Katrin Schindele
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Baden-Württemberg ist Raumfahrtland und in Europa vorn mit dabei. In den vergangenen Monaten wurden gemeinsam mit Bayern und Bremen unsere Erwartungen an den Bund und die ESA-Ministerratskonferenz formuliert. Wenn wir technologisch souverän (Katrin Schindele) bleiben wollen, wenn wir den Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Beschäftigten in unserem Land eine Zukunft im globalen Wettbewerb sichern wollen, dann müssen wir im Bereich Raumfahrt nicht nur mithalten, sondern vorn mit dabei sein. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Die ESA-Ministerratskonferenz, die letzte Woche in Deutschland, in Bremen, stattfand, hat uns hierfür wichtige Rahmenbedingungen gegeben. Ich spreche mich dafür aus, dass die ESA-Ministerratskonferenz, die in diesem Jahr in Bremen stattfand, das nächste Mal natürlich gern auch in Baden-Württemberg sein darf. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen – Zuruf von der CDU: Ja!) Wir haben auf Bundesebene eine Raumfahrtministerin aus Bayern – das ist gut –, (Vereinzelt Heiterkeit – Zuruf: Nein!) doch wenn jetzt die meisten Mittel nach Baden-Württemberg fließen, ist es natürlich noch besser. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen – Abg. Manuel Hagel CDU: Ge- nau!) Denn wir sind hier in Baden-Württemberg sehr gut aufgestellt – mit dem DLR in Stuttgart und seinen Außenstellen in Empfingen, Lampoldshausen und Ulm sowie den vielen weiteren Unternehmen, die in dieser Branche erfolgreich sind. Vergessen wir nicht: Mit 22,1 Milliarden € für die nächsten drei Jahre verfügt die Europäische Raumfahrtagentur über den größten Etat ihrer Geschichte. Deutschland spielt als größter Beitragszahler mit 5,4 Milliarden € hier eine Schlüsselrolle und übernimmt Verantwortung. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und des Abg. An- dreas Schwarz GRÜNE) Die Budgethöhe allein ist aber nicht ausschlaggebend, sondern es findet ein Paradigmenwechsel hin zu mehr Wettbewerb sowie nutzer- und anwendungsorientierten Ansätzen statt. Das ist genau richtig. Auch das Thema „Dual Use“ rückt in den Fokus. Das ist in den aktuellen Zeiten richtig und gut. Und was vor allem auch wichtig wird, ist Geschwindigkeit; denn niemand wartet auf uns. Deswegen müssen wir selbst Gas geben. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) Mit dem Rekordetat können wir genau die Programme stärken, die wir in Baden-Württemberg schon seit Langem vorantreiben: Trägersysteme, Erdbeobachtung, Navigation, Exploration und technologische Entwicklungen. Das bedeutet: Die Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen in unserem Land finden sehr gute Voraussetzungen vor, um hier an Zukunftsprojekten weiter mitzuwirken. Der Rahmen ist gesetzt, und jetzt ist natürlich entscheidend, dass auch die Gelder nach Baden-Württemberg fließen und iode – 136. Sitzung – Mittwoch, 3. Dezember 2025 Baden-Württemberg auch im gewünschten Umfang davon profitiert – (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) sozusagen vom Ländle ins Weltall. Auch Kinderträume können wirklich wahr werden; denn der erste Mondfahrer rückt in greifbare Nähe. Matthias Maurer oder Alexander Gerst – bei ihm schlägt das Baden-Württemberg-Herz natürlich hoch (Abg. Arnulf Freiherr von Eyb CDU: Ein Hohenlo- her!) – ein Hohenloher, genau; der Kollege von Eyb freut sich hier besonders – haben demnächst die Möglichkeit, in Richtung Mond unterwegs zu sein. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Erik Schweickert, der dem Wirtschaftsausschuss in diesem Jahr ermöglicht hat, Alexander Gerst persönlich kennenzulernen. Damit hat der Wirtschaftsausschuss wirklich das klare Zeichen gesetzt, dass uns das Thema Raumfahrt wichtig ist. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen und der FDP/DVP) Wenn wir dann auch noch die „Schwarzwald Marie“ mit ins All schicken, (Die Rednerin hält eine Playmobil-Figur „Schwarz- wald Marie“ hoch.) sehen wir, dass „Tradition meets Hightech“ wirklich funktionieren kann und baden-württembergische Fußstapfen auf dem Mond hinterlassen werden können. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Wer jetzt noch nicht vom Weltall fasziniert ist, dem kann man – da wird es nämlich schwierig – auch nicht mehr helfen; denn Raumfahrt ist für Baden-Württemberg entscheidend. Raumfahrt ist schon lange nicht mehr ein Nice-to-have, sondern es ist ein strategischer Industriezweig für Sicherheit, Innovation, Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke. Dabei ist Baden-Württemberg ein Standort für Zulieferer, Systemhersteller, für starke Forschungseinrichtungen wie das DLR. Baden-Württemberg kann vielleicht künftig auch eine zusätzliche Universität beheimaten; da unterstütze ich meinen Fraktionsvorsitzenden Manuel Hagel. Das wäre wirklich gut und im Bereich Raumfahrt/KI hervorragend. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Exzellente Hochschulen haben wir viele – Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, aber auch im ländlichen Raum; ich denke an den Campus Schwarzwald in Freudenstadt –, aber wir haben auch die Duale Hochschule. Jeder Einzelne von uns hat im Wahlkreis sicherlich auch etwas Vergleichbares, weil man sieht, dass man im ländlichen Raum wirtschaftsnahe Forschung auch im Bereich Raumfahrt betreiben kann. Es gibt im Land zahlreiche innovative Start-ups, die neue Materialien und digitale Lösungen im Bereich Raumfahrt entwickeln. (Katrin Schindele) Es sind rund 16 000 Beschäftigte, die bei uns im Land direkt in der Luft- und Raumfahrtindustrie arbeiten, und natürlich profitieren noch Zehntausende indirekt von ihr. Diese Arbeitsplätze sind mit hoch qualifizierten Arbeitskräften besetzt, zukunftsfest und tragen erheblich zu unserem Wohlstand bei. Das muss auch weiter ausgebaut werden. Über Raumfahrt zu sprechen, heißt, über die Zukunft von Innovation, von Wettbewerbsfähigkeit, aber auch von Sicherheit im Land zu sprechen. Was muss nun folgen? Die vom Bund bei der ESA-Ministerratskonferenz in Aussicht gestellten Mittel müssen langfristige Planungssicherheit bieten, und es muss für eine klare Strategie gesorgt werden. Denn wir müssen die technologische Souveränität ernst nehmen und einen zuverlässigen Zugang zum All ohne Abhängigkeit von ausländischen Anbietern schaffen. Das gilt für Trägersysteme genauso wie für Satellitenkommunikation, Navigation und Sicherheitsmissionen. Wir müssen die Innovationskraft im Land noch gezielter stärken. Das bedeutet, Forschungseinrichtungen und Unternehmen brauchen verlässliche Förderinstrumente und niedrigschwellige Zugangshürden, damit auch Start-ups und Mittelständler an europäischen Programmen teilnehmen können und auch privates Geld mobilisiert wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und des Abg. An- dreas Schwarz GRÜNE) Wir müssen die Potenziale für Mobilität, Sicherheit und Digitalisierung nutzen. Die Daten aus der Erdbeobachtung und die Technologien aus der Raumfahrt helfen uns auch beim Katastrophenschutz – da haben wir auch noch ein Thema vor uns –, bei der Waldbrandprävention, dem Hochwasserschutz, aber auch der Verkehrsplanung. Diese Daten sind wirklich Gold wert, und damit können wir in Zukunft einiges anfangen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) Baden-Württemberg kann hier Vorreiter werden. Zum Teil sind wir es schon, und wir wollen weiterhin vorn mit dabei sein. Deshalb, sehr geehrte Damen und Herren: Die ESA-Ministerratskonferenz hat gezeigt, Europa meint es ernst, Deutschland meint es ernst, und wir in Baden-Württemberg meinen es auch ernst mit der Raumfahrt. Raumfahrtministerin Dorothee Bär hat Deutschland wirklich sehr gut präsentiert – im europäischen Zusammenhalt muss man einfach sagen: ohne Europa geht es nicht – und von Deutschland aus eine starke Stimme nach Europa geschickt. In Baden-Württemberg haben wir die Strategie „THE Aerospace LÄND“, von der immer wieder Impulse ausgehen und an der das Wirtschaftsministerium, das Verkehrsministerium, das Wissenschaftsministerium, aber auch das Staatsministerium mitgewirkt haben. Die ist natürlich auch weit über unsere Landesgrenze hinaus sichtbar. Jetzt gilt es, die Chancen zu nutzen, die Mittel in konkrete Projekte zu überführen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Beschäftigten in unserem Land davon profitieren. de – 136. Sitzung – Mittwoch, 3. Dezember 2025 Baden-Württemberg ist ein starkes Raumfahrtland. Mit der richtigen Politik bleibt es das und wird noch mehr an Bedeutung gewinnen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen – Zuruf von der CDU: Sehr gut!)
