung der Kolleginnen und Kollegen sind also wiszwei Seiten der gleichen Medaille. Das zeigt, wie dringend haben es ist, hierbei zu handeln. müs- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Dedas mokraten) Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft macht im64. mer wieder statistische Untersuchungen dahin gehend, wie lange es mit dem Lehrkräftemangel noch weitergehen klaswird. Erst gestern hat sie eine Untersuchung vorgestellt, die aus der klar wurde, dass Hessen unter allen westdeutschen Bundesländern den größten Mangel an ausgebildeten Lehrarbeiten. kräften hat. Auch unsere Auswertungen der Daten, die wir aus dem Kultusministerium erhalten haben, zeigen ganz deutlich, dass der Lehrkräftemangel kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern wir werden uns auf Dauer darauf einstellen müssen, dass wir in vielen Bereichen zu wenige Lehrerinnen und Lehrer haben. Deswegen ist es so dringend notwendig, jetzt zu handeln. Deshalb haben wir diesen Gesetzentwurf vorgelegt. und (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) – Wir brauchen also zwei Punkte: Gesetzund Erstens. Wir müssen darüber reden, dass der Lehrerinnenüber- und Lehrerberuf wieder attraktiv wird. Darüber werden wir am Donnerstag reden müssen; denn die Landesregierung für macht gerade genau das Gegenteil mit ihrem Streichkonzert. Aber wir müssen zweitens auch darüber reden, wie wir neue Wege ins Lehramt schaffen. Dafür haben wir diesen Gesetzentwurf vorgelegt; denn das, was CDU und SPD machen, bleibt weit hinter dem zurück, was möglich ist, und weit hinter dem, was nötig ist. die- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinder zelt Freie Demokraten) Die Kultusministerkonferenz hat schon vor zwei Jahren einen umfassenden Beschluss gefasst, wo sie dargelegt hat, welche zusätzlichen Wege die Länder ergreifen können, um Einstiege in das Lehramt zu ermöglichen. Das Land Hessen, die Koalition, hat aus diesem Katalog genau eine einzige Maßnahme herausgegriffen, das Gesetz zum sogenannten Ein-Fach-Lehrer. Das brachte in der GesetzSumme nach Angaben der Landesregierung rund 90 BeAbge- werberinnen und Bewerber mehr, allerdings nicht in einem Jahrgang, sondern über alle Einstellungsdaten hinaus. Das zeigt, dass wir hier noch entschiedenen Handlungsbedarf haben; denn das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Daher müssen wir weitere Anstrengungen unternehmen, um den Fachkräftebedarf an unseren Schulen zu erfüllen. Koleinen (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dafür Ich will ausdrücklich sagen: Was wir Ihnen heute vorschla1.000 gen, haben wir GRÜNE uns nicht allein ausgedacht, sondaher dern wir haben uns umgeschaut, was unsere Nachbarländer gemacht und welche Konzepte sie erfolgreich ergriffen haben, um bei sich den Mangel an Lehrkräften zu beheben. Daher glaube ich, dass wir dort den Bildungsföderalismus, der immer viele Nachteile hat, auch tatsächlich einmal ernst nehmen sollten, und zwar in dem Sinne eines Wettbewerbs um die besten Ideen, und dann auch einmal anerkennen sollten, dass um uns herum auch Länder sind, die gute Ideen haben, um dann eben aus deren Erfolgen zu lernen und für uns etwas Gutes daraus zu ziehen. Das haben wir mit diesem Gesetzentwurf heute zusammengestellt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eine Maßnahme, die im Nachbarland Thüringen recht erfolgreich war, ist das duale Lehramtsstudium. Dort war die Maßnahme so erfolgreich, dass mehr Bewerberinnen und Bewerber da waren, als ursprünglich Plätze da waren, weshalb die Maßnahme aufgebohrt wurde. Daher sage ich: Das sollten wir doch auch machen, vor allem weil man hier direkt in den Mangel reininvestieren kann. Wir haben doch die Situation, dass wir zwar insgesamt zu wenige Lehrerinnen und Lehrer haben, aber dass an einzelnen Schulformen und in einzelnen Fächern der Mangel besonders groß ist. Mit dem dualen Lehramtsstudium können wir zielgenau für diese Fächer und für diese Schulformen ausbilden. Daher sollten wir angesichts der großen Not, die wir an den Schulen haben, diese Maßnahme ergreifen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Moritz Promny (Freie Demokraten)) Darüber hinaus haben wir weitere Öffnungsmöglichkeiten, die wir hier im Lehrkräftegewinnungsgesetz ergreifen wollen, wo wir insgesamt die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber vergrößern können, die logisch und konsistent sind, aber die ich angesichts der Kürze der Zeit leider nicht näher erläutern kann. Deswegen abschließend mein Appell an Sie: Die Koalition von CDU und SPD darf das Problem des Lehrkräftemangels nicht weiter ignorieren. Wir fordern Sie auf, hier mutig voranzugehen und mit uns mitzuwirken, neue Wege in der Lehrkräftebildung zu ergreifen, damit wir den Mangel, den wir an unseren Schulen haben, und all die Probleme, die daraus entstehen, tatsächlich anpacken können. Deswegen hoffen wir auf eine konstruktive politische und parlamentarische Beratung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
