Andreas Grutzeck
Ja, Herr Präsident, meine Damen und Herren, liebe Hamburgerinnen und Hamburger! Vor vier Wochen haben wir hier an dieser Stelle uns bei den Gehörlosen, bei der Community dafür entschuldigt, dass ihre Sprache über Generationen verboten war und dass sie viel Leid und Unrecht erlitten haben dadurch, dass sie ihre Sprache nicht sprechen durften. Das darf uns nie wieder passieren. Und ich glaube, da sind wir uns auch in diesem Hause alle einig. Die Anerkennung der Gebärdensprache als Minderheitensprache ist in der Tat zunächst mal ein wenig noch mit Hürden behaftet. In der Tat ist es so, dass so Sprachen wie Sorbisch oder Friesisch über Generationen gewachsen sind. Die Gebärdensprache konnte das nicht, über Generationen wachsen, schon alleine deshalb, weil diese Gesellschaft über Jahrzehnte, Jahrhunderte diese Gebärdensprache gar nicht anerkannt hat. Und deswegen muss auch diese rechtliche Prüfung eine andere sein, als es bei den anderen Sprachen der Fall ist. Wir müssen uns aber auch darüber im Klaren sein, dass es auch mit der Anerkennung dieser Gebärdensprache als Minderheitensprache nicht getan ist, denn Frau Jäck hat zum Beispiel schon darauf hingewiesen, es folgern daraus auch gewisse Verpflichtungen, zum Beispiel, die Gebärdendolmetscher sehr viel stärker einzusetzen. Die gibt es im Moment gar nicht genug. Und das sind so Dinge, die müssen erst geregelt werden. Und was wir, finde ich, überhaupt nicht machen dürfen, ist, jetzt schnell diese Anerkennung – Gesundheit! – schnell diese Anerkennung auf den Weg zu bringen und dann wieder mit den Folgerungen zu warten. Das haben wir in anderen Programmen auch in diesem Hause gemacht. Ich darf nur mal an die Age-friendly City erinnern, riesen Tohuwabohu, großer Presseauflauf – und danach ist sehr, sehr wenig bisher passiert. Ich denke nur mal an die Fahrpreise beim HVV für ältere Leute, worauf wir heute noch warten. Große... große Erklärung in diesem Hause, und bis heute nichts passiert. Da können Sie noch so schreien, das ist so. So. Und das, wie gesagt, sollten wir an dieser Stelle nicht noch mal machen. Und deswegen, Frau Senatorin – ja, ist da, guckt zwar etwas gelangweilt, aber hört bestimmt zu: Wir sollten schon da auch einheitlich vorgehen und sowohl natürlich diese Anerkennung forcieren, aber auch das Programm weiterführen, dass auch die Maßnahmen, die dann daraus folgern, in die Realität umgesetzt werden. Politisch ist das Thema im Bewusstsein. Die Forderungen sind vorhanden, öffentliche Debatten gibt es, und zivilgesellschaftliches Engagement, insbesondere auch vom Deutschen Gehörlosen-Bund, ist auch reichlich vorhanden. Aber es wird wahrscheinlich graduell sein, nicht alles geht auf einmal. Und zunächst die Schutzmaßnahmen in Teilbereichen – Bildung, Gesundheit, Justiz – und dann auch eine Ausweitung über die Jahre. Das muss, wie gesagt, einheitlich gehen. Wir sind sehr für die Einführung der DGS auch als Minderheitensprache, aber wie gesagt, nicht alleine die Einführung, sondern auch mit entsprechenden Maßnahmen unterlegen.
