Hila Latifi
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen! Alle zwei Minuten wird in Deutschland eine Frau geschlagen. Fast jeden Tag versucht ein Mann, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten, und fast jeden zweiten Tag gelingt dieser Versuch. Frauenhäuser sind oft der einzige Ort, an dem betroffene Frauen und ihre Kinder Schutz finden. Seit über 40 Jahren leisten sie diese wertvolle und unverzichtbare Arbeit, unabhängig von der Herkunft der betroffenen Frauen. Im Frauenhaus begegnen sich Frauen aus unterschiedlichsten sozialen Milieus, denn Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das Frauen unabhängig von Alter, Nationalität, sozialem Status oder Bildungshintergrund betreffen kann. Die entscheidende Frage lautet also nicht: Woher kommt eine Frau? Sondern: Kann sie es sich leisten zu gehen? Viele Frauen bleiben in der Gewalt gefangen, weil sie keine Alternativen haben, weil sie finanziell abhängig sind, weil sie keine Wohnung finden oder weil der Aufenthaltstitel an den Täter gebunden ist. In Hamburg wurden 2023 fast 140.000 Delikte der Partnerschaftsgewalt erfasst. Knapp 70 Prozent, nicht 60 Prozent, 70 Prozent der Täter waren deutsche Staatsbürger. Zu einer Verbesserung der Prävention haben diese Erkenntnisse aber nicht geführt. Entscheidend für die Prävention ist nicht die Herkunft der Opfer, sondern die Täterprofile, soziale Lage, Wohnsituation und familiäre Strukturen der Betroffenen. Wichtig und notwendig ist also, dass alle Frauen mit oder ohne Migrationshintergrund in Hamburg die gleiche Hilfe und Unterstützung erhalten. Die Behauptung, dass es in Frauenhäusern regelmäßig zu interkulturellen Konflikten komme, ist weder belegt noch nachvollziehbar. Hamburg hat eine bundesweit überdurchschnittliche Dichte an Beratungsstellen, die niedrigschwellige, vielseitige und interkulturell aufgestellte Angebote machen. Deutschland hat sich mit der Istanbul-Konvention klar verpflichtet, Frauen vor Gewalt zu schützen. Dieser Schutz muss kontinuierlich gestärkt werden und erweitert werden, - wie zuletzt im Gewalthilfegesetz. - Frau Latifi? - Kommen Sie zum Schluss? - Ja. Wir müssen also gesellschaftliche Strukturen bekämpfen, die männliche Gewalt überhaupt ermöglichen. Nicht die Opfer gehören in den Fokus, sondern die Täter. Danke.
