Volker Richter
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Der FDP-Antrag „HPV-Impfung schützt zu Gesundheit und entlastet das Gesundheitssystem“ greift ein durch zentrales Thema auf, welches wir im Gesundheits- und FaImpmilienpolitischen Ausschuss bereits mehrfach besprochen haben. durch Öffent- Humane Papillomviren, kurz HPV, verursachen nicht nur die Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, sondern – was oft weninoch ger beachtet wird, aber eben schon gesagt wurde – auch Karzinome im Rachen- und Analbereich bei Männern. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung Gerade standardmäßig für alle Kinder und Jugendlichen im Alter Auch von neun bis 14 Jahren. Dennoch erkranken in Deutschdie land jedes Jahr rund 10.000 Personen an HPV-bedingten guten Tumoren, davon etwa 3.000 Männer. VacMap Laut RKI hatten 2023 etwa 54,6 % der 15-jährigen Mädchen und rund 34 % der gleichaltrigen Jungen eine vollständige HPV-Impfserie abgeschlossen. Bis 2030 sollen 90 % der Mädchen geimpft sein und die Impfquote bei Jungen erheblich erhöht werden. Es ist somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Chancen und Risiken abzugleichen. Es ist enorm wichtig, Akzeptanz zu schaffen, die man einzig durch Aufklärung und Transparenz erreichen kann. Wer Tumorerkrankungen verhindern möchte, muss auch diejenigen erreichen, die gegenüber Impfungen grundsätzlich kritisch sind und oft genug unter Druck gesetzt werden. Genau das darf nicht geschehen, meine Damen und Herren. (Beifall AfD und Sascha Herr (fraktionslos)) Denn Druck erzeugt Gegendruck, führt zu einem subjektiven Kenntnisstand, zerstört Vertrauen und hinterlässt deutliche Spuren gegenüber der Akzeptanz medizinischer Eingriffe. Darauf geht der Antrag leider nicht ein, es müsste aber Bestandteil einer gut organisierten Aufklärungskampagne sein. Kostenfreie Impfaktionen an Schulen in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern und niedergelassenen Ärzten dürfen unter keinen Umständen zu Gruppendruck führen und sind auf freiwilliger Basis absolut begrüßenswert. Auch wiederkehrende Aufklärungskampagnen an weiterführenden Schulen, die Mädchen und Jungen gleichermaßen ansprechen, digitale Informationsangebote sowie die Einbindung von Multiplikatoren – Lehrkräften und Jugendgruppenleitern – sind hilfreich, wenn sowohl Chancen als auch Risiken abgedeckt werden. Niedrigschwellige Beratungsangebote im Bereich der Frauen- und Mädchengesundheit durch Frauen- oder Mädchenberatungsstellen oder kommunale Präventionsdienste sind ebenfalls sinnvoll, um Hemmschwellen abzubauen. Beratung darf aber nicht in emotionaler Erpressung enden. Auch hier gilt: Beratung überzeugt durch Freiwilligkeit. (Beifall AfD und Sascha Herr (fraktionslos)) Auch wenn das RKI bereits Daten veröffentlicht und man diese regional abrufen kann – darauf geht der Antrag der Regierungskoalition zurück –, erkennen wir in einem engeren Monitoring mit einer differenzierten Datenerhebung und regelmäßigen Berichten nicht mehr Bürokratie, sondern eine transparente Darstellung von Impferfolgen und Impfdefiziten. Das ist extrem wichtig, um ein transparentes Nutzen-Risiko-Profil darzustellen. Ein weiterer Punkt fehlt im Antrag jedoch ganz deutlich: die psychosoziale Belastung der Betroffenen. Der Antrag weist darauf hin, dass höhere Impfquoten viele Konisationen vermeiden können, und bezieht sich dabei stark auf die Entlastung des Gesundheitswesens und die damit verbundenen Kosten. Dabei gerät aus dem Blick, was eine Konisation für Frauen bedeutet; denn auch diese befreit nicht immer von der Angst vor Gebärmutterhalskrebs. Nach dem Eingriff erfolgt der histologische Befund. Erst nach der Wartezeit kann eine Frau – und das auch wirklich nur im besten Fall – wieder positiv in die Zukunft schauen und damit weniger belastet sein. In dieser Zwischenzeit sitzt sie, ich sage es einmal so, auf einem heißen Stuhl und muss auf das Ergebnis warten. Auch bleiben Konisationen nicht immer ohne Folgen. Vernarbungen, sogar eine sogenannte Zervixstenose, also eine Verengung des Muttermunds, kann eine Komplikation nach einer Konisation sein. In Deutschland müssen rund 25.000 Frauen pro Jahr aufgrund hochgradiger zervikaler Zellveränderungen operiert werden. Viele dieser Eingriffe wären durch konsequente HPV-Impfungen vermeidbar. Eine Konisation kann zwar Leben retten, sie geht aber eben auch mit erheblicher körperlicher und psychischer Belastung einher. Diese Dimension muss in Zukunft mehr Beachtung finden, damit nicht nur die Kosten, sondern vor allem die Menschen im Mittelpunkt stehen, damit Jungen und Mädchen gemeinsam mit ihren Eltern Risiken abschätzen und sich bewusst für oder gegebenenfalls auch gegen die Impfung aussprechen. Wir erkennen auch die Notwendigkeit an, dass Jungen stärker in die Aufklärung einbezogen werden; denn auch bei Männern sind HPV-assoziierte Krebserkrankungen keine Seltenheit. Meine Damen und Herren, mit einem Satz möchte ich schließen: Krebs zu verhindern, muss oberste Priorität der wissenschaftlich-medizinischen Arbeit in unserem Land sein. – Vielen Dank. (Beifall AfD und Sascha Herr (fraktionslos))
