Daniel Karrais
Vielen Dank für die Ausführungen. – Es dürfte Sie nicht überraschen, dass auch ich eine Frage zur Gäubahn habe. Sie haben angesprochen, dass jetzt eine Verschiebung der Kappung auf 2027 möglich ist, die Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke ab 2027 aber trotzdem stattfindet. Da fragen sich natürlich viele Menschen: Wäre es nicht möglich, die Gäubahn vielleicht noch mal ein Jahr länger in den Hauptbahnhof oben reinfahren zu lassen bzw. die Sperrung der S-Bahn vorzuziehen? Letzteres geht wahrscheinlich nicht. Vielleicht können Sie dazu aber noch mal ein paar erhellende Worte sagen, weil die Problematik da ist: Wenn ich mit der gekappten S-Bahn nur nach Vaihingen fahren kann und teilweise – das haben Sie auch ausgeführt – sogar nur nach Böblingen komme, ich dann noch irgendwie in die U-Bahn umsteigen muss oder mit meinem Koffer in einen Bus, wenn ich zum Fernverkehr will, dann wird das am Schluss niemand mehr machen. Das ist schon eine große Problematik. Insofern noch mal konkret die Frage: Wäre nicht eine weitere Verschiebung der Außerbetriebsetzung des Kopfbahnhofs oben denkbar? Minister für Verkehr Winfried Hermann: Denkbar ja. Das haben wir auch gedacht. Wir haben es auch versucht. Ich habe eben begründet, warum die Bahn das abgelehnt hat. Aber vielleicht noch mal zur Erklärung: Die Bahn hat den Prozess erst – – Ursprünglich war geplant: Erst wird die S-Bahn abgehängt, die Gäubahn wird abgehängt, und wenn die digitalisiert sind, wird der Bahnhof dann in Betrieb genommen und wird der Rest gemacht. Jetzt hat die Bahn das umgedreht. Warum? Weil sie den Termin für die Inbetriebnahme im Dezember 2026 halten wollte, und den konnte sie nur halten – immer nach Angaben der Bahn –, wenn sich die Digitalisierung und die Baumaßnahmen bei der S-Bahn und der Gäubahn verschieben. Das war der Zeitgewinn, um den Termin zu halten und den Termin für die gestaffelte Inbetriebnahme zu halten. Das ist auf der Baustelle voneinander abhängig. Die S-Bahn muss man verschwenken, und wenn man sie verschwenken muss, dann muss man die Gäubahn abbauen, und man müsste es wieder rückwärts bauen, wenn man das länger machen wollte. Das will weder die Bahn noch vor allem die Stadt Stuttgart. Die Stadt Stuttgart will nicht, dass es eine Ver- (Minister Winfried Hermann) längerung gibt, weil sie sehr intensiv und auch vehement darauf drängt, dass sie seit über 20 Jahren das Recht hat und die Fläche besitzt, eigentlich die Fläche bebauen will und jetzt nicht ständig weitere Verzögerungen akzeptieren will. Die Bahn selbst hat das Problem auch. Sie muss ja Pönalen zahlen. Außerdem hat man, zumindest früher, gesagt: Alles, was Spätinbetriebnahme heißt, heißt Kosten. Es ist auch so. Es ist sozusagen nicht ganz umsonst, dass man jetzt mindestens ein Jahr lang einen Kombibetrieb hat. Interessanterweise hat die Bahn lange gesagt: Das geht nicht. Jetzt ist es halt doch gegangen. Das zeigt manchmal: Wo ein Wille ist, ist auch eine Einfahrt.
