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Daniel May

GRÜNE 01.10.2025 Sitzungen 21/49

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und legen! Zum letzten Stichtag waren an Hessens mindestens 1.110 Stellen nicht besetzt und damit 280 len mehr als im Jahr zuvor. Zuletzt waren 7.800 mit Personen besetzt, die über keine Lehramtsqualifikation verfügen, und damit knapp 370 Stellen mehr als und im Jahr zuvor. Das sind die Zahlen des hessischen Kultusministeriums, die die Mindestgröße des Problems des Lehrkräftemangels darstellen. Das sind Zahlen, die uns Freiantreiben sollten. Das sind Zahlen, die uns dazu nötigen müssten, alle Maßnahmen zu ergreifen, um mehr Fachkräfte an unsere Schulen zu bekommen. 90/DIE (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) selbst Im krassen Gegensatz dazu steht das eher abwartende Vermachen, halten der Landesregierung und der sie tragenden KoalitiWir on, die seit dem Einführen des Ein-Fach-Lehrers – etwas, mit was wir durchaus unterstützt haben – keine weiteren Initiativen auf den Weg gebracht haben. Daher kommen wir zu dem Ergebnis, dass das eindeutig zu wenig ist. Deshalb ist es richtig, dass die Fraktion der Freien Demokraten heute einen Aufschlag gemacht hat, sich insbesondere dem Thema Fachkräftesicherung zu widmen und noch einmal die ernten Diskussion darüber zu eröffnen, wie wir mehr Fachkräfte an unsere Schulen bekommen können. Dieser Impuls ist das auf jeden Fall richtig. kostet (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Devor mokraten) Ich will an die Kolleginnen und Kollegen der Koalition 90/DIE gerichtet sagen: Das Problem des Lehrkräftemangels wird sich nicht von selbst erledigen. Das zeigen alle Prognodie sen ganz deutlich, das zeigen alle vorliegenden Zahlen. Eine Untertunnelungsstrategie, wie sie die Koalition andie scheinend verfolgt, ist untauglich. Damit schieben Sie das praxis- Problem nur immer weiter vor sich her. Von daher rufe ich Sie dazu auf, diese Untertunnelungsstrategie nicht weiterfür an zuverfolgen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) diejetzt Insbesondere in den Bildungsgängen und den Fächern, die zahlen ohnehin schon länger mit Personalengpässen zu kämpfen sondern haben, wird sich die Problematik weiter verschärfen. Doch anstatt sich dieser Probleme gezielt anzunehmen, sie zu analysieren und Lösungswege zu entwickeln, zählt diese DeLandesregierung lieber die Gendersternchen in den Fortbilbleibt, dungskatalogen der letzten 25 Jahre. Das ist die falsche Land, Prioritätensetzung, das ist keine verantwortungsvolle Bilein dungspolitik. brau- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Deendlich mokraten) Ich will auch ganz klar sagen: Man bekämpft den LehrBeifall kräftemangel auch nicht mit Einschnitten und Kürzungen in der Lehrkräfteausbildung. Deswegen haben wir mit großer Sorge den offenen Brief der Personalräte der Studienseminare zur Kenntnis genommen, die vor Kürzungen im Bereich der Lehrkräfteausbildung warnen. Ich zitiere aus dem Schreiben der Personalräte: Fraktion „Die aktuellen Überlegungen zur möglichen Einsparung in der Lehrkräfteausbildung erfüllen uns als Personalräte mit großer Sorge.“ Und weiter: Kol- „Kürzungen, Standortschließungen oder eine VerSchulen dichtung von Ausbildungsanteilen gefährden nicht Stel- nur die Attraktivität des Lehrberufs, sondern auch Stellen die Sicherung des qualifizierten Nachwuchses. Schon jetzt spüren wir die Folgen von Personalmannoch gel und Überlastung an den Schulen und Studienseminaren. Weitere Abstriche in der Ausbildung würden diesen Trend dramatisch verschärfen.“ Das ist die Sicht der Praktikerinnen und Praktiker. Ich finde, wir sollten auf diese Stellungnahme hören. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Von daher sind wir der FDP dankbar für den Impuls, etwas für die Lehrkräfteausbildung zu tun. Wir haben den Setzpunkt aber auch zum Anlass genommen, dieses Thema gezielt auf unsere Tagesordnung zu nehmen, und haben daher einen eigenen Antrag gestellt, mit dem wir die Landesregierung und die Koalition auffordern, der Schließung von Seminarstandorten, Einschnitten bei der Lehrkräfteakademie sowie der Verkürzung der Lehrkräfteausbildung klipp und klar eine Absage zu erteilen. Ich hoffe, dass heute dieses Signal vom Landtag ausgehen wird; (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) denn gerade die Reduzierung von Seminarstandorten ist abzulehnen. Wir haben uns in der letzten Wahlperiode darauf verständigt, dass Arbeitsplätze des Landes in der Fläche geschaffen werden, dass wir damit auch in die Fläche gehen. Genau das Gegenteil wäre es, wenn jetzt die Seminarstandorte zusammengelegt würden. Das wäre absolut kontraproduktiv. Letztlich wäre das ein Rückzug der Lehrkräfteausbildung aus der Fläche. Das kann nicht Ziel dieses Landtages sein. Ich zitiere auch an dieser Stelle wieder aus dem Brief der Personalräte der Studienseminare: „Sowohl die Ausbildungskräfte als auch die LiV“ – das ist die Abkürzung für „Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst“ – „werden durch die großen Entfernungen weite Fahrwege bewältigen müssen. Des Weiteren kann eine vertrauensvolle Ausbildungsarbeit mit den betreuenden Schulen nur gewährleistet werden, wenn ein regelmäßiger Austausch zwischen Studienseminar und Ausbildungsschule besteht. Dieser regelmäßige Austausch sowie notwendige Absprachen werden mit größer werdenden Systemen immer schwerer.“ Das zeigt doch ganz deutlich, dass wir die Strukturen in der Fläche brauchen. Von daher hoffen wir an dieser Stelle auf ein klares Signal von Ihrer Seite. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Angesichts der großen Herausforderungen, die wir im Bildungsbereich haben – der Fachkräftemangel, aber eben auch andere Bereiche wie die Digitalisierung; wir müssen unsere Lehrkräfte gezielt im Bereich der Digitalisierung fortbilden können –, brauchen wir doch eine leistungsfähige Lehrkräfteakademie und leistungsfähige Studienseminare. Von daher fordern wir Sie auch auf, von Ihren Einsparund Umstrukturierungsideen Abstand zu nehmen, diese fallen zu lassen und die Strukturen nicht zu beschneiden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Ich will ganz klar sagen: Bei den Anstrengungen, die wir in der Vergangenheit unternommen haben, um den Fachkräftebedarf an unseren Schulen zu bewältigen, war mehr Dynamik drin. Von daher fordere ich Sie auf, dass wir wieder einen Wettbewerb der Ideen eingehen, dass wir Anstrengungen unternehmen, die über das hinausgehen, was schon auf dem Tisch liegt. Insofern hat die FDP heute mit ihrer Initiative die richtige Richtung eingeschlagen. Damit sind wir im Grundsatz einverstanden. In Ihrem Antrag gibt es viele richtige Ansätze, wie zum Beispiel Ihre Ideen, was den Einbezug freier Schulen oder die Frage selbstständiger Schulen angeht, die wir in der letzten Wahlperiode weiterentwickelt haben. Das ist richtig. Da gehen wir gerne mit. Ich will aber auch sagen, dass wir an anderer Stelle durchaus noch Fragezeichen haben, zum Beispiel was die bedarfsorientierten Prämien oder auch die leistungsbezogenen Bezüge angeht. Da haben wir noch Diskussionsbedarf. Würde der Antrag heute schon abgestimmt, müssten wir uns freundlich enthalten. Aber die Stoßrichtung ist die richtige, und wenn Sie sagen: „Wir müssen mehr tun und neue Ideen im Bereich der Lehrkräftebildung auf den Weg bringen“, stimmen wir Ihnen ausdrücklich zu. Ich hoffe, dass das der Anlass ist, dass sich auch die Koalition auf den Weg macht, um hier mehr zu unternehmen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt Freie Demokraten) Wir GRÜNE haben angesichts des Lehrkräftemangels von diesem Pult aus schon mehrmals gesagt, dass wir weitere Wege gehen müssen. Wir haben beispielsweise gefordert, dass wir ein Modellprojekt für ein duales Lehrkräftestudium auf den Weg bringen, so wie zwei unserer Nachbarländer, die damit sehr gute Erfolge zeitigen, es schon auf den Weg gebracht haben. Aber auch andere Ansätze wie ein Quereinstiegsmaster oder die Öffnung des Quereinstiegs für andere Absolventinnen und Absolventen sind Maßnahmen, die noch möglich wären, die aber leider in der Vergangenheit hier keinen Anklang gefunden haben. Ich will ganz klar sagen: Die drohenden Kürzungen bei der Lehrkräfteakademie müssen auf jeden Fall abgewendet werden, damit unsere Studienseminare die Kapazitäten haben, um Maßnahmen wie Quereinstiegsprogramme, die zuletzt an Bedeutung gewonnen haben, ergreifen zu können. Ich sage auch ganz klar: Es braucht neue Initiativen und neue Ideen, um dem Lehrkräftemangel zu begegnen, und es braucht keine Einschnitte bei Lehrkräfteakademie und Studienseminaren. Von daher hoffen wir, dass diesbezüglich heute das richtige Signal gesetzt wird. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt Freie Demokraten)

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