Antje Hebel
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hamburger. Trotz aller Hilfen kam es von 1.029 Obdachlosen im Jahr 2009 zu einem Anstieg bis auf aktuell fast 4.000 Obdachlose, die hohe Dunkelziffer nicht mitgerechnet. Was ist falsch gelaufen? Wo ist die Antwort des Senats darauf? Hamburg tut viel im Kampf gegen die Obdachlosigkeit. Das ist lobenswert. Krankenmobile, Schwerpunktpraxen, Pflegeplätze, Notübernachtungen, Straßensozialarbeit. Schaut man sich die Zielsetzungen und Ergebnisse dieses Hilfssystems an, ist es nicht mehr gut – musste der Senat selbst zugeben. Demnach verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Obdachlosen. Zwei Drittel haben dauerhaft gesundheitliche Beeinträchtigungen, aber nur ein Drittel sieht selbst Unterstützungsbedarf. Das ist Uneinsichtigkeit pur. Ergebnis: 77 Prozent nehmen niedrigschwellige Hilfen in Anspruch, jedoch nur 51 Prozent reguläre medizinische Leistungen. Der Bericht benennt dann noch hinderliche Parallelstrukturen, also Redundanzen. Und um der Lage Herr zu werden und zukünftig besser zu überblicken, fordern wir besseres Monitoring, zum Beispiel jährlich nachweisen, wie viele Obdachlose in dauerhaftes Wohnen gelangen; Hilfe daran messen, ob diese zu mehr Eigenständigkeit und in Regelstrukturen führt; Parallelstrukturen abbauen, wo sie kontraproduktiv sind; eine Untersuchung, ob das Hilfesystem einen Verbleibeeffekt erzeugt. Fazit: Mehr Hilfsangebote anzubieten, hat bisher sein Ziel verfehlt, nämlich den dauerhaften Übergang in die Regelversorgung und die gesteigerte Rückführung in ein selbstbestimmtes Leben. Es ist daher zu prüfen, wo Hilfen Obdachlosigkeit beenden. Diese sind auszubauen. Und wo sie nicht helfen, womöglich unbeabsichtigt verfestigen, diese sind abzuschaffen. Hamburg darf steigende Obdachlosigkeit nicht nur verwalten.
