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Dr. Alexander Becker

CDU 10.06.2026 Sitzungen 18/6

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor zwei Wochen ging eine Nachricht durch die Medien, die aufhorchen lässt: Die Fraunhofer-Gesellschaft plant bis 2028 den Abbau von rund 1 200 Stellen. Hintergrund sei ein strukturelles Defizit von rund 2 %, das insbesondere auf rückläufige Aufträge und geringere Drittmitteleinnahmen zurückzuführen ist. Nun scheinen der Abbau von 3 bis 4 % der Stellen über drei Jahre und rückläufige Forschungsaufträge für sich vielleicht noch nicht alarmierend. Sie spiegeln ein Stück weit vermutlich auch hausgemachte Probleme. Aber sie bestätigen einen Trend, der auch aus der hochschulischen Forschung zu vernehmen ist: In der Industrie, insbesondere den großen OEMs, sitzt das Geld für Forschungsaufträge derzeit nicht locker. Ausbleibende oder stagnierende öffentliche Drittmittelförderung kann so nicht mehr kompensiert werden. Der angekündigte Stellenabbau ist also durchaus ein Warnsignal für die Innovations- und Forschungslandschaft in Deutschland. Denn die anwendungsorientierte Forschung ist entscheidend für den Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Auf der anderen Seite sehen wir, dass die Zahl der Start-up-Gründungen in Deutschland 2025 erheblich gestiegen ist, nämlich um 29 % gegenüber dem Vorjahr. Auch in Baden-Württemberg hat die Zahl der Gründungen ein Allzeithoch erreicht, das erheblich über dem Rekordjahr 2021 liegt. Wir haben also allen Abgesängen auf unsere industrielle Innovationsfähigkeit zum Trotz eine hohe Gründungsdynamik in Deutschland. Das ist wichtig und ermutigend für unseren Standort. Gründungen und Start-ups bringen Dynamik in die Wirtschaft und sind Innovationstreiber. Sie bedeuten neue Geschäftsmodelle und zukunftsfähige Arbeitsplätze. Anders gesagt: Die Lücke, die sich in der unternehmerischen Forschung und Entwicklung vielleicht auftut, dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Wenn Unternehmen aufgrund wachsender internationaler Konkurrenz, hoher Kosten und bürokratischer Hürden weniger in Forschung investieren, dann muss eriode – 6. Sitzung – Mittwoch, 10. Juni 2026 Baden-Württemberg gegensteuern. Dazu stärken wir die akademische Forschung. Dazu müssen wir unsere Innovationscampusse weiterentwickeln. (Beifall bei der CDU und den Grünen) Wir werden sie zu echten Zukunftsschmieden machen – Orte, an denen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Startups, aber eben auch etablierte Unternehmen eng zusammenarbeiten und Wissen schnell in die Anwendung überführen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir mit der Hochschulfinanzierungsvereinbarung III eine verlässliche Wachstumsperspektive gegeben haben. Deshalb ist es auch richtig, dass der aktuelle Koalitionsvertrag das Thema „Gründungen und Transfer“ als eine zentrale Aufgabe von Universitäten und Hochschulen benennt. Wir wollen, dass Ausgründungen nachgerade zu einem Qualitätsmerkmal von Hochschulen werden. Zu diesem Zweck werden wir das Landeshochschulgesetz novellieren und das Beamtenrecht modernisieren. Neben der klassischen Professorenlaufbahn braucht es flexible Vertragsmodelle einschließlich Teilzeit- und Brückenprofessuren und der Möglichkeit eines „Professor of Practice“. Und natürlich braucht es Incentives – Anreize – für Professoren, Hochschulmitarbeiter und Studierende, sich zu engagieren, sei es durch Reduzierungen im Lehrdeputat, durch Freisemester oder durch die Möglichkeit von Beteiligungen. Wir wollen einfache Complianceregeln für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wir brauchen Verwertungsstrategien für die Forschungsergebnisse unserer Institutionen. Hochschulen müssen Klarheit haben, wann und wie sie sich mit Kapital, mit Infrastruktur und mit Know-how an Ausgründungen beteiligen dürfen. Denn für eine rasche und zielgerichtete Innovation ist es wichtig, das Silodenken zu überwinden – innerhalb der Hochschulen, aber vor allem zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Ich bin überzeugt, die Verbesserung der Gründungskultur hat nicht nur volkswirtschaftliche Potenziale; sie stärkt auch Forschung und Lehre an den Hochschulen selbst. (Beifall bei der CDU und den Grünen) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die großen Herausforderungen unserer Zeit – von künstlicher Intelligenz und Quantentechnologie über Verteidigungsforschung bis zur Transformation der Industrie – werden nicht vor allem durch staatliche Programme gelöst. Sie werden durch Menschen gelöst, (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) die Verantwortung übernehmen, Risiken eingehen und Unternehmen gründen. Baden-Württemberg war immer dort besonders gut, wo aus klugen Köpfen mutige Unternehmer und erfolgreiche Wirtschaftsleute wurden. Um es klar zu sagen: Verteilungsdebatten schaffen keinen Wohlstand; das tut nur die Überführung von Ideen in Geschäftsmodelle. Deshalb investieren wir nicht nur in Gebäude und Forschungsetats, wir investieren in Chancen. Wir investieren in Gründergeist, und wir investieren damit in die Zukunft unseres Landes, insbesondere damit die Startup Factory NXTGN ein Erfolg wird und zusammen mit den INSPIRE BW Hubs erfolgversprechende Gründungen im ganzen Land ermöglicht. (Dr. Alexander Becker) Es gibt einen weiteren, sehr aktuellen Grund, auf die Hochschulen zu schauen: Hochschulen haben Alumni. Wir erleben ein riesiges Outplacement erfahrener Führungsleute aus der Wirtschaft – Führungskräfte, die als Mentoren, als Co-Founder auf Senior-Level oder zur Begleitung von Unternehmensnachfolgen von hohem Wert sind. (Zurufe) Die entsprechenden Ökosysteme auszubauen, ist eine zentrale Aufgabe der Landespolitik, und zwar in gemeinsamer Verantwortung von Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium. Dafür müssen wir intersektorielle Arbeitsgruppen bilden, und dafür braucht es einen Kabinettsausschuss. Ein sehr wichtiges Instrument wird dabei der „ZukunftsFondsBW“ sein; denn es kommt entscheidend darauf an, privates Kapital zu heben, zu gewinnen, um die Skalierung und Wertschöpfung im Land zu halten. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Ich fasse zusammen. Erstens: Wir brauchen eine echte Gründerkultur an unseren Hochschulen. Unternehmertum muss als Karriereweg genauso selbstverständlich sein wie eine wissenschaftliche Laufbahn. Zweitens: Wir müssen den Technologietransfer beschleunigen. Wer eine gute Idee hat, braucht kurze Wege zu Investoren, zu Unternehmen und zu Ausgründungszentren. Drittens: Wir wollen Baden-Württemberg als führenden Innovationsstandort in Europa positionieren. Unsere starken Hochschulen, unsere vielen Forschungseinrichtungen, die Hidden Champions in der Fläche bieten dafür ideale Voraussetzungen. Und viertens: Ja, wir wollen, dass in Baden-Württemberg mit guten Ideen auch gutes Geld verdient wird. Wer morgen an der Spitze stehen will, darf heute nicht auf der Stelle treten. Die Koalition aus CDU und Grünen eint dieses Ziel. Sie ist willens und in der Lage, sich dieser Aufgabe zu stellen. Das tun wir auch. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und den Grünen)

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