Andreas Grutzeck
Ja, Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir haben vor einigen Jahren mal – es war ein sehr kalter Winter – über diese Obdachlosenthematik diskutiert. Und ich habe zugegebenermaßen damals auch sehr provozierend einen Satz gesagt, von dem ich mir sehr überlegt hatte, ob ich ihn heute noch mal wiederholen sollte. Und als Frau Warnecke ihre Rede gehalten hatte, hab ich mich entschieden, es nicht zu tun. Nachdem Herr Önes seine Rede gehalten hat, habe ich mir das wieder anders überlegt. Ich hab damals gesagt: Da draußen sterben die Menschen, und hier drinnen klopfen sich Rote und Grüne auf die Schultern. Frau Warnecke hat das sehr differenziert gesagt. Herr Önes, ich weiß gar nicht, wo ich bei Ihnen anfangen soll. Das hat doch mit der Realität in Hamburg überhaupt gar nichts zu tun. Wir haben... Sie sagen zwar: "Wir haben so viel getan." Der Fakt ist aber: Seit der letzten Zählung hat sich die Zahl der Obdachlosen in Hamburg verdoppelt. Da muss doch irgendetwas an Ihrem System nicht stimmen. Nehmen wir doch mal... Nein, fangen wir mal anders an. Diese Studie. Der Weg dorthin war doch schon tief blickend. Im Februar 2024 ist die Studie gemacht worden. Im April 2025 haben Rote und Grüne einen Antrag hier eingebracht mit dem einzigen Punkt, die Behörde wird aufgefordert, diese Untersuchung vorzulegen. Das alleine lässt ja schon tief blicken, dass Sie Ihren eigenen Senat auffordern müssen, etwas vorzulegen. Sie haben dann ein Datum gesetzt bis 30. September. Bis dahin war der Bericht immer noch nicht vorgelegt. Wir haben dann ein bisschen nachgefragt. Und mithilfe der Presse wurde dann, und ich glaube, bis heute, sehr spontan der Bericht vorgelegt Anfang November und hatte dann natürlich die Zahlen, mit denen wir auch gerechnet haben. Ich weiß nicht, wann der vorgelegt worden wäre, hätten wir diesen Druck nicht entfaltet. Das alleine zeigt schon, dass irgendetwas im Gebälk der Sozialbehörde nicht stimmen kann. So, nehmen wir die Repsoldstraße. Sie klammern sich an dieses Gebäude und an die sicherlich Möglichkeiten, die man dort für Obdachlose einrichten kann. Wir haben im Sozialausschuss mit den Obleuten besichtigt, das ist richtig. Ein kleiner Teil war damals hergerichtet für 30 oder 31 Personen, Übernachtungsplätze oder Schlafplätze, davon sind, ich glaube, 17 im Moment besetzt, belegt, nicht 31. Auch da muss ich sagen, scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Entweder das Konzept ist falsch oder aber auf der Straße wird nicht ausreichend Werbung dafür gemacht. Ja, aber das ist doch... Ich stelle mir vor, wenn Sie so ein neues Konzept einführen, müssten die Leute Schlange stehen. Und dass jetzt vier Wochen oder sechs Wochen später immer noch nicht oder grade mal die Hälfte belegt ist, ist für mich ein Armutszeugnis. Da muss irgendetwas nicht stimmen bei Ihnen. Herr Grutzeck, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbewertung - vom Kollegen Herr Önes? - Ja, gerne. Ist eigentlich nur eine Ergänzung. Also, Sie war ja dabei, und da wurde ja berichtet, dass die Menschen zuerst im Nox sind und dass dann diejenigen, die dann diese Hilfe in Anspruch nehmen wollen und auch die Stabilisierung wollen, dann rüber wechseln in die Repsoldstraße und dass das dann auch aufwachsend ist. Und September, Ende September war ja jetzt vor allzu... also ist ja nicht lange her, ne, das sind zwei Monate nicht mal. Deswegen wissen Sie, wird das in Zukunft noch mehr in Anspruch genommen. Also ich glaub, da haben Sie nicht ganz aufgepasst. Ich glaube, ich hab da sehr gut aufgepasst. Und deswegen komme ich auch zu der Meinung zu dem Thema, die ich habe. Ich glaube, das System ist nicht vernünftig und es ist vor allen Dingen ja noch lange nicht fertig. Die Repsoldstraße hat ja eine sehr viel größere Fläche als dieser letztlich kleine Bereich, der dort mittlerweile hergerichtet ist. Dieses Konzept kennen wir bis heute nicht. Die Sozialsenatorin verspricht natürlich immer groß: "Ja, das wird alles ganz toll, und wir helfen da auch ganz viel." Die Repsoldstraße ist, glaube ich, seit zwei Jahren im Eigentum der Stadt. Wenn bis dahin oder bis heute nur 30 Plätze ausgewiesen sind und der Rest weiterhin brachliegt, dann kann auch hier irgendetwas nicht stimmen. Deswegen auch meine Bitte an die Sozialsenatorin, die heute jetzt nicht da ist. Sie ist bei der Sozialministerkonferenz, das ist entschuldigt. Aber vielleicht die Herren dort oben auf der Bank, bestellen Sie's ihr mit einem schönen Gruß von mir. Die Entscheidungen in der Sozialbehörde müssen viel, viel schneller fallen. Alleine Housing First – drei Jahre Modellversuch für ein Projekt, von dem wir bis heute oder von dem wir auch vor drei Jahren schon wussten, es ist gut. und es kann eigentlich sofort losgehen. Deswegen bitte machen Sie in Zukunft zügiger. Verschlanken Sie Ihre Entscheidungsprozesse und gehen Sie gerade bei den Obdachlosen zur Tat, schreiten Sie zur Tat, denn auch dieser Winter wird wieder viele Tote leider hervorbringen. Und auch für diesen Winter wird es in der Kirche Am Weiher in einem Jahr leider wieder einen Gedenkgottesdienst geben. Das muss nicht sein. Wir können es besser. Wir müssen es nur tun. Machen Sie's!
