Dr. Anke Frieling
Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir erinnern uns eigentlich ja alle, wie es mal losging, ne? Nach einer ersten heftigen und man könnte auch schon sagen sehr rüden Ablehnung durch den Fraktionsvorsitzenden Dirk Kienscherf exakt hier in diesem Hause hat die SPD dann noch einmal gründlich nachgedacht, was sie mit dem Geschenk von Herrn Kühne eigentlich anfangen soll. Dabei ist dann doch wohl aufgefallen, dass eine platte Absage nicht die richtige Reaktion war. Es wurde also Herr Brosda beauftragt, die Kuh wieder vom Eis zu holen. Das Ergebnis dieser Bemühungen findet sich in dieser Drucksache, die meine Kollegin gerade schon ausführlich dargestellt hat. Und natürlich gibt es auch Risiken, ja. Alles, was Sie uns erzählt haben und was gedeckelt sein soll... Es ist natürlich nicht alles gedeckelt. Und das wissen wir doch auch mittlerweile alle. Größere Projekte, an denen die öffentliche Hand und die Politik beteiligt sind, bleiben selten im Zeitplan und nie im Budgetrahmen. Ich erspare also Ihnen und mir die üblichen Katastrophenszenarien, ohne dass ich sie damit explizit ausschließen will. Natürlich, ich würde davon ausgehen, dass es teurer wird, als wir heute denken... Ja. Unsere Fraktion hat den Opernhausvorschlag nie rigoros abgelehnt, sondern sich für das Gespräch und das Aushandeln vernünftiger Konditionen für die Stadt eingesetzt. Ich hätte mich sehr gern auch für eine breitere gesellschaftliche Debatte eingesetzt, dies war aber angesichts der Diskussion hinter den Kulissen nicht möglich. Und auch jetzt, ich meine, wir stehen vor vollendeten Tatsachen. Die Debatte hat stattgefunden, die Mehrheitsverhältnisse in diesem Hause sind so, wie sie sind. Und es fehlte an dieser öffentlichen Debatte, und die können Sie in diesem Sinne jetzt auch nicht mehr nachholen. Das... Wir stehen eben... Der Mangel an der gesellschaftlichen Debatte wird dieses Projekt in jedem Schritt belasten, und die nachfolgenden Redner von der Seite werden das ja gleich auch noch ausführlich ausbreiten. Zu viele Menschen in dieser Stadt sind zu Recht sehr verärgert darüber, dass es keinerlei Möglichkeit gegeben hat, ihr Expertenwissen, ihre Meinungen und ihre Wünsche einzubringen. Ich wünsche uns allen als Hamburgerinnen und Hamburgern, dass die neue Oper dann nach Fertigstellung genauso überzeugt wie die Elbphilharmonie und das Hickhack dann auch vergessen sein wird. Das wird aber ja vor 2034 dann eben auch nicht der Fall sein. Was finden wir gut an dem Projekt? Und das ist tatsächlich etwas, was einem dann Hoffnung machen kann. Was, wo einem auch tatsächlich die Drucksache etwas Hoffnung machen kann. Denn in dieser Drucksache gibt es erstaunlich klare Termine. Die können immer noch verrückt werden, wissen wir alle, aber danach gibt es immer zum Beispiel eine achtwöchige Reaktionsfrist. Das hört man in dieser Stadt eigentlich nie. Ich hoffe... Und ich nehme auch an, dass der eine der Vertragspartner auf diese Fristen auch bestehen wird. Und was wird dann der Vorteil sein? Wir kriegen seit, weiß ich nicht, fast zehn Jahren mittlerweile, ein Hafenmuseum. Ein Hafenmuseum, das ich finde, dass diese Stadt wirklich sehr gut vertragen kann, obwohl wir ein Maritimes Museum haben. Und das Hafenmuseum könnte die einmalige Geschichte dieser Stadt mal wirklich gut erschließen, inklusive aller positiven und negativen Aspekte. Ob das noch irgendwer, der hier sitzt, erleben wird, ist sehr, sehr fraglich. Weil die Kosten sind ja mittlerweile explodiert, der Bundeszuschuss wird allerdings nicht explodieren. Der wird bleiben, was er ist. Dann haben wir das Naturkundemuseum, das Evolutioneum, von Herrn Glaubrecht anfangs mit unglaublich vielen guten Ideen, mit ganz viel Verve immer überall präsentiert, alle total begeistert – krepiert... – krepelt, noch nicht krepiert – krepelt vor sich hin. Es wird ja auch nicht sterben, weil Sie ja Verpflichtungen eingegangen sind. Aber es ist natürlich nicht ausreichend finanziert, es wird also eine Notlösung bleiben. Das Haus der digitalen Welt, da weiß kein Mensch, was uns da erwartet. Auf gar keinen Fall offensichtlich ein Neubau und eine endlose Debatte darüber, was kommt. Was bringt uns die Oper? In dem, was uns versprochen wird, wird sie mehr sein als ein Opernhaus. Es wird ein Ort der Begegnung sein. Es wird ein Ort der kulturellen Bildung auch sein. Und ich verlasse mich auf die Zusagen, die da gegeben worden sind. Und ich glaube, von all diesen Projekten, die ich gerade aufgezählt habe, ist es das einzige, was wir in absehbarer Zeit wirklich sehen werden. Und das macht Freude. Danke.
