Hila Latifi
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen! Warum nehmen eigentlich immer noch so wenige Väter Elternzeit? So zeigen das auch die aktuellen Zahlen der Hamburger Verwaltung: Von knapp 5.000 Elternzeitanträgen im vergangenen Jahr waren rund 1.000 von Vätern. Und auch die Dauer unterscheidet sich deutlich. Wenn sie Elternzeit nehmen, dann im Durchschnitt 120 Tage weniger als Mütter. Gerade für Frauen bedeutet Mutterschaft aber nach wie vor ein erhöhtes Armutsrisiko. Bereits mit der Geburt des ersten Kindes sinkt das Erwerbseinkommen deutlich und langfristig. Aufstiege verzögern sich, Rentenansprüche fallen geringer aus und der Wiedereinstieg in den Beruf gestaltet sich nicht immer problemlos. Die Frage "Kind oder Karriere" ist für viele Frauen heute aber keine Wahlmöglichkeit. Gerade Mütter sind angewiesen auf ein auskömmliches Einkommen. Umso wichtiger ist es, dass der Hamburger öffentliche Dienst diese strukturellen Benachteiligungen abbaut. Hier zeigt sich außerdem, wie eng Gleichstellung und sozialer Status miteinander verbunden sind. Tarifbeschäftigte, die überdurchschnittlich Frauen sind, oft in schlechter bezahlten Entgeltgruppen, können sich ihre Elternzeit nicht als Erfahrungszeit anrechnen lassen und verlieren wertvolle Stufenlaufzeit, während Beamt:innen ihre Erziehungszeit bis zu drei Jahren pro Kind vollständig als Erfahrungszeit angerechnet bekommen. Wer also im Tarifvertrag arbeitet, zahlt doppelt: erst durch die unbezahlte Care-Arbeit und dann durch die strukturelle Benachteiligung im Beruf, durch verzögerten Aufstieg, langsamen Lohnzuwachs und geringere Renten. Die Ungleichbehandlung zwischen Besoldungsrecht und Tarifrecht ist politisch nicht vertretbar. Sie widerspricht jedem Gleichstellungsziel. Und natürlich wäre es auch wichtig, dass mehr Väter Elternzeit nehmen. Aber dafür müssen die bestehenden Hürden weiter ausgebaut werden. Hamburg... Hamburg versteht sich als familienfreundliche Arbeitgeberin. Wer Gleichstellung predigt, darf sie in den eigenen Strukturen aber nicht unterlaufen. Deshalb fordern wir den Senat auf, sich in der Tarifgemeinschaft der Länder dafür einzusetzen, dass Elternzeit künftig vollständig auf die Erfahrungsstufen angerechnet werden. Danke schön.
