Tobias Vogt
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenige Wochen nach dem 7. Oktober 2023 habe ich mit einer Delegation um Manuel Hagel Israel besucht. Wir waren auch im Kibbuz Kfar Aza. Vieles hat dort so ausgesehen, als sei die Zeit am 7. Oktober stehen geblieben. Rund um ein Haus lag noch Spielzeug verstreut – ganz so, wie es Kinder nach dem Spielen liegen lassen. Besonders erinnere ich mich an zwei rote Bobbycars. Ich sehe sie bis heute vor mir. Hier hatten vor Kurzem noch Kinder gespielt – arglos, eifrig, ausgelassen. Sie hatten gelacht und sich gefreut. Doch am 7. Oktober kamen die Terroristen. Sie ermordeten Kinder und Erwachsene. Andere verschleppten sie in ihre unterirdischen Verließe. Meine Damen und Herren, ich habe selbst drei Kinder, und manchmal herrscht zu Hause ein Riesendurcheinander. Manchmal stoße ich mir den Fuß an Spielzeug, das wir doch gerade erst aufgeräumt haben. Aber dann sehe ich wieder diese beiden roten Bobbycars vor mir, und mein Ärger verfliegt. Dann räume ich das Spielzeug gern auf, und ich bin froh, dass meine Kinder morgen wieder alles durcheinanderbringen können. Dabei frage ich mich: Was würden die Eltern der ermordeten Kinder dafür geben, noch einmal das Spielzeug ihrer Kinder aufräumen zu dürfen? (Tobias Vogt) Meine Damen und Herren, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft, stellvertretend Frau Generalkonsulin Talya Lador-Fresher! Heute, drei Jahre nach dem 7. Oktober, gedenken wir der Kinder, Frauen und Männer, die von den Terroristen der Hamas verschleppt, vergewaltigt und ermordet wurden. Wir denken an ihre Angehörigen und an alle Familien, an deren Esstisch ein Platz unbesetzt bleibt – für immer. Der 7. Oktober war ein Angriff auf jüdisches Leben. Wenn wir heute der Opfer gedenken, dann schulden wir den Lebenden ein Versprechen: Ihr sollt als Jüdinnen und Juden sicher leben können, ohne euch verstecken zu müssen. Dieses Versprechen gilt den Menschen in Israel, und dieses Versprechen gilt unseren jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn hier in Baden-Württemberg. (Anhaltender Beifall bei der CDU, den Grünen, der AfD und der SPD) Denn wir können nicht heute um ermordete Juden trauern und morgen wegsehen, wenn Juden hier bei uns bedroht werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es genügt aber nicht, gegen Antisemitismus zu sein, denn das Gute ist mehr als die Abwesenheit des Bösen. Wenn wir über jüdisches Leben immer nur dann sprechen, wenn es bedroht wird, bleiben wir in der Defensive. Dann sprechen wir über Gefahren, über Sicherheitsmaßnahmen, über Sorgen und Probleme. Natürlich ist das alles richtig und wichtig, aber ich frage Sie: Wo bleiben dabei die Menschen mit ihren Ideen, ihren Leistungen, ihren Hoffnungen? Wer in ihnen, in unseren jüdischen Mitmenschen, immer nur Schutzbedürftige sieht, begegnet ihnen nicht auf Augenhöhe. Dabei haben jüdische Menschen unser Land ganz entscheidend mitgeprägt – unsere Wissenschaft, unsere Kultur, unsere Wirtschaft. Denken wir an Albert Einstein aus Ulm. Er hat die Physik revolutioniert. Denken wir an Carl Laemmle aus Laupheim, einen der Väter Hollywoods, oder an Max Levi, der nicht weit von hier in Kornwestheim das Unternehmen Salamander mit aufgebaut hat. Wer die Geschichte unseres Landes erzählt, muss auch diese Geschichte erzählen. Und wer über die Zukunft unseres Landes spricht, muss auch jüdische Menschen als diejenigen sehen, die diese Zukunft mitgestalten. Deshalb wollen wir jüdisches Leben stärken, seine Ideen hören, seine Vielfalt kennenlernen, seinen Stimmen Raum geben. Denn gegen Antisemitismus zu sein, das ist unsere Pflicht; aber für jüdisches Leben einzustehen, das ist unsere Haltung. (Beifall bei der CDU, den Grünen, der AfD und der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer für jüdisches Leben einsteht, muss Judenhass bekämpfen, egal, woher er kommt. Deshalb bekämpfen wir rechten und linken Antisemitismus ebenso wie islamistischen Judenhass. Wir tun das aus Überzeugung, nicht aus politischem Kalkül. Deshalb sage ich Ihnen von der AfD: Ich möchte von Ihnen einmal – einmal! – ein Bekenntnis zu jüdischem Leben hören, das mehr ist als der Auftakt zur nächsten Abrechnung mit den Muslimen. Denn wer Juden nur verteidigt, um den Islam anzugreifen, (Abg. Sandro Scheer AfD: Sie sollten sich schämen!) eriode – 12. Sitzung – Mittwoch, 7. Oktober 2026 instrumentalisiert den Kampf gegen Antisemitismus. (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD –
