Antje Hebel
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hamburger. Rot-Grün möchte die Schließung des Krankenhauses Groß-Sand durch eine Stadtteilklinik kompensieren. Klingt gut, ist aber nur eine Beruhigungspille. Suggeriert das Wort Klinik, dass dort ein Krankenhausersatz geschaffen werden soll? Nein, liebe Wilhelmsburger, Sie bekommen kein Krankenhaus, keine Notaufnahme, keine Intensivstation. Denn Fakt ist, egal ob es einem passt, keiner will ein Krankenhaus in Wilhelmsburg betreiben. Heißt zukünftig: Unfallopfer oder der Herzinfarkt werden nicht in die Stadtteilklinik, sondern sofort ins Krankenhaus transportiert, da nur dort notwendige Behandlungen erfolgen können. Eine Stadtteilklinik plant kleinere Eingriffe, ist für kurzstationäre Pflege gedacht und hat ein Belegarzt-System, wodurch die rund 15 Betten gefüllt werden. Das hilft den Wilhelmsburgern wenig, bindet aber Kapazitäten, die woanders fehlen könnten. Denn die bisherigen Akutfälle aus Groß-Sand müssen nun in den umliegenden Krankenhäusern behandelt werden. Dort sind gegebenenfalls Kapazitäten zu erweitern sowie effizienzsteigernde Modernisierungen vorzunehmen – letzteres sowieso vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels. Das würde die Gesundheitsversorgung aller Menschen auch auf der Elbinsel sichern. Was sich die Regierung nicht traut zu sagen, ist, dass die goldenen Zeiten vorbei sind. In unsteten Zeiten, leeren Kassen, wirtschaftlichen Abschwung, wo Milliarden einer gelösten Schuldenbremse in Haushaltslöchern verschwinden, darf man sich nichts vormachen. Weitere Krankenhäuser in und um Hamburg werden schließen oder mit Standortaufgabe fusionieren. Daher brauchen wir dauerhafte Lösungen in Form eines zweigleisigen Systems, dem leistungsstarken MVZ vor Ort mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen samt Unfallarzt für kleinere Eingriffe. Dazu top ausgestattete Krankenhäuser mit ausreichenden Kapazitäten samt einer hervorragenden Not- und Erstversorgung des Patienten am Unfallort. Das sollte unser Handlungsleitfaden in der Gesundheitspolitik sein.
