Andreas Deuschle
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben gestern alle gemeinsam den 27. Januar begangen und haben der grauenvollen Verbrechen während der NS-Zeit gedacht. Heute wollen wir mit unserem gemeinsamen Antrag aller demokratischen Fraktionen die Wichtigkeit des Gedenkens und des Mahnens manifestieren. Die Gedenkstätte Schloss Grafeneck ist die meistbesuchte Gedenkstätte in Baden-Württemberg. Sie steht exemplarisch für eine Geschichte mit vielen Brüchen und tiefgreifenden Wandlungen. Von der mittelalterlichen Burganlage entwickelte sich Grafeneck zum Jagdschloss und zur Sommerresidenz der Herzöge. Im 19. Jahrhundert verfiel die Anlage, ehe sie in privatem Besitz wiederaufgebaut wurde und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Bestimmung als Heim für Menschen mit Behinderungen fand. Ihren dunkelsten und traurigsten Abschnitt erlebte die Geschichte von Schloss Grafeneck jedoch im Jahr 1940. Unter dem zynischen Vorwand der Zwecke des Reiches wurde die Anlage beschlagnahmt und zum Schauplatz der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen. Heute ist sie Mahnmal für 10 654 Opfer. Ich spreche die Zahl deshalb aus und runde nicht, weil hinter jedem dieser Opfer ein Mensch steckt, der den grausamen Verbrechen des Nationalsozialismus – – (Der Redner ringt um Fassung. – Beifall bei Abge- ordneten der CDU, der Grünen, der SPD und der FDP/DVP) Grafeneck ist der Ort für Überlebende, Angehörige und die Gesellschaft zum Gedenken und, ja, auch zum Trauern. Den demokratischen Fraktionen dieses Hauses ist es wichtig, dies heute festzustellen und die Einigkeit zu zeigen, solche Stätten zu fördern und zu erhalten. Es ist auch ein schönes Zeichen, dass der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Dr. Michael Blume, heute bei uns ist, um an diesem wichtigen Tag bei einem wichtigen Beschluss des Landtags dabei zu sein. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU, den Grünen, der SPD und der FDP/DVP sowie Abgeordneten der AfD) (Andreas Deuschle) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Erinnerung braucht Orte, und diese Orte brauchen Pflege, Schutz und Verantwortung. Heute stehen wir vor der Herausforderung, dass die Anlage in weiten Teilen stark sanierungsbedürftig ist. Der bauliche Zustand wird der Bedeutung dieses Ortes längst nicht mehr gerecht. Wenn wir es ernst meinen mit dem Erinnern, mit der Würde der Opfer und mit unserem Anspruch an eine verantwortungsvolle Gedenkkultur, dann müssen wir, das Land, auch bereit sein, diese Verantwortung ganz konkret zu übernehmen. (Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü- nen und der FDP/DVP) Deshalb ist es Aufgabe des Landes, gemeinsam mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen zu prüfen, um Schloss Grafeneck dauerhaft zu erhalten als Gedenkstätte, als Lernort und als Mahnung für kommende Generationen. Den ersten Schritt dazu gehen wir mit dem heutigen Antrag, den meine Fraktion, die CDU-Fraktion, gern mitträgt. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den Grünen, der SPD und der FDP/DVP sowie des Abg. Anton Baron AfD)
