Antje Hebel
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hamburger. Man kann jetzt ganz viel Mutmaßungen anstellen, warum die Hamburger der Olympia-Bewerbung nicht zugestimmt haben. Die Angst vor noch mehr Baustellenchaos, großen Besucherströmen, vollen U-Bahnen oder ungefragt auf die Weltkarte gesetzt werden. Vielleicht auch, weil sie dem Senat einfach nicht zutrauen, Olympia in Zeit und Budget zu organisieren. Egal, da können die Leitmedien ja wieder einordnen, bis das gebotene Weltbild wieder passt. Aber eine einzige Sache ist nach diesem Referendum keine Mutmaßung mehr. Da gibt es auch nichts mehr einzuordnen, sondern ist glasklar: Selten zuvor hat sich der Senat von seinen Bürgern, ihren Sorgen, Nöten und Bedürfnissen so weit entfernt wie heute. Und das kann auch erklärt werden. Sie sagten, Herr Tschentscher, dass es eine große Skepsis in der Bevölkerung vor Einreichung der Bewerbung gegenüber Olympia gab. Trotzdem ließen Sie ein teures Bewerbungskonzept inklusive Werbekampagne erstellen, beschäftigten einen sogenannten Experten als Manager mit einem märchenhaften Jahresgehalt, einen Stab an Leuten, um viele Millionen später erst ein Referendum durchzuführen. Warum, wenn die Grundskepsis bekannt war? Warum nicht gleich ein Referendum wie in München? Dass viele Touristen kommen, viele Baustellen entstehen und Olympia teuer wird, wissen die Leute. Dass Sie dann noch intransparente Finanzzahlen liefern und Kosten verstecken, hat Ihre Chancen noch verschlechtert. Die Quittung haben Sie am Sonntag erhalten, ist aber auch nicht alles. Sie sagten, Sie fühlten sich sehr unterstützt bei den Zielen, die Sie mit Olympia verbunden haben. Wie kann das sein? Denn es ist ja nicht nur so, dass gut 350.000 Menschen gegen Olympia gestimmt haben. Weitere rund 650.000 haben ihre Stimme nicht abgegeben und ebenfalls Ihrer Olympia-Bewerbung nicht zugestimmt – eine dieser hässlichen undemokratischen Angewohnheiten der Medien und "wahren" Demokraten, die Nichtwähler einfach unter den Tisch fallen zu lassen wie die Sicherheitskosten bei Ihrer Olympia-Bewerbung. Drei von vier Hamburger:innen waren also nicht für Ihre Olympia-Bewerbung. Und Sie fühlten sich unterstützt! Da müssen Sie sich fragen, was mit Ihrem Gefühl nicht stimmt. Vielleicht müssen Sie... Vielleicht müssen Sie einfach mal raus aus Ihrer rot-grünen, woken Bubble. Ihre gefühlten Mehrheiten sind keine Mehrheiten. Wie aufgezeigt, haben rund 75 Prozent der Wahlberechtigten Ihrer Olympia-Idee nicht zugestimmt. Das ist der alles entscheidende Fakt. Und deswegen ist das auch nicht nur eine verlorene Abstimmung, es ist eine krachende Niederlage. Und in diesem Lichte betrachtet, steht hinter Ihrer Koalition auch nicht die Mehrheit der Bürger. Also bitte ein bisschen mehr Demut bei den nächsten Projekten und der Ausübung Ihrer Amtsgeschäfte.
