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Dr. Natalie Pfau-Weller

CDU 22.07.2026 Sitzungen 18/9

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Sommer 2026 wird vielen Menschen in Erinnerung bleiben. (Abg. Emil Sänze AfD: Wie viele andere auch!) Er wird in Erinnerung bleiben wegen wochenlanger Rekordhitze, tropischen Nächten, ausgetrockneten Böden und gleichzeitig auch den heftigen Unwettern mit Starkregen, mit Hagel und lokalen Überschwemmungen. Viele Bürgerinnen und (Dr. Natalie Pfau-Weller) Bürger fragen sich: Ist das jetzt noch ein Ausnahmejahr, oder ist das die neue Realität? Also: Wird das immer so bleiben? Die Antwort ist ganz klar: Der Klimawandel ist schon längst in Baden-Württemberg angekommen. Er ist gar nicht mehr eine abstrakte Zukunftsfrage, sondern er zeigt sich einfach vor unserer Haustür, auf unseren Feldern, in unseren Wäldern, in unseren Städten und in unseren Gemeinden. Auch das bereits zitierte Impulspapier des Klima-Sachverständigenrats vom vergangenen Freitag zeigt, welche Effekte der Klimawandel nun auf Baden-Württemberg hat. Unser Mitgefühl gilt allen Menschen, die durch die Unwetter Schäden an ihren Häusern, an ihren Betrieben oder an ihrem Eigentum erlitten haben. Wir danken ausdrücklich den Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk, den Hilfsorganisationen, der Polizei und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die unter schwierigsten Bedingungen den Menschen helfen und sie schützen. Ihr Einsatz verdient unseren höchsten Respekt. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der SPD) Meine Damen und Herren, Klimaschutz und Klimawandelanpassung gehören zusammen. Denn wer heute noch glaubt, dass das eine gegen das andere ausgespielt werden könne, verkennt die Realität. Selbst wenn wir heute weltweit alle Emissionen einsparen würden – was wir nicht können –, wären auch schon jetzt diese unvermeidbaren Folgen für uns spürbar. Wir brauchen deswegen beides: Wir brauchen den entschlossenen Klimaschutz, wir brauchen aber auch die entschlossene Klimaanpassung, weil wir ja schon jetzt die Klimafolgen spüren. Wir, die CDU-Fraktion, stehen für einen pragmatischen und verantwortungsvollen Weg. Wir wollen die natürlichen Lebensgrundlagen selbstverständlich erhalten und bewahren, aber wir wollen Baden-Württemberg trotzdem auch als starken Wirtschafts-, Innovations- und Industriestandort erhalten. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Denn es ist klar, dass der Klimaschutz nur mit einer starken Wirtschaft funktioniert; das geht nicht ohne sie, und das geht vor allem nicht gegen sie. Unser Land zeigt ja, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg – auch wenn die Anzeichen gerade sehr schlecht sind – kein Widerspruch sind. Die Unternehmen in unserem Land entwickeln bereits Technologien für die klimaneutrale Industrie, für effizientere Gebäude, für emissionsarme Mobilität und für eine nachhaltige Energieversorgung. Darauf können wir wirklich stolz sein. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie der Abg. Dr. Dorothea Kliche-Behnke SPD) Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, Klimaanpassung wird in den kommenden Jahren noch stärker an Bedeutung gewinnen. Das haben wir jetzt, wie gesagt, in den letzten Wochen, aber leider auch in den Jahren davor schon gespürt. Die Hitze ist längst das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko in Europa. Gerade ältere Menschen, kleine Kinder, chronisch Kranke und auch Menschen, die im Freien arbeiten, leiden ganz arg unter diesen Hitzewellen. Deswegen brauchen wir eriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 hitzeresiliente Städte. Wir brauchen mehr Bäume in den Städten, auch Grünflächen, Wasserflächen, mehr Schatten und entsiegelte Plätze. Wir müssen die Kommunen bei der Städtebauförderung unterstützen. Eine kluge Stadtentwicklung verbessert nicht nur das Klima, sondern auch die Lebensqualität. Das nächste Thema ist dann die Resilienz, der Schutz vor Starkregen. Die vielen Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt: Nicht jeder Schaden passiert bei den großen Flüssen. Es sind manchmal auch kleine Gemeinden, die völlig unerwartet getroffen werden: Innerhalb von wenigen Minuten laufen Keller voll, wie unlängst im Rems-Murr-Kreis, es werden Straßen zu Bächen, und ganze Ortskerne stehen unter Wasser. Darauf müssen wir unsere Infrastruktur vorbereiten. Wir brauchen moderne Rückhaltebecken, wir brauchen funktionsfähige Kanalnetze, digitale Warnsysteme, Starkregengefahrenkarten – alles Dinge, die wir bereits in der Enquetekommission „Krisenfeste Gesellschaft“ gemeinsam besprochen und identifiziert haben. (Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü- nen und der SPD) Wir brauchen zudem eine enge Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen, weil natürlich Klimaschutz und Klimawandelanpassung vor Ort passieren und dort auch die Wirkstätten sind. Auch die Land- und Forstwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen. Unsere Landwirte erleben die ganzen Wetterextreme wirklich unmittelbar: Mal fehlt wochenlang der Regen, dann wieder vernichten Hagel oder Starkregen innerhalb von wenigen Minuten ganze Ernten. Die Landwirte brauchen Planungssicherheit, sie brauchen Forschung, innovative Bewässerungskonzepte, aber auch geeignete Anbaumethoden und Sorten, die besser mit Trockenheit und Hitze umgehen können. Dasselbe gilt für unsere Wälder; denn die vergangenen Jahre haben sehr tiefe Spuren hinterlassen. Die Trockenheit, der Borkenkäfer und die Sturmschäden zeigen, dass der Waldumbau hin zu klimaresilienteren Mischwäldern eine zentrale Zukunftsaufgabe bleibt, da unsere Wälder zum einen Klimaschützer und zum anderen aber auch Wasserspeicher, Lebensraum und Erholungsorte sind und deswegen unsere besondere Aufmerksamkeit verdient haben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Klimaschutz beginnt nicht erst bei großen politischen Programmen, er beginnt natürlich schon im Alltag. Wir müssen im Alltag schauen, dass wir einen sparsamen Umgang mit Energie haben und die energetische Sanierung anpacken – und zwar jeder Einzelne: mit den Kommunen, mit unseren Hochschulen, Universitäten und mittelständischen Unternehmen. Wir, die CDU-Fraktion, setzen hier besonders auf Forschung, auf den Erfindergeist unseres Landes; denn wir wissen, dass die Lösungen für den Klimaschutz nicht durch Verbote, sondern durch gemeinsame Ideen und neue Technologien entstehen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Klimaschutz natürlich weiterhin eine globale Aufgabe bleibt. Sie ist zwar in den (Dr. Natalie Pfau-Weller) Kommunen präsent, aber es ist ein globales Thema. Hier trägt Baden-Württemberg Verantwortung – aber Baden-Württemberg allein wird das Weltklima auch nicht retten; wir müssen schauen, dass wir globale Anstrengungen unternehmen, nicht nur auf Baden-Württemberg beschränkt. Der Klimaschutz muss natürlich auch in anderen Ländern dieser Welt gelebt werden. Ich halte es für wichtig, dass wir bei solch extremen Wetterereignissen wie in diesen Zeiten einen sachlichen politischen Diskurs führen, dass wir die Hitzewellen nicht parteipolitisch instrumentalisieren. Nicht jedes Unwetter eignet sich für ideologische Schuldzuweisungen und Empörungswellen. (Beifall des Abg. Anton Baron AfD – Abg. Anton Ba- ron AfD: Sehr richtig!) Die Menschen erwarten von uns sachliche Lösungen. Sie erwarten funktionierende Warnsysteme, sie erwarten widerstandsfähige Städte – und von uns hier im Landtag eine verlässliche Politik. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Meine Damen und Herren, der Sommer 2026 mahnt uns, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen – ehrlich, mit Augenmaß und auf wissenschaftlichen Grundlagen, mit wirtschaftlicher Vernunft und dem festen Willen, dass wir diese Verantwortung für die kommenden Generationen übernehmen. Denn nachhaltige Politik bedeutet natürlich immer auch Generationengerechtigkeit. Wir dürfen unseren Kindern und Enkeln keine überhitzte Umwelt und auch keinen geschwächten Wirtschaftsstandort hinterlassen. Für uns gehört beides zusammen; beides ist unser Auftrag. Lassen Sie uns deshalb Klimaschutz und Klimawandelanpassung nicht gegeneinander ausspielen, sondern weiterhin voranbringen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)

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