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Dr. Anke Frieling

CDU 4:56 min Sitzungen 23/14

Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging am Tag der Entscheidung, der Wettbewerbsentscheidung beziehungsweise der Pressekonferenz dazu. Da war in dieser Stadt ungefähr 24 Stunden lang nicht eine kritische Stimme zu hören, sondern alle waren recht angetan von dem Entwurf, und es entwickelte sich eine gewisse Vorfreude auf das das neue Opernhaus. Nun sind wir heute aufgerufen, uns die organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Arbeit weitergehen kann. Und der Eindruck war schon so: Der Entwurf gefällt. Er bietet einen schönen Ort, an dem man zusammenkommen kann, auch wenn man nicht in die Oper gehen will. Es ist eine weitere Attraktion für Hamburg, aber auch ein Ort für die Nachbarschaft. Das Gebäude ist nicht monumental, sondern es nutzt die Qualitäten dieses einzigartigen Grundstücks aus. Frau Vértes-Schütter hat es gerade schon vorgestellt, die Eckdaten, die Organisation et cetera. Das wird mit allem geregelt, was wir heute beschließen sollen. Die Stadt Hamburg erhält das Haus nicht komplett geschenkt. Sie wird aber von Herrn Kühne beziehungsweise seiner Stiftung sehr großzügig bedacht und erhält mit dem neuen Opernhaus an diesem exponierten Standort in der HafenCity ein besonderes Highlight mit wirklich großer Anziehungskraft. Denn eins muss man sehen: Auch für die Oper gibt es "Fanclubs". Es gibt viele Opernbegeisterte, die sich für tolle Aufführungen auf den Weg machen in Städte mit herausragenden Angeboten. Das wird dieses Haus bieten können. Und wenn es jetzt heißt, man müsse erst mal prüfen, ob es überhaupt noch einen Bedarf gibt für ein Opernhaus, weil ja niemand mehr in die Oper gehen wolle, so liegt man jetzt schon falsch. Es gibt ein Publikum für die Oper, das nicht ausstirbt, sondern nachwächst. Und zudem ist doch eins ganz klar: Ein neuer Ort mit spektakulärer Architektur wird zusätzliches Interesse wecken, wird zusätzliche Menschen anziehen und für die Oper interessieren und eventuell dann auch begeistern. Und vergessen Sie bitte eins nicht: Die Oper ist ein wichtiger Teil unserer europäischen Kultur, über Jahrhunderte gepflegt. Es ist gut, dass wir mit dem Neubau die Chance erhalten, diese Tradition kraftvoll fortzusetzen. Und dank Herrn Kühnes Engagement zu vertretbaren Kosten für unsere Stadt. Köln saniert sein altes Operngebäude für fast 1 Milliarde Euro. Düsseldorf muss seinen Ersatzbau aus eigenen Mitteln finanzieren. Dagegen ist Hamburgs finanzieller Beitrag tatsächlich überschaubar. Natürlich gibt es noch Risiken. Große Projekte haben immer Risiken. In diesen Verträgen wird allerdings Vorsorge getroffen. Es gibt Ausstiegsklauseln, die die Kostensteigerungsrisiken schon heute in den Blick nehmen. Mit der heutigen Entscheidung steht nämlich nicht fest, dass wir in den Dreißigerjahren auf dem Dach der Oper in der Sonne sitzen werden. Entschieden wird das erst in zwei Jahren, wenn die Detailplanung stattgefunden hat. Und dann liegt eine seriöse Kostenschätzung vor, und dann besteht halt auch die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen. Und wenn das ganze Projekt komplett aus dem Ruder gelaufen ist, schon dann, dann wird das wohl auch zu erwarten sein. Niemand... Angesichts der Baukostenentwicklung der letzten Jahre, der Erfahrung mit vielen Großprojekten auch hier in Hamburg und den allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten in Deutschland und der Welt sind wir wirklich froh über diese durchdachte Vorgehensweise. Niemand braucht eine Dauerbaustelle Opernhaus, und es wird auch sehr schwer sein, das Naturkundemuseum oder das Hafenmuseum dort unterzubringen. Wenn also in zwei Jahren eine positive Entscheidung für den Opernneubau getroffen wird, können wir dank privatwirtschaftlicher Projektorganisation mit einer Fertigstellung des Gebäudes im geplanten finanziellen und zeitlichen Rahmen rechnen, zumindest einigermaßen, und auch nicht zulasten der Stadt, wie das die Verträge ja doch deutlich regeln. Sind wir nun alle zufrieden? Das galt leider nur für einen Tag. Dann waren alle Bedenken wieder auf dem Tisch, insbesondere auch die Klage über die fehlende öffentliche Debatte. Und auch wir bedauern, dass die öffentliche Debatte nicht stattgefunden hat. Der Bürgermeister und sein Kultursenator haben sich entschieden, hinter den Kulissen zu verhandeln. Und wir stehen jetzt vor den vollendeten Tatsachen. Das stehen wir in dieser Stadt öfter mal, meist aber mit einem katastrophalen Ergebnis, wenn wir zum Beispiel an den Ersatz der denkmalgeschützten Sternbrücke in Altona durch eine Monsterbrücke denken. Mit dem neuen Opernhaus auf dem Baakenhöft erhält Hamburg ein faszinierendes architektonisches Highlight, das in jeder Hinsicht eine Bereicherung für unsere Stadt sein wird. Deshalb werden wir dem Antrag zustimmen.

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