Eva Botzenhart
Gut, dann kann es ja jetzt losgehen. Vielen Dank, liebes Präsidium! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Hamburger Verwaltung arbeitet heute in weiten Teilen mit digitalen Standardlösungen großer internationaler Anbieter. Dazu gehören zentrale Werkzeuge für E-Mail, Dokumente, Zusammenarbeit und Terminorganisation. Diese Systeme sind tief in die Arbeitsabläufe integriert und bilden das Rückgrat des täglichen Verwaltungshandelns. Wir reden hier von Microsoft Office 365. In diesem System werden Daten in externe Cloudstrukturen verlagert – in Microsoft-Cloudspeicher! Daten und Prozesse liegen damit nicht mehr ausschließlich in der direkten Kontrolle der Stadt. Und sie unterliegen damit auch unsicheren rechtlichen Rahmenbedingungen. Digitale Souveränität bedeutet in diesem Zusammenhang mehr als nur funktionierende IT: Es geht darum, Kontrolle über die eigenen Systeme und die eigenen Daten zu behalten, auch dann eine funktionierende Verwaltung zu haben, wenn die geopolitische Lage sich ändert, was ja, wie man weiß, durchaus passieren kann. Ein Baustein für größere Unabhängigkeit von einem US-amerikanischen Monopolisten kann Open-Source-Software sein. Also Software, deren Quellcode offenliegt und nachvollzogen, geprüft und weiterentwickelt werden kann. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Systeme werden transparenter, Abhängigkeiten werden reduziert, die Möglichkeit bleibt erhalten, Anpassungen selbst vorzunehmen, der Anbieter kann notfalls gewechselt werden. Zusätzlich entstehen durch offene Standards bessere Voraussetzungen für Zusammenarbeit und Interoperabilität – schwieriges Wort. In den letzten Jahren ist mit openDesk eine konkrete Möglichkeit entstanden, eine Arbeitsumgebung zu nutzen, die genau auf die Anforderungen der öffentlichen Verwaltung ausgerichtet ist. openDesk setzt dabei konsequent auf Open-Source-Komponenten und auf offene Standards. Diese Lösung wird bereits praktisch eingesetzt und weiterentwickelt, auch mit Beteiligung von Dataport. Damit gibt es eine realisierbare Option, die Arbeitsplätze der Verwaltung unabhängiger zu gestalten. Diese Möglichkeit wollen wir systematisch prüfen. Dafür soll die Erfahrung aus Schleswig-Holstein ausgewertet werden. Denn dort wird bereits seit mehreren Jahren eine umfassende Migration auf Open-Source-Lösungen in der Verwaltung umgesetzt. Außerdem wollen wir den Vergleich ziehen, welche Gesamt- und Folgekosten für die im Moment eingesetzten proprietären Systeme entstehen und wie sich diese Kosten im Vergleich zu einer Einführung von openDesk über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren darstellen. Laut Angaben aus Schleswig-Holstein sparen die dort nämlich über 15 Millionen Euro an Lizenzkosten – jährlich. Wir wollen in einem ersten Schritt also openDesk in einem klar abgrenzbaren Bereich der Verwaltung einsetzen, um zu ermitteln, wie die Verzahnung mit bestehenden Systemen gelingen kann, aber auch, um feststellen zu können, wie die Nutzer:innenerfahrung damit ist. Denn das ist ja auch eine der Grundlagen: Das muss akzeptiert werden, so eine neue Software, die eingesetzt wird, die einen neuen Umgang erforderlich macht. Auf dieser Grundlage kann dann ein schrittweiser Ausstieg gelingen. Es geht also nicht um einen sofortigen Systemwechsel, sondern um einen strukturierten Einstieg in mehr digitale Unabhängigkeit. Es bedeutet auch keinen Ausstieg aus den Rahmenverträgen mit Microsoft. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Das FHHnet fußt auf dem Active Directory. Die Postfächer sind über Exchange Server angebunden. Dataport unterhält mit dem FHHnet das europaweit größte und gleichzeitig sicherste Netzwerk. Da steckt überall Microsoft drin. Und in unzähligen anderen Anwendungen und Verfahren ebenfalls. Diese Architektur ist davon nicht betroffen. Denn eine funktionierende Verwaltung bleibt unser oberstes Ziel. Trotzdem funktioniert eine Verwaltung eben auch dann, wenn sie resilienter wird. Und hier gehen wir einen ersten Schritt. Vielen Dank.
