Martina Feldmayer
Die nächste Wortmeldung kommt vom Abgeordneten Müller, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Bitte schön. Hans-Jürgen Müller (Witzenhausen) (BÜNDNIS DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! AfD diskutiert mit ihrem Antrag Symptome, aber nicht sachen; denn die entscheidende Frage lautet: Warum es die immer wiederkehrenden Ausbrüche der Vogelgrippe? Das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, weist darauf hin, dass die chen hochpathogenen Influenzaviren wahrscheinlich mutierten, ursprünglich niedrigpathogenen Viren hen, die latent in Wildvogelbeständen vorhanden sind. gefährlichen hochpathogenen Stämme entstehen dabei den industriellen Geflügelanlagen selbst. Das erklärt, dass in den ersten sechs in Niedersachsen troffenen Geflügelhaltungen das Virus grassierte, die Ställe durch Biosicherheitsmaßnahmen komplett der Außenwelt abgeschnitten waren. Die hochpathogenen Viren gelangen aber dann, wenn sie dort entstanden nach außen, zum Beispiel über Abluft, und können auch von Wildvögeln weitergetragen werden. Wir haben vermutlich alle die traurigen Bilder von Hunderten Kranichen gesehen, die in diesem Herbst Brandenburg verendet sind. Viele betroffene Wildvögel sterben schnell, was die Ansteckungsgefahr des Geflügels in landwirtschaftlichen Betrieben durch ihre wild lebenden Verwandten begrenzt. Wenn wir das Virus ernst müssen wir die Haltungssysteme so gestalten, dass hochpathogenen Viren gar nicht erst entstehen. Damit sind wir bei dem krank machenden System der tensiven Geflügelmast angelangt. Die industrielle tung ist auf maximale Tierzahlen, schnellen Durchsatz Kostenführerschaft ausgelegt. (Zuruf Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten)) In der Putenmast stehen am Ende 53 Kilogramm wicht auf einem Quadratmeter Stallfläche. Das sind Puten. Bei Masthähnchen sind es 18,5 Kilogramm hähnchen auf einem Quadratmeter. Das ist tierschutzwidrig. Insofern ist doch vollkommen logisch, dass krankungen wie ein Wirbelwind durch diese überfüllten Ställe ziehen und sich dabei immer wieder verändern, sie zu hochpathogenen Varianten werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Man muss es noch einmal ganz deutlich sagen: Das tem der industriellen Geflügelhaltung ist krank. Die entstehenden hochpathogenen Krankheitserreger gefährden andere Tierhaltungen und Wildvögel. Leider lässt unsere aktuelle Gesetzeslage dieses zu. Wir sollten es aber nicht noch mit weiteren Steuermitteln subventionieren, zumal wir doppelt zahlen, einmal die Subventionen und einmal für die Schäden, die System durch Seuchen und Umweltverschmutzungen ursacht. Wir sollten endlich unsere Nutztierhaltungsverordnung anpassen, dass dem Tierwohl und der Tiergesundheit Rechnung getragen wird. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es kann doch nicht sein, dass wir es normal finden, ein Masthuhn im Durchschnitt – ich betone: im 90/ schnitt – in Deutschland in mehr als einem Viertel seiner Lebenszeit unter Antibiotikabehandlung steht. Die Außerdem wäre es sinnvoll, die Geflügelhaltung bei einer Ur- Unterstützung des Umbaus der Tierhaltung in den Blick gibt zu nehmen und mitzudenken. Das wäre auch einmal ein Aufgabengebiet für unseren Landwirtschaftsminister Jung, wenn er in der Bundespolitik unterwegs ist. Aber wie schon bei der Deregulierung der neuen Gentechnik oder bei der Begrenzung der Marktmacht von Molkereien, stellt gefährlier sich immer wieder auf die Seite der großen Agrarkonaus zerne, die nur auf schnelle Gewinne aus sind. Das ist beentstedauerlich. Ich hätte mir aber gewünscht, dass wenigstens Die der Koalitionspartner an dieser Stelle gegensteuert. in Herr Resch, die AfD fordert in ihrem Parteiprogramm den Abbau aller Subventionen in der Landwirtschaft. Mit dem beAntrag, den Sie hier vorgestellt haben, fordern Sie aber jeobwohl de Menge neuer Subventionen. Wie passt das zusammen? von (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Ingo sind, Schon (CDU)) dann Zur Sitzung des Landwirtschaftsausschusses am vergangenen Dienstag hat die AfD einen Dringlichen Berichtsantrag den zu multiresistenten Keimen gestellt und dabei vollkommen in verkannt, dass die Keime, um die es dabei geht, in den industriellen Geflügelhaltungen durch massenhaften Antibiotikaeinsatz regelrecht gezüchtet werden. Das ist doch vollkommen irre. Das passt alles nicht zusamnehmen, men. Insofern rate ich Ihnen, Ihre Anträge künftig einer diese besseren Qualitätssicherung zu unterziehen, bevor Sie damit an die Öffentlichkeit gehen. – Vielen Dank. in- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Wiebke TierhalKnell (Freie Demokraten)) und
