Andreas Grutzeck
Ja, Frau Präsidentin, meine Damen und Herren. Frau Weber, Herr Stoberock, es wird Sie wahrscheinlich nicht überraschen, wenn ich jetzt doch mal ein bisschen Wasser in den Wein gießen muss. Zunächst mal ist das ja sehr schön, dass wir seit 2024 ein Programm haben, "Age-friendly City". Das klingt gut, das ist noch dazu mit der WHO-Plakette versehen, und es bietet 105 Maßnahmen, die auch, wenn sie denn alle mal umgesetzt sind, sicherlich eine feine Sache sind. Die Frage ist: Führt das dazu, dass Hamburg wirklich altersfreundlicher wird? Wir haben viele kleinteilige Maßnahmen in diesem Programm. Was mir ein bisschen fehlt, ist der Blick aufs große Ganze. Das, Frau Weber hat das Beispiel eben schon genannt, Seniorenticket. Klar, es kommt irgendwann. Aber wann ist irgendwann? Versprochen wurde uns vom Finanzsenator kurz vor der Wahl, dass es noch dieses Jahr kommt. Wir sind gespannt, viel Zeit haben Sie nicht mehr. Ich nehme das Beispiel innere Sicherheit. Welcher Senior fährt heute noch gerne mit der Bahn, vor allen Dingen in den Abendstunden? Ja, ich kenne auch einige, aber ich kenne vor allen Dingen viele, die es nicht mehr machen, und das macht mir Sorge. Das ist ein Problem, das geht uns alle an, aber es führt eben auch dazu, dass alte Menschen sich in dieser Stadt eventuell nicht mehr wohlfühlen. Also ein Thema, das eigentlich auch in so ein Programm reingehören würde. Das Programm "Age-friendly City" wird nur dann wirklich gut, wenn auch was passiert, wenn es umgesetzt wird, wenn der Senat tüchtig dabei ist, auch Maßnahmen davon umzusetzen. Ich frage mal die Senatorin: Seit 2024 haben wir das Programm, das ist nun mittlerweile fast ein Jahr. Haben Sie irgendetwas aus diesem Programm im letzten Jahr umgesetzt? Ist irgendetwas von diesen 105 Projekten... können wir da jetzt einen Haken mehr hinter machen? Ich habe davon nichts gehört, es ist uns im Ausschuss nichts berichtet worden. Vielleicht nehmen Sie ja gleich das Wort an sich und entwickeln und tragen uns noch mal ein bisschen vor, was Sie dazu zu sagen haben. Das Programm hat viele gute Ideen, aber es ist eben vieles auch wirklich nur bisher ideenmäßig. Die Stärkung des Entlassmanagements ist geplant zu verbessern. By the way: Zum Wohlfühlen gehört auch die ärztliche Versorgung. Viele Stadtteile in dieser Stadt haben nicht mehr eine hausärztliche Versorgung. Auch das gehört mit ins Programm, finde ich, dass das in irgendeiner Form genannt wird. Zu diesem Thema sagt das Programm nur: "In einigen Regionen der Stadt ist die Entwicklung der hausärztlichen Versorgung" "mit gewisser Sorge zu betrachten." Das ist sehr höflich formuliert, meine Damen und Herren, für ein Problem, das uns wirklich gravierend auf die Füße fällt und das Jahr für Jahr im Moment schlimmer wird, weil Praxen zumachen, weil Praxen verdichtet werden, weil Praxen aufgekauft werden und umgewandelt werden. Da muss auch etwas passieren. Alles in allem unterstützen wir natürlich den Antrag, weil, wie gesagt: Es ist meiner Meinung nach eine Selbstverständlichkeit, dass ein Programm, das mit so viel Vorschusslorbeeren auch aus der eigenen Koalition bedacht wurde, dann natürlich auch alle drei bis fünf Jahre evaluiert wird. Deswegen finden wir das gut. Sie haben zur ersten Evaluation noch ein Jahr Zeit oder ein gutes Jahr. Nutzen Sie die Zeit, Frau Senatorin. Und wenn Sie Hilfe brauchen – ich weiß, die Koalition ist Ihnen immer näher als die Opposition –, aber unsere Unterstützung haben Sie dabei. Vielen Dank.
