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Dr. Stefan Fulst-Blei

SPD 25.06.2025 Sitzungen 17/125

Herzlichen Dank, Herr Präsident. – Kolleginnen und Kollegen, die Debatte um die Frage nach der Unreife oder Reife von potenziell Auszubildenden ist mir persönlich schon in den 1990er-Jahren begegnet. Damals war ich Landesjugendsekretär der Gewerkschaft ÖTV und als solcher im Landesbildungsausschuss in Rheinland-Pfalz. Da ging es um eine Studie der BASF ausdrücklich mit Blick auf beide Rheinseiten. Also auch Baden-Württemberg war davon betroffen. Da wurde ein zunehmender Mangel an mathematischen Kenntnissen und in Bezug auf das Thema Rechtschreibung festgestellt. Ja, wir sind hier in Deutschland allgemein und in Baden-Württemberg im Besonderen seitdem nicht viel besser geworden. Allerdings – dies hat der ehemalige Bildungssenator in Hamburg, Ties Rabe, unlängst auf einer Veranstaltung in Mannheim festgestellt – sind die Schülerinnen und Schüler von heute auch nicht mehr die der 1990er-Jahre. Das gilt übrigens auch mit Blick auf die Konzentrationsfähigkeit, weil sich viele halt auch dem TikTok-30-Sekunden-digitalen Raubbau ihres Intellekts hingeben. Kurzfassung: Lesen bildet, Kurzvideos machen doof. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen) Das gilt auch mit Blick auf die geänderte Herkunft der Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihres Elternhauses gerade im Fach Deutsch andere Startvoraussetzungen haben. Im Gegensatz zu den gesichert Rechtsextremen sehen wir diese Kinder aber als eine große Chance für unser Land und sind dankbar, dass sie hier sind. Denn wir brauchen sie als qualifizierte Fachkräfte und – ganz eigennützig gesehen – als künftige eriode – 125. Sitzung – Mittwoch, 25. Juni 2025 Rentenbeitragszahlende. Sie bereichern unser Land menschlich und machen volkswirtschaftlich Sinn. Mit der SPD wären deshalb die zahlreichen Lehrkräfte, die für die Sprachförderung im Einsatz sind, schon längst auf unbefristete Positionen übernommen worden. (Beifall bei der SPD) Kollege Sturm, es ist zu spät und zu unzureichend, dass Sie endlich stärker in die Sprachförderung eingestiegen sind – unzureichend mit Blick auf eine systematische Sprachförderung in den Kitas, unzureichend mit Blick auf die weiterführenden Schulen. Unzureichend ist übrigens auch Ihre mathematische Förderung, wo selbst am neuen G 9 von Ihren groß angekündigten sogenannten Innovationselementen nicht viel übrig geblieben ist. Aber Sie schreiben es ja selbst in Ihrer Stellungnahme, Frau Staatssekretärin, Herr Staatssekretär, dass es Ihnen genügt, Mittelmaß zu sein. Genau dahin hat übrigens einmal das alte dreigliedrige Schulsystem à la Schwarz-Gelb geführt. Die Einführung moderner pädagogischer Elemente durch die Gemeinschaftsschulen (Abg. Anton Baron AfD: Katastrophal! Ach du meine Güte!) war auch eine Reaktion insbesondere auf das sehr schlechte Abschneiden in den Jahren 2000 ff. in vergleichenden Leistungstests. (Abg. Anton Baron AfD: Sozialismus ist immer unzu- reichend!) Die SPD hat deshalb genauso dafür gesorgt, dass mit dem Modellversuch „Neunjähriges Gymnasium“ die Tür zum G 9 überhaupt offen gehalten wurde. Die Erfolge dieser Schulen ebneten eben mit den Weg zur erfolgreichen Elterninitiative. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Aber jenseits der Schulreformdebatte ist es manchmal auch ganz einfach: Ausbildungsreife verlangt gute Kenntnisse in Sprache und Mathematik sowie soziale Kompetenzen. Diese können insbesondere im Unterricht vermittelt werden. Das setzt aber voraus, dass Unterricht überhaupt stattfindet. Dafür brauche ich ausreichend viele Lehrerstellen und streiche nicht auch noch, Kollege Hagel und Kollege Schwarz, Lehrkräfte, wie von CDU und Grünen im letzten Haushalt faktisch vollzogen. Im Klartext: Die SPD wollte die Lücke von knapp 1 000 Lehrkräften, die absehbar fehlen, durch mehr Mittel schließen. Sie haben das abgelehnt und wurden deshalb vom Landeselternbeirat zu Recht scharf kritisiert. Mit der SPD würde es übrigens auch jetzt im Sommer nicht dazu kommen, dass faktisch neu ausgebildete Gymnasiallehrkräfte entlassen werden, weil man jetzt in G 9 in den fünften und sechsten Klassen erst einmal weniger Lehrkräfte benötigt. Nein, wir würden dieses Potenzial nutzen, um das G 8 zu entlasten und auch den Unterrichtsausfall an unseren Gymnasien endlich stärker in den Griff zu bekommen. Das ist viel relevanter, Herr Kollege von der AfD, als diese ganze Debatte um Kompetenz. Unterricht muss erst einmal (Dr. Stefan Fulst-Blei) stattfinden – und da haben wir hier im Land noch große Baustellen anzugehen. Danke. (Beifall bei der SPD)

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