Kay Jäger
Herr Präsident, liebe Hamburgerinnen und Hamburger, letzte Woche beim Mai-Empfang im Festsaal dieses Hauses hat Herr Tschentscher gesagt, Hamburg ist ein Frontrunner der guten Arbeit, also ein Anführer der guten Arbeit. Im Koalitionsvertrag zutrot Grün so, als ob dieser Zustand schon hergestellt ist. Wir stehen dafür ein, dass Arbeit in unserer Stadt gute Arbeit ist, unter fairen und sicheren Bedingungen und tariflich entlohnt. Das alles unter der Überschrift die Stadt der guten Arbeit. Wer soll das bitte glauben?Etwa die Hinterbliebenen der fünf getöteten Bauarbeiter auf der Westfield-Baustelle, meine gute Freundin, die als Krankenpflegerin jeden Tag alles gibt und mit Anfang 40 schon im zweiten Burnout steckt, die vielen unsichtbaren Kollegen und Kolleginnen, die nach Feierabend die Büros dieser Stadt putzen und dafür weder einen gerechten Lohn noch die nötige Anerkennung bekommen. Da frage ich mich doch, in welcher Stadt leben Sie eigentlich und wie kommen Sie eigentlich darauf, dass Hamburg die Stadt der guten Arbeit ist? Hamburg ist laut Senatsantwort mit einer Quote von 48 Prozent der Beschäftigten in Tarifbindung auf dem zweitletzten Platz in Westdeutschland und damit weit entfernt vom angeschriebenen Ziel von 80 Prozent Tarifbindung aus der EU-Mindestlohnrichtlinie von 2022.Verglichen mit den 85% Tarifbindungsquote Mitte der 90er Jahre in Hamburg kein utopisches Ziel. Was hat sich in den vergangenen Jahren für die vielen hart arbeitenden Menschen dieser Stadt verbessert? Nichts. Deshalb brauchen wir endlich einen Aktionsplan für mehr Tarifbindung unter Einbringung von ExpertInnen, Gewerkschaften, Arbeitgebern und Sozialverbänden. Denn was bedeutet Tarifbindung für uns Beschäftigte? Im Schnitt gut eine Stunde weniger Arbeitszeit, also mehr Lebenszeit pro Woche und 11% mehr Lohn. Sie ist immer auch verknüpft mit sicheren und guten Arbeitsbedingungen, mit der Möglichkeit, die eigene Zukunft zu planen, mit Gesundheitsschutz und mit einem auskömmlichen Lohn, der fürs Leben und nicht nur fürs Überleben reicht. Also, machen Sie endlich Nägel mit Köpfen, sorgen Sie dafür, dass Hamburg im Bund eine Vorreiterrolle für gut tarifierte und sichere Arbeit einnimmt und tun Sie endlich etwas für die vielen hart arbeitenden Menschen in dieser Stadt. Danke.
