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Thomas Dörflinger

22.07.2026 Sitzungen 18/9

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wende mich zuerst an Sie, Herr Fulst-Blei. Wir kennen uns ja jetzt auch schon eine geraume Zeit. Sie wissen: Ich war zehn Jahre lang handwerkspolitischer Sprecher und für das Handwerk immer ein guter Partner. Das Handwerk konnte sich auf mich in dieser Funktion verlassen, und ich kann Ihnen versichern: Das werde ich als Staatssekretär genauso weiterführen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Was den Haushalt angeht – ich nehme es vorweg –: Sie kennen doch die Verfahren. Jetzt sind wir im Juli. Der Haushalt wird im Dezember verabschiedet. Natürlich werden jetzt die entsprechenden Mittel angemeldet, aber Sie kennen doch die Verfahren. Deshalb glauben Sie doch nicht im Ernst, dass wir schon im Juli von dem Haushalt sprechen können, der im Dezember verabschiedet wird. Ich weiß nicht, wo Sie in den letzten Jahren waren. lperiode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Zuruf von der CDU: Sehr gut!) Ich danke ganz besonders der CDU-Landtagsfraktion für diese Aktuelle Debatte; denn darin kommt die große Bedeutung des Handwerks zum Tragen. Das Plenum ist neu bestückt, aber die meisten von Ihnen kennen vielleicht noch die Situation von vor der Landtagswahl. Da hat uns HANDWERK BW mit seinem Forderungskatalog „26 für 26“ viele konkrete Vorschläge mit auf den Weg gegeben. Nachdem der Koalitionsvertrag vorgestellt worden ist, hat der Präsident von HANDWERK BW, Rainer Reichhold, betont, dass viele dieser Vorschläge aufgegriffen wurden, und er hat einen Satz gesagt, der unseren gemeinsamen Anspruch sehr gut beschreibt – den sollte sich auch der Redner der AfD ganz gut hinter die Ohren schreiben –: (Zuruf von der AfD) Der Vertrag vermittelt an vielen Stellen den Willen, Probleme pragmatisch zu lösen und wirtschaftliche Dynamik wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Genau das ist unser Verständnis von Wirtschaftspolitik: zuhören, gemeinsam Lösungen entwickeln und dann konsequent umsetzen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Zuruf des Abg. Miguel Klauß AfD) Deshalb ist es gut, dass wir heute über das Handwerk sprechen, nicht nur mit Respekt – das haben die Vorredner betont –, sondern auch mit einem ganz klaren Blick auf das, was zu tun ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Baden-Württemberg ist doch groß geworden, weil hier die Menschen lieber Werkzeuge in die Hand nehmen als Ausreden. Das Handwerk ist überall dort, wo unser Alltag funktioniert. Wenn morgens das Licht angeht, wenn die Heizung läuft, wenn das Dach dicht ist, wenn das Brot und die Wurst auf dem Tisch liegen, wenn das Auto fährt, wenn eine Maschine repariert oder ein Haus saniert wird, wenn die Frisur sitzt, dann steht sehr oft das Handwerk dahinter. Man merkt das Handwerk manchmal erst dann, wenn es fehlt. Das ist vielleicht das größte Kompliment, das man einem Berufszweig machen kann. Das Handwerk hält unser Land so selbstverständlich am Laufen, dass mancher seine Leistungen im Alltag fast übersieht. Wir, das Wirtschaftsministerium, übersehen das Handwerk nicht. Es ist nun auch ein Teil unseres Ministeriumsnamens, aber nicht, wie Sie es bezeichnet haben, als neues Türschild, sondern als ein ganz klares politisches Signal, als Auftrag. Denn das Handwerk steht dort, wo es hingehört: sichtbar in der Wirtschaftspolitik unseres Landes. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Handwerk verbindet wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig Tradition und Moderne. Hier treffen Hobel und Hochtechnologie aufeinander, Meisterbrief und moderne Software sowie Erfahrung und Innova- (Staatssekretär Thomas Dörflinger) tion. Wer das Handwerk als „Old Economy“ bezeichnet, der hat das Handwerk von heute nicht verstanden. Daher gilt für uns: Wer Baden-Württemberg zukunftsfähig machen will, muss das Handwerk stärken. Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, Wertschätzung zeigt sich nicht nur in Worten, Wertschätzung muss auch konkret werden. Ein zentraler Baustein ist deshalb die im Koalitionsvertrag vereinbarte Verdopplung der Meisterprämie auf 3 000 €. Wer den Meister macht, übernimmt Verantwortung. Deshalb investieren wir nicht in einen Abschluss, sondern wir investieren in Menschen, die Verantwortung übernehmen. Für uns ist das ein ganz klares Bekenntnis zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Ich danke auch den beiden Rednern der Regierungsfraktionen für ihr klares Bekenntnis, dies im Haushalt zu verankern. Das ist ein ganz tolles und großes Signal, das wir aus der heutigen Debatte senden. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Wir haben vorhin schon einiges über die Bedeutung der überbetrieblichen Bildungsstätten gehört. Die überbetrieblichen Bildungsstätten sind keine Nebenschauplätze der Bildungspolitik. Sie sind Zukunftswerkstätten. Dort lernen junge Menschen Technologien, die nicht jeder Betrieb vorhalten kann. Dort gilt: Innovation wird erst dann zum Fortschritt, wenn Menschen lernen, mit ihr umzugehen. Deshalb war es wichtig, den Modernisierungspakt für die überbetrieblichen Bildungsstätten im Koalitionsvertrag zu verankern. Denn die Fachkräfte von morgen kann man nicht in Gebäuden von gestern ausbilden. Viele Bildungsstätten müssen modernisiert werden, damit sie auch künftig den hohen Ansprüchen des Handwerks gerecht werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen die Chancen der dualen Ausbildung weiter sichtbar machen, und zwar an allen Schularten. Wer Abitur macht, der soll selbstverständlich studieren können. Aber genauso selbstverständlich soll jede Abiturientin, soll jeder Abiturient wissen, welche Chancen eine Ausbildung bietet. Es geht nicht um „Hörsaal gegen Werkbank“. Es geht um Talente. Es geht um die Frage: Wo kann ein junger Mensch seine Fähigkeiten am besten entfalten? Deshalb brauchen wir mehr Berufsorientierung, mehr Praktika, mehr Begegnungen mit Betrieben, mehr Ausbildungsbotschafter und mehr Informationen über Karrierewege. Eine Ausbildung ist keine Sackgasse; sie kann der Beginn einer beeindruckenden beruflichen Laufbahn sein. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie der Abg. Nicolas Fink und Viviane Sigg SPD) Diese Laufbahn kann dann auch zur Betriebsübernahme führen, und das ist eine der ganz großen Zukunftsaufgaben des Handwerks. Wir haben es vom Kollegen Carl Hirsch gehört: Rund 28 000 Handwerksbetriebe – 28 000 Handwerksbetriebe! – stehen in Baden-Württemberg in den kommenden fünf Jahren vor einer Übergabe. Das ist natürlich eine große Herausforderung. Es ist aber auch eine große Chance für die nächste Generation. Deshalb unterstützen wir Betriebsinhaber und -nachfolger ganz konkret mit der „Übergabeberatung Handwerk BW“ und eriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 dem Projekt „Next Generation Handwerk“ unserer Handwerkskammern. Denn jeder Betrieb, der erfolgreich an die nächste Generation übergeben wird, ist ein Gewinn. Er ist ein Gewinn für die Beschäftigten, er ist ein Gewinn für die Region, er ist aber auch ein Gewinn für Baden-Württemberg. Zukunft bedeutet aber nicht nur Nachfolge. Zukunft bedeutet auch Veränderung. Das Handwerk wollen wir dort unterstützen, wo sich die Welt verändert. Genau dafür setzen wir die Initiative „Horizont Handwerk“ fort, mit konkreter Unterstützung bei Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte an dieser Stelle auch einen Appell an die Handwerkerinnen und Handwerker richten. Ich höre manchmal den Satz: „Ich habe nur eine Handwerksausbildung gemacht.“ Das Wort „nur“ in diesem Satz gehört gestrichen. (Beifall bei den Grünen und der CDU sowie Abge- ordneten der AfD und der SPD) Niemand sagt: „Ich habe nur Betriebswirtschaft studiert.“ Wer eine Handwerksausbildung absolviert hat, hat einen Beruf gelernt, Verantwortung übernommen, Können erworben und Fähigkeiten entwickelt, die unsere Gesellschaft jeden Tag braucht. Deshalb: Mehr Selbstbewusstsein! Nicht: „Ich bin nur Handwerker“, sondern: „Ich bin Handwerker“ – und darauf kann man stolz sein. (Beifall bei den Grünen und der CDU sowie Abge- ordneten der AfD und der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir über die Zukunft des Handwerks sprechen, müssen wir natürlich auch über Bürokratie sprechen. Bürokratie ist wie Kalk in einer Wasserleitung: Man merkt lange nichts, bis irgendwann kaum noch etwas durchfließt. Deshalb reicht es nicht, immer wieder einzelne kleinere Vorschriften zu streichen. Wir müssen die Entstehungslogik der Bürokratie verändern. Genau das ist der Gedanke des geplanten Effizienzgesetzes. Bisher galt: Eine Berichts- oder Dokumentationspflicht bleibt bestehen, solange sie niemand abschafft. Künftig soll gelten: Alle landesrechtlichen Berichts- und Dokumentationspflichten laufen Ende 2027 grundsätzlich aus. Wer sie dauerhaft erhalten will, muss begründen, warum sie weiterhin notwendig sind. Wir drehen damit die Begründungspflicht um. (Abg. Miguel Klauß AfD: Warum 2027? Das kann man doch schon Ende 2026 machen! – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Das ist kein gewöhnlicher Bürokratieabbau, das ist ein echter Paradigmenwechsel. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Vorredner haben es angesprochen: Bei aller Zuversicht, die wir alle hier haben, dürfen wir eines ganz sicher nicht ausblenden: Viele Handwerksbetriebe erleben derzeit wirtschaftlich anspruchsvolle Zeiten, teilweise sehr anspruchsvolle Zeiten. Das Handwerk ist so nah an den Menschen, so nah an den Unternehmen wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Wenn Betriebe Investitionen verschieben, wenn weniger gebaut wird, wenn weniger modernisiert oder gekauft wird und wenn die Menschen insgesamt (Staatssekretär Thomas Dörflinger) alle etwas vorsichtiger sind, dann kommt das auch im Handwerk an. Ein guter Handwerker kann den Regen nicht verhindern, aber er sorgt dafür, dass das Dach dicht ist. Genau das ist auch unser Anspruch in der Wirtschaftspolitik. Internationale Krisen können wir nicht verhindern, aber wir können dafür sorgen, dass die Betriebe in Baden-Württemberg unter möglichst guten Rahmenbedingungen arbeiten können. Deshalb setzen wir in Baden-Württemberg dort an, wo wir Verantwortung tragen – mit weniger Bürokratie, einer leistungsfähigen Infrastruktur und einer Wirtschaftspolitik, die Vertrauen schafft. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Handwerk erwartet von uns zu Recht, dass wir nicht nur Ziele formulieren, sondern sie auch umsetzen. Vor wenigen Tagen habe ich dazu in der „Deutschen Handwerks Zeitung“ eine Überschrift gelesen. Dort heißt es: Ein Koalitionsvertrag ist wie ein Bauplan: Er beschreibt das Ziel. Jetzt beginnt die Umsetzung. Ich finde, das trifft es hervorragend. Ich möchte dieses Bild noch etwas weiterentwickeln. Ein Bauplan allein errichtet noch kein Gebäude. Entscheidend ist, dass er Schritt für Schritt Wirklichkeit wird. Jeder, der schon mal eine Baustelle erlebt hat, weiß doch: Dort arbeiten nicht alle Gewerke gleichzeitig. Zuerst kommt das Fundament, dann der Rohbau, danach Dach, Fenster, Elektro, Sanitär und Innenausbau. Jedes Gewerk hat seinen Zeitpunkt, jedes Gewerk hat seinen Plan. Alles greift ineinander, und am Ende entsteht etwas Tragfähiges. Genauso ist es mit dem Koalitionsvertrag. (Zuruf des Abg. Daniel Rottmann AfD) Er ist auf fünf Jahre angelegt. Nicht alles kann am ersten Tag umgesetzt werden. Aber jedes Vorhaben hat seinen Platz und hat seine Reihenfolge. Wichtig ist, dass der Bauzeitenplan eingehalten wird und wir am Ende das versprochene Gebäude auch abliefern können. (Abg. Winfried Mack CDU: Genau!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Handwerk hat in seiner Geschichte immer wieder bewiesen, dass es sich verändern kann, ohne sich selbst zu verlieren. Das ist seine größte Stärke. Wer stehen bleibt, bewahrt nicht die Gegenwart, er verliert die Zukunft. Das Handwerk weiß das. Deshalb ist unsere Botschaft an das Handwerk klar: Wir sehen, was Sie leisten, wir wissen, was Sie tragen, und Sie dürfen wissen, dass uns das Handwerk wichtig ist. Denn das Handwerk hält unser Land jeden Tag am Laufen. Wer Baden-Württemberg zukunftsfähig machen will, muss das Handwerk stärken. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und der CDU)

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