Antje Hebel
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hamburger. "Olympische und Paralympische Spiele sind eine kluge Investition für unsere Stadt", so die Formulierung der Regierungskoalition zu dieser Aktuellen Stunde. Ich habe beim Lesen des Titels etwas vermisst: Wörter wie Frieden, Sport oder Zusammenhalt. Darum geht es doch bei Olympia oder nicht? Um den friedlichen und fairen Wettstreit beim größten Sportfest der Welt trotz aller Konkurrenz. Ich hätte es passend gefunden, genau das zu betonen, da wir nicht gerade in friedlichen Zeiten leben. Aber nein, Rot-Grün hat sich lieber für das Wort "Investition" entschieden. Es geht also wieder einmal ums Geld, genau wie dem IOC. Genauer: um üppige Bundeszuschüsse für die Olympia-Ausrichtung, von denen sich der Senat erhofft, Infrastrukturprojekte voranzutreiben. Und dieser Umstand, dass der Senat aber auch wirklich bei jeder Gelegenheit darauf hinweist, dass eine Ausrichtung der Spiele Hamburg fettes Geld aus Berlin bringt und nicht der anderen Stadt, das ist, dezent gesagt, unappetitlich. Der... Der Sport und Olympia werden hier als Mittel zum Zweck für die Geldbeschaffung missbraucht. Da heiligt auch der Zweck die Mittel nicht mehr. Also gut: nix Frieden, Sport, Fairness – nee, lieber Geld. Da kommt jetzt das Finanzkonzept ins Spiel. Im Mai 2025 meldete der Senat Hamburg zur Olympiabewerbung an – ohne Bürgerbeteiligung. Und nach neun Monaten hat ein Expertenteam ein Finanzkonzept präsentiert. Darin waren sechs Zahlen, in Worten sechs Zahlen, die Prozentzahlen nicht mit eingerechnet. Der Kreis kreißte und gebar eine Maus. Diese Mischung aus groben Schätzungen, ganz viel Paris-Erfahrung voller Unwägbarkeiten und Risikofaktoren, die Kostenbereiche ausklammert wie die Sicherheit, die in Paris 1,4 Milliarden Kosten verursacht hat, kommt am Schluss zur wichtigsten der sechs Zahlen: "Olympia bringt uns 100 Millionen Euro." Na, dann ist ja alles gut, oder? Die Geld- und Bauexperten vom Senat rufen da jetzt auch schon jedem zu: "Seht her, Olympia rechnet sich!" Warum fallen ihm dann plötzlich Dinge ein wie Elphi, HSH, Haus der Erde? Die Erbauer der Elbphilharmonie, die statt geplanter 75 gute 800 Millionen Euro ausgaben, Bauzeit verdreifacht. Die Verantwortlichen der HSH Nordbank-Pleite, einer der größten Bankenskandale Deutschlands, hat den Steuerzahler rund 12 Milliarden Euro gekostet. Ursachen: Größenwahn, null Risikomanagement, Verletzung der Aufsichtspflicht durch den Senat. Die aktuell das Haus der Erde bauen: Kostenexplosion von 180 auf 425 Millionen Euro, Bauzeit verdreifacht, immer noch nicht fertig. Das alles ist Teil der Bilanz und der Geld- und Bauexperten, die von sich behaupten, dass sie Olympia können und dabei 100 Millionen Euro Gewinn erzielen. Das ist unglaublich, grotesk. Eine Anmerkung noch zu dem Aspekt der Sicherheit. Wir erinnern uns: Bezirksamtsleiter Grote, der wie seine Parteigenossen davor und danach weder für die Sicherheit am Hansaplatz noch für einen zumutbaren Hauptbahnhof sorgte, wurde dadurch zum Senator befördert. Beim G20-Gipfel zeigte Senator Grote erneut, was er nicht kann, nämlich für Sicherheit sorgen. Das Ergebnis: Rauchsäulen über der Stadt, in der ein linksautonomer Mob wütete – Bilder, die damals um die Welt gingen. Und bitte erinnern Sie sich auch daran, da draußen steht schon ein politisch gewolltes Großprojekt, das um jeden Preis gebaut werden sollte: der Elbtower. Dort sollte niemals auch nur 1 Euro Steuergeld reinfließen, niemals – können Sie alles in den Ausschussberichten lesen. Jetzt strömen dort 600 Millionen Euro Steuergeld in den Bau, damit die Rechnung der Bauherren aufgeht. Und jetzt soll das nächste politisch gewollte Großprojekt vom Stapel laufen. Die Olympiade in Hamburg mit 100 Millionen plus – wer's glaubt. Eine Olympiade in Hamburg hätte alle Chancen, der neue Elbtower in Form von fünf Ringen zu werden. Und das ist der Grund, weshalb die AfD die Bewerbung Hamburgs für Olympia nicht unterstützt. Wie das Finanzkonzept glaubt, mit sechs Zahlen die Olympiafinanzierung darzustellen, brauche ich definitiv nur sechs Worte, um unsere Ablehnung zu erläutern: weil Rot-Grün es nicht kann. Das haben Sie oft genug bewiesen. Sie brauchen keine x-te Chance, um das erneut zu beweisen. Danke.
