Christian Gehring
Sehr geehrter Herr Präsident, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! In der vorletzten Woche gab es einen Youtube-Kanal, der für viel Furore gesorgt hat. Dort konnte man jedoch nichts anderes sehen als einen kleinen Schornstein – auf den Tausende Augen gerichtet waren. Alle haben beobachtet: Beginnt er zu rauchen? Welche Farbe hat dieser Rauch? Zeitgleich war der Petersplatz in Rom mit Tausenden Menschen gefüllt. Bei der Bekanntgabe des neuen Papstes nach einem kurzen Konklave haben weltweit unzählige Menschen an den Bildschirmen verfolgt, wie Papst Leo XIV. den Balkon betrat. Dieses Ereignis sahen schätzungsweise über eine Milliarde Zuschauerinnen und Zuschauer. Das zeigt uns, dass die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen nach wie vor vorhanden ist. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) Selbstverständlich gibt es bei den Kirchen auch einiges zu kritisieren. Die Missbrauchsskandale und deren Aufarbeitung haben jahrelang für Misstrauen, Schlagzeilen und berechtigte Kritik gesorgt, denn die Aufarbeitung war nicht konsequent genug und hat Vertrauen gekostet. Jüngst gab es von der CDU den Appell, den christlichen Glauben als Markenkern nicht zu vernachlässigen. (Christian Gehring) Aber ich möchte die heutige Debatte auch nutzen, um den Kirchen zu danken; denn wir sollten niemals vergessen, was die Kirchen seit Hunderten von Jahren für uns, für alle Menschen leisten – in Baden-Württemberg, in Deutschland, in Europa. (Beifall bei der CDU) Wer kümmerte sich um Kinder und Waisen, um alte und kranke Menschen, als der Staat es noch nicht getan hat? Wer kümmerte sich um die Bedürftigen, als der Staat noch nichts davon wissen wollte? Wer macht noch heute Jugendarbeit in Jungscharen und in der KJG? Wer sind die Träger von Caritas, Diakonie und vielen anderen wohltätigen Organisationen? Wer betreibt Kliniken, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen und steht alten und kranken Menschen bei? Ich vermag nicht einmal ansatzweise alles aufzuzählen, was die Kirchen zu unser aller Nutzen tun und in wie vielen Bereichen sie noch heute tätig sind. Da ist für uns klar: Eine Gesellschaft ohne Kirchen ist für uns nicht vorstellbar. (Beifall der Abg. Sabine Hartmann-Müller CDU) Es wäre ein unglaublich großer wirtschaftlicher und auch menschlicher Schaden, wenn wir die Kirchen nicht hätten. (Beifall bei der CDU) Klar ist auch: Ohne die Kirchen müssten wir, das Land, finanziell vermutlich erheblich drauflegen, wenn Staat und Gesellschaft versuchen wollten, alle ihre Leistungen zu kompensieren. Das sage ich voller Überzeugung auch im Hinblick auf die Anfrage der AfD nach den Kosten für den Staat durch die Kirchen. Sie sind nicht nur jeden einzelnen Cent wert, sondern entlasten unseren Staat. Sie sind aber auch wichtig wegen ihrer überragenden gesellschaftlichen Bedeutung. Die Kirchen geben uns zudem Kompass und Richtschnur. Daher stimmen wir dem Gesetzentwurf zur Neuregelung des Rechts der öffentlich-rechtlichen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu und begrüßen diese klare und notwendige Neuregelung des Verhältnisses zwischen Religionsgemeinschaften und dem Staat. Wir werden auch weiterhin an der Seite der Kirchen und der anerkannten Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg stehen. Abschließend danken wir, die CDU-Landtagsfraktion, allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in den Kirchen von Herzen für uns, für unser Gemeinwohl einsetzen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen)
