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Dr. Tim Stoberock

SPD 5:12 min Sitzungen 23/22

Ja, Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Eben gerade ging es hier hoch her, aber ich glaube, jetzt haben wir ein Thema, hinter dem wir uns alle vereinen können. Denn alle Menschen wünschen sich, in den eigenen vier Wänden, in der gewohnten Umgebung, im Stadtteil, im eigenen Quartier alt werden zu können, gerade auch bei Pflegebedürftigkeit. Die eigene Nachbarschaft, die steht für Vertrauen, Sicherheit, sei es die Hausärztin, im eigenen Quartier den Plausch mit den Nachbarn führen zu können, den täglichen Gang um die Ecke, um die alltäglichen Besorgungen erledigen zu können. Dieser Wunsch ist nicht nur emotional verständlich, sondern auch gesundheitlich vernünftig. Gut organisierte Unterstützung zu Hause erhöht nachweislich die Lebenserwartung und die Gesundheit. Und dazu spart es auch eine ganze Menge Geld dem Einzelnen und der Solidargemeinschaft, denn Pflege zu Hause ist günstiger als im Pflegeheim. Und genau deshalb ist wohnen bleiben im Quartier, in der Nachbarschaft, in den eigenen vier Wänden ein zentraler Grundpfeiler unseres Aktionsplans Age-friendly City. Denn wir werden alle älter, die Zahl der Hochaltrigen und Pflegebedürftigen nimmt deutlich zu. Und dazu kommt: Wir haben weniger Kinder, beide arbeiten, beide Paare arbeiten und es gibt immer größere Entfernungen. Das heißt, die klassische Familienpflege funktioniert immer seltener allein. Und gleichzeitig ist es bei der Pflege, Hausärzte, Sozialdienste, Wohnungsbau, Ehrenamt – alle arbeiten mit eigenen Logiken, Budgets, Zuständigkeiten. Die Forschung spricht hier von einem komplexen, oft unzureichend aufeinander abgestimmten Hilfemix. Und das hat die Folge, dass suboptimale Versorgungslücken entstehen und Doppelstrukturen vorhanden sind. Und die Betroffenen müssen sich dann im Bedarfsfall, im Pflegefall das alles mühsam selber zusammenpuzzlen. Und genau hier setzt die caring community, die sorgende Gemeinschaft ein. Wir brauchen deshalb im Quartier Strukturen, die die Fäden zusammenhalten, Netzwerke im Quartier, in denen Nachbarschaft, Vereine, Kirchen, Wohnungswirtschaft, professionelle Dienste und die Kommunen vor Ort Verantwortung teilen können, damit die Menschen mit Hilfs- und Pflegebedürftigkeit gut leben können. Also eine sorgende Gemeinschaft im Stadtteil, in der klar ist: Wenn Frau Yilmaz stürzt oder Herr Petersen plötzlich vergisst, wo er genau wohnt, dann gibt es nicht nur den Notruf, es gibt Menschen und Strukturen, die hinsehen und handeln können. Dabei sind sorgende Gemeinschaften kein Patentrezept. Sie müssen in jedem Quartier, in jeder Nachbarschaft, in jedem Stadtteil individuell etabliert und gepflegt werden. Und genau hier setzen wir an. In Hamburg gibt es diesen Ansatz bereits über die Ziele der Ausschreibung für die Modellprojekte "Wohnen bleiben im Quartier" mit den Quartierskoordinatoren, ein Akteursnetzwerk aus Pflege, sozialer Arbeit und Ehrenamt. Und das wollen wir mit diesem Antrag weiter vertiefen. Das heißt, wir wollen diese Strukturen künftig im Rahmen einer digitalen Planung besser abbilden. Wir wollen über das sogenannte Cockpit soziale Infrastruktur die Möglichkeiten so weiterentwickeln, dass wir die Angebote auch auf Quartiersebene in der unmittelbaren Nachbarschaft abbilden können. Und mit diesem Cockpit können wir dann sehen: Wo gibt es ambulante Dienste, wo gibt es Tagespflege, wo gibt es Wohnpflegegemeinschaften, wo gibt es Servicewohnen, wo gibt es aber auch einfach nur Nachbarschaftstreffs, die sich also gegen die Einsamkeit im Alter einsetzen? Und wo leben auch viele Hochaltrige mit relativ wenigen Angeboten, sodass wir da jeweils nachbessern können. Denn, so ist der Gang der Dinge, wir alle werden älter. Ganz viele von uns werden einmal auf Unterstützung angewiesen sein oder geben bereits heute Unterstützung, gewährleisten das bereits heute. Und deshalb ist es genau das, was wir heute beschließen, entscheidet morgen darüber, ob wir im Pflegefall in unserer vertrauten Umgebung, in den eigenen vier Wänden bleiben können. Und deshalb wollen wir mit diesem Antrag die sorgenden Gemeinschaften, die caring communities in Hamburg stärken. Wir wollen das Bundesmodell nach dem SGB XI klug ausbauen, unsere digitale Planung schärfen, damit die Pflege eben dort ankommt, wo Menschen leben: im Quartier, in der Nachbarschaft, im eigenen Stadtteil. Und genau darum bitte ich um Ihre Zustimmung. Vielen Dank.

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