Sascha Herr
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Einsamkeit ist längst kein Randthema mehr. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen, sie macht krank, sie schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb begrüße ich ausdrücklich den vorliegenden Antrag. Er zeugt von Haltung, er zeugt von Verantwortungsbewusstsein, und er zeigt, dass dieses Thema im Landtag ernst genommen wird. Alle Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – Vereine, Bewegungsräume, Mehrgenerationenhäuser, digitale Angebote –, sind wertvoll. Sie schaffen Orte, an denen Menschen einander begegnen können. Sie fördern Gemeinschaft, sie ermöglichen Engagement, und sie tragen dazu bei, dem Entstehen von Isolation vorzubeugen. Darauf können wir uns alle einigen. Die Erfahrung zeigt: Diejenigen, die sich am stärksten zurückziehen, treten nicht einfach einem Verein bei, sie melden sich nicht zu einem Kurs an. Viele haben nicht einmal Zugang zu digitalen Geräten oder die Kompetenz, sie zu nutzen. Damit sprechen wir über die unsichtbar einsamen Menschen, die hinter geschlossenen Türen leben, oft jahrelang. Diese Gruppen erreichen wir nicht, indem wir nur bestehende Strukturen stärken. Wir müssen aktiv auf diese Menschen zugehen. Deshalb möchte ich ergänzen, was diesen Antrag noch wirkungsvoller machen würde. Erstens: aufsuchende Angebote, Sozialarbeit, Nachbarschaftslotsen, ehrenamtliche Besuchsdienste, Menschen, die nicht warten, bis jemand kommt, sondern hingehen, anklopfen und begleiten. Zweitens: niedrigschwellige, offene Begegnungsorte, nicht nur Vereine, sondern unverbindliche Treffpunkte, wo man einfach hineinlaufen kann, ohne Anmeldung, ohne Hürde, ohne Mitgliedsbeiträge. Drittens: Barrieren abbauen. Dazu gehören Begleitangebote für den ersten Besuch, finanzielle Erleichterungen und Mobilitätshilfen. Viertens: digitale Teilhabe real ermöglichen durch Geräte, Schulungen und persönliche Unterstützung statt durch Appelle. Meine Damen und Herren, Einsamkeit ist kein individuelles Versagen, sondern es ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Der Antrag geht in die richtige Richtung, aber er kann stärker, konkreter, wirksamer werden. Ich hoffe, dass dieser Weg auch weitergegangen wird für ein Hessen, in dem niemand übersehen wird. – Vielen Dank. (Beifall AfD und Maximilian Müger (fraktionslos))
