Dr. Wolfgang Reinhart
Ich darf für die Landesregierung dem zuständigen Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk das Wort erteilen. Bitte sehr. Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk: Verehrter Kollege Pix, meine sehr verehrten Damen und Herren! Der 5. Bericht zur Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel in Baden-Württemberg wurde am vergangenen Montag vorgestellt. Der Bericht basiert auf den Erhebungsdaten des im Land eingerichteten Betriebsmessnetzes und zeigt, dass wir bei der Pflanzenschutzmittelreduktion in unserem Land bereits wichtige Schritte in die richtige Richtung, nämlich in Richtung Reduktion, gemacht haben. Unser Ziel, bis zum Jahr 2030 die Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel um 40 bis 50 % zu senken, ist ambitioniert, aber wir sind auf dem richtigen Weg und können das – ich würde das jetzt einfach mal prognostizieren; wir haben jetzt 2025 – auch erreichen. Im Jahr 2023 wurden im Vergleich zum Ausgangspunkt, also der Baseline der Jahre 2016 bis 2019, 12 % weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Dabei war die Witterung hinsichtlich der Niederschlagsmengen durchschnittlich. Im Vergleich zum sehr trockenen Vorjahr mit 13 % Reduktion sind die Daten aus dem Jahr 2023 auch eine Bestätigung für den Trend nach unten. Neben der reinen Mengenbewertung enthält der Bericht aber auch eine Risikobewertung mittels SYNOPS. Auch hierbei zeigt sich ein Trend nach unten. Zudem wurde im Jahr 2023, wie im Biodiversitätsstärkungsgesetz vorgesehen, eine umfassende externe Evaluierung der Maßnahmen vorgenommen, die insgesamt positiv ausfiel. Ich will besonders hervorheben, dass unseren Demobetrieben eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Reduktionsziele zukommt. Durch ihre Arbeit und den Erfahrungsaustausch im Demonstrationsbetriebsnetzwerk Pflanzenschutzmittelreduktion konnten wir damit also praxisrelevante Maßnahmen zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln entwickeln und erproben. Die konsequente Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes ist damit die Grundlage oder der erste Schritt zur Erreichung einer Pflanzenschutzmittelreduktion. Forschung und Beratung spielen dabei eine zentrale Rolle. (Minister Peter Hauk) Durch die Arbeit unserer landwirtschaftlichen Landesanstalten und weiterer Forschungseinrichtungen werden neue Verfahren bereitgestellt wie z. B. auch pilzwiderstandsfähige Sorten im Wein-, Obst- und Getreidebau, neue digitale Techniken und mechanische Unkrautbekämpfung, aber auch Prognosemodelle, die durch Forschungen zur Epidemiologie oder auch laufende Validierung in der Praxis weiterentwickelt werden. Wir nutzen auch intensiv die Fördermöglichkeiten der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik, um den Ökolandbau weiter auszubauen und auch um Agrarumweltmaßnahmen anzubieten, die den Pflanzenschutzmitteleinsatz weiter reduzieren und in die Fläche bringen. Das alles sind wichtige Schritte, um unsere Ziele zu erreichen, gleichzeitig aber auch die Landwirtschaft im Land zu stärken. Ich will allerdings auch darauf hinweisen, dass es noch einige Herausforderungen gibt. Der Klimawandel und das Auftreten neuer Schaderreger und Krankheiten sind Risiken, die unsere Zielerreichung gefährden können. Man muss auch sagen: Neue Schaderreger treten schneller auf, als die Bürokratie schnell ist, nämlich in der Frage der Zulassung neuer Wirkstoffe zur Bekämpfung von Schaderregern. Zuletzt hat das Auftreten der Schilf-Glasflügelzikade, begünstigt durch den Klimawandel, zu enormen Schäden im Zuckerrüben-, Kartoffel- und Gemüseanbau geführt. Die Frage ist natürlich schon, ob Verbote einzelner Mittel, wie z. B. Neonikotinoide in der Beizung, kontraproduktiv zu unseren Zielen sein können. Denn aufgrund des Verbots der Beizung mit Neoniks sind vielfache Überfahrten im konventionellen Landbau und damit das Ausbringen einer mehrfachen Menge an Insektiziden erforderlich, um die Schaderreger, in diesem Fall die Schilf-Glasflügelzikade, zu bekämpfen. Man muss einander gegenüberstellen, was der Weg ist, der am Ende mit einem geringeren Übel verbunden ist. Diese Abwägungsprozesse sind bisher noch nicht durchgeführt worden. Trotz dieser Herausforderungen sind wir aber zuversichtlich, dass wir die Ziele erreichen können. Wir werden weiterhin daran arbeiten, die Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren und gleichzeitig die Landwirtschaft im Land zu stärken. Vielen herzlichen Dank.
