Carola Wolle
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Anlass für die Aktuelle Debatte der Grünen zur Selbstbestimmung von Frauen in der Arbeitswelt ist die Aussage der Vorsitzenden des CDU-Wirtschaftsflügels, Gitta Connemann, Teilzeit sei Lifestylemode und das Recht auf Teilzeit müsse abgeschafft werden. (Abg. Raimund Haser CDU: Das hat sie weder ge- sagt, noch stand es irgendwo!) Damit uns allen die Dimension dieser Schnapsidee klar ist: 50 % aller Frauen und 12 % aller Männer arbeiten in Teilzeit. Das ist neuer Rekord. Wie kam dieser Rekord zustande? Arbeiten in Teilzeit ist die elementare Voraussetzung dafür, dass Familie und Beruf vereinbar sein können. (Abg. Christiane Staab CDU: Das kann man auch in Vollzeit!) Dieser Höchststand ist aber auch das Ergebnis wachsender sozialer Unsicherheit. Frauen wollen eine Familie und Kinder, aber auch ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern. Desode – 141. Sitzung – Donnerstag, 5. Februar 2026 halb wollen Frauen, aber inzwischen auch Männer Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Jetzt mal ganz ehrlich: Wenn Teilzeit nicht mehr möglich wäre, müssten Tausende Frauen und Männer ihre Arbeit aufgeben. Auf welcher Insel lebt eigentlich die CDU, wenn von ihr ausgerechnet jetzt solche kruden Ideen ausgesprochen werden, das Recht auf Teilzeit abzuschaffen (Abg. Andreas Sturm CDU: Quatsch!) und als Lifestyle zu diskreditieren? (Beifall bei der AfD) Das kommt doch tatsächlich einem politischen Selbstmord im Affekt gleich, meine Damen und Herren. (Vereinzelt Beifall bei der AfD) Kein Wunder, dass sich Herr Hagel davon distanziert. Meine Damen und Herren, die Position der AfD zum Thema Teilzeit ist ganz klar: Fragen der Arbeitszeitgestaltung sind in erster Linie bilateral zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu klären. (Zuruf des Abg. Dr. Albrecht Schütte CDU) Das hat auch in der Vergangenheit immer bestens geklappt. (Lachen des Abg. Hermann Katzenstein GRÜNE) Fragen zum Thema „Recht auf Teilzeit“ gehören bestenfalls in das Feld der Tarifautonomie und nicht in Gesetze, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Wer glaubt, mit solchen Vorstößen die schwächelnde Wirtschaft zu stärken, dem fehlt offensichtlich der Bezug zur Lebenswirklichkeit. Wer Erwerbsarbeit in Teilzeit beschränken will, weiß nichts vom Kostendruck und von notwendiger Flexibilität in zahlreichen Unternehmen, (Abg. Thomas Dörflinger CDU: Um das geht es über- haupt nicht! – Abg. Raimund Haser CDU: Frau Wol- le, Sie haben nichts verstanden!) die ohne Teilzeitkräfte nicht mehr existieren könnten. (Abg. Dr. Albrecht Schütte CDU: Haben Sie schon mal in einem Unternehmen gearbeitet?) Aber vor allem: Wer so herumschwadroniert, leugnet die riesige Leistung der Eltern für ihre Familie und für unsere Gesellschaft – neben dem Beruf, tagtäglich und viele Jahre lang. Das Demografieportal des Bundes und der Länder hat die Motive für Teilzeit erforscht. 25 % der teilzeitbeschäftigten Männer und 29 % der teilzeitbeschäftigten Frauen haben ihre Arbeitszeit auf eigenen Wunsch reduziert. Für die meisten Frauen und Männer ist die Betreuung von Angehörigen, z. B. von Kindern und Pflegebedürftigen, ein wichtiges Motiv für Teilzeittätigkeit. Also: Nicht Lifestyle, nicht die luxuriöse Verweigerungshaltung einer Work-Life-Balance führen zu immer mehr Teilzeit der Mitarbeiter, sondern die schwierige Balan- (Carola Wolle) ce von dringend benötigten Zweitverdiensten einerseits und der Verantwortung für die Familie andererseits. Das ist das entscheidende Motiv für Teilzeitarbeit. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Da klatscht kei- ner!) Ausgerechnet die Grünen sprechen in dem Titel der von ihnen beantragten Debatte von starker Wirtschaft und starken Frauen. Das ist unfassbar, meine Damen und Herren. Gerade diese Partei gefährdet schließlich unsere Wirtschaft durch ihren Ökoradikalismus und die Frauen in unserem Land durch ihre Migrationspolitik. Und die neue Möchtegernregierungsfraktion der CDU? (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Die regiert schon, gell!) Für ein paar CDU-Staatssekretäre und eine Ministerin mehr trägt die CDU seit 2021 unter dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann, noch zuverlässiger als die SPD zuvor, grüne Inhalte mit und gefährdet so unsere wirtschaftliche Stärke hier in Baden-Württemberg. (Beifall bei der AfD – Abg. Thomas Dörflinger CDU: Meine Güte! Das glauben Sie doch selbst nicht!) Wer das für eine steile These hält, der sollte ganz einfach mal die beiden Parteiprogramme vergleichen (Abg. Thomas Dörflinger CDU: Ja, genau!) und schauen, was im Koalitionsvertrag steht. (Abg. Thomas Dörflinger CDU: Ja!) Mit anderen Worten: Das Resultat einer grün-schwarzen Zusammenarbeit ist stets links-grüne Politik, auch mit der CDU. Denken Sie an das Wahlversprechen von Friedrich Merz: „Mit mir gibt es keine linke Politik mehr.“ Glauben Sie, Herr Hagel meint es dann anders? Sind Sie sich dessen sicher? Ich nicht. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Wir sind gar nicht in der Bundesregierung!) Aber das wundert mich nicht. Denn unter Angela Merkel wurde die CDU immer weiter nach links gerückt, sodass sich rechts eine neue Partei, die AfD, etablieren konnte. Und die SPD? Macht die Politik der SPD etwas für die Arbeitnehmer in unserem Land? Nein, die SPD ist mittlerweile linksextrem (Lachen bei der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) und kümmert sich lieber um das Wohl „anderer“. Seit der Ampelkoalition ist auch offensichtlich, dass die FDP bereit ist, für minimale Zugeständnisse linke Politik mitzutragen.
