Daniel May
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Bei der Vorbereitung auf den heutigen Plenartag ist mir etwas Interessantes aufgefallen: dass der europäische Biber fast ausgerottet worden wäre, weil das Bibergeil so begehrt war. Das Bibergeil ist eine bräunliche harzartige, fett- und hormonhaltige Substanz, die von Bibern sowohl zur Fellpflege als auch zur Markierung ihres Reviers dient. Dem wurden nahezu magische Kräfte nachgesagt. Es sollte helfen gegen alles: Kopfschmerzen, Fieber, Gicht, Hysterie, sogar gegen Epilepsie. Ein tatsächlicher medizinischer Nutzen ist nicht bewiesen. So scheint es auch mit den Bundesjugendspielen ein wenig zu sein, als ob sie das Bibergeil der postmodernen Politik seien. Alles sollen sie regeln, alles sollen sie können. Ich glaube, dass die Maßstäbe da ein bisschen durcheinandergeraten sind. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es wird hier wieder beschrieben, es gebe einen Zusammenhang mit einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung. Leistungs- und Kompetenzorientierung, sogar der Lebensweg werden davon abhängig gemacht, wie wir bei der Antragsbegründung der AfD gehört haben. Sogar ein Zusammenhang zwischen Goldmedaillen bei Olympia und der Austragungsform der Bundesjugendspiele wird von dem einen oder anderen herbeigedeutet – aber natürlich nur, wenn die Bundesjugendspiele auch richtig angewendet werden. Ich möchte sagen, dafür braucht man schon eine gewisse Wundergläubigkeit, um so argumentieren zu können. Da wundert es nicht, dass die Hessische Landesregierung bei diesem Thema ganz ungewöhnlich geschäftig ist, während sie ansonsten bei Unterrichtsausfall, bei vergleichenden Leistungsstudien oder beim Lehrkräftemangel eher wenig Tatendrang entwickelt. Aber wenn es darum geht, Landesjugendspiele zu fordern, kommt man auf Betriebstemperatur, um Dinge zu fordern und zu ermöglichen, die sowieso möglich sind. Wenn man sich mit dem Reglement der Bundesjugendspiele auseinandergesetzt hätte, hätte man festgestellt, dass man hier Dinge fordert und einführen möchte, die sowieso möglich gewesen sind. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt Freie Demokraten) Wenn es um Sport geht, sollte es uns wichtiger sein, zu schauen, was das ganze Jahr über passiert, wie viel Abdeckung wir im Fach Sport haben, wie viel Gelegenheit wir zum Sportunterricht haben, wie viele Schwimmbäder wir haben. Das alles waren mögliche Angaben in der 19. Wahlperiode. Alexander Lorz konnte das damals fristgerecht und vollständig beantworten. Die jetzige Landesregierung kann das angeblich nicht beantworten. Das zeigt, wie ernst Ihnen die Sportförderung ist. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Von daher ist die ganze Debatte mit dem Fazit zu versehen: Vertiefte Sachkenntnis verhindert die muntere Debatte, wie es Volker Bouffier zu sagen pflegte. Für uns GRÜNE ist klar: Wir brauchen keinen Kulturkampf um Bundesjugendspiele, sondern wir brauchen Förderung des Ehrenamtes im Sport, beispielsweise durch ein gescheites Weiterbildungsgesetz und Kooperation mit Ganztagsschulen, zuverlässig und vollständig stattfindenden Sportunterricht und ausreichend Sportstätten, insbesondere Schwimmbäder. Es geht also um wissenschaftsbasierte Förderung des Sportes statt um Glaubenssätze zu Bundesjugendspielen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
