Tayfun Tok
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wir sprechen heute über weit mehr als über Motoren, Märkte und Modelle. Wir sprechen heute über nichts Geringeres als über die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts. Denn wir stehen vor einer entscheidenden Frage: Bleibt Baden-Württemberg auch morgen ein Automobilland? Es geht um Jobs, um Wertschöpfung und um den technischen Fortschritt. Baden-Württemberg nämlich ist das Herz der deutschen Automobilindustrie. Die Branche steht für rund 500 000 Arbeitsplätze im Land. Sie trägt seit Jahrzehnten maßgeblich zu unserem Wohlstand bei, und sie prägt natürlich unsere industrielle Identität. Aber sie steht unter gewaltigem Druck. (Zuruf von der AfD: Durch euch!) Globale Verwerfungen, Handelskonflikte, sinkende Absatzzahlen und geopolitische Spannungen fordern die Unternehmen in unserem Land heraus. Deshalb handeln wir entschlossen – nicht aus Ideologie, sondern aus Verantwortung für die Beschäftigten, für den Standort und für unser Klima. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Ein Leuchtturm ist der Strategiedialog Automobilwirtschaft. (Zuruf des Abg. Dr. Christian Jung FDP/DVP) Unser Ansatz überzeugt längst auch auf europäischer Ebene. Die Präsidentin der Europäischen Kommission nimmt unser Modell als Vorbild. Aus dem Dialog sind zahlreiche zukunftweisende Projekte entstanden, z. B. die Forschungsfabrik für Brennstoffzellen HyFaB oder die gemeinsame Open-Source-Software-Kooperation in der Automobilindustrie. Das ist ein starkes Signal, und es bestätigt doch den Kurs Baden-Württembergs. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Ja, die batterieelektrische Mobilität ist der Schlüssel zur klimaneutralen Mobilität. Wettbewerbsfähige Batterietechnologie erhöht Reichweiten, verkürzt Ladezeiten und senkt Umweltbelastungen. Der Markt wird derzeit von China, Japan und Südkorea dominiert. Deshalb muss Baden-Württemberg hier unabhängiger werden. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Deshalb investieren wir gezielt in Batterieforschung, in Zellproduktion, ins Recycling und treiben den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran – für Pkws bereits erfolgreich und nun auch für Lkws. (Lachen des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD) periode – 119. Sitzung – Mittwoch, 2. April 2025 Moderne Autos sind rollende Hochleistungsrechner – ohne funktionierende Software keine Wettbewerbsfähigkeit, ohne Chips kein Auto. Hier haben wir doch einen Durchbruch für Baden-Württemberg. Das weltweit führende Forschungszentrum imec siedelt sich hier im KI-Innovationspark Heilbronn an. Hier entstehen Chiplets für automatisiertes Fahren, für die neue Fahrzeuggeneration. Das ist doch ein entscheidender Schritt für Europas digitale Souveränität. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Das ist doch Hightech made in Baden-Württemberg. Da möchte ich mich auch bei unserer Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und der gesamten Landesregierung ausdrücklich bedanken, dass sie sich dafür eingesetzt haben, dass wir hier gegenüber den asiatischen Konkurrenten souveräner, unabhängiger werden. Herzlichen Dank, Frau Hoffmeister-Kraut! (Beifall bei den Grünen und der CDU) Auch beim autonomen Fahren bleibt Baden-Württemberg vorn. Das Testfeld Autonomes Fahren zeigt unsere technologische Spitzenposition und treibt die Entwicklung weiter voran. Die Innovationssprünge in der Elektromobilität sind doch gewaltig. Ich habe mich kürzlich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus meiner Fraktion bei einem Zulieferer in Bietigheim-Bissingen persönlich von den neuesten Innovationen in der Elektromobilität überzeugt. Das Unternehmen bringt in Zusammenarbeit mit einem anderen schwäbischen Automobilzulieferer, und zwar aus Stuttgart, gerade einen Elektromotor ohne Seltene Erden zur Marktreife. Das spart in der Produktion rund 30 % CO . Das ist doch echte, nachhaltige Zukunftstechnologie. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Und ja, die Transformation gelingt nur mit den Menschen. Deshalb investieren wir in Aus- und Weiterbildung. Wir qualifizieren gemeinsam mit den Gewerkschaften und den Unternehmen die Beschäftigten von heute für die Arbeitsplätze von morgen. Ein starkes Beispiel aus meinem Wahlkreis, auch aus Bietigheim-Bissingen: Porsche baut hier ein hochmodernes Qualifizierungszentrum. Dort lernen die Mitarbeitenden den Umgang mit den Technologien von morgen – praxisnah, in Werkstätten mit Hightechausstattung statt Schraubenschlüssel. Und ja, natürlich spüren wir den Gegenwind. Wir sehen den Stellenabbau. Wer nach China blickt, erkennt aber den Unterschied: China bleibt der wichtigste Absatzmarkt weltweit und investiert Milliarden in die Elektromobilität und nicht in Verbrennermotoren. (Vereinzelt Beifall bei den Grünen – Zuruf von der FDP/DVP: Falsch!) Die Elektromobilität ist dort ein Wachstumsmarkt mit langfristig hohen Zuwachsraten. (Zuruf: Falsch!) (Tayfun Tok) Genau deshalb wäre ein Comeback des Verbrenners, so einfach die Lösung in diesem Moment klingt, langfristig gesehen doch nur eine Scheinlösung. (Beifall bei den Grünen – Zuruf: Nein!) Ich muss noch etwas zu den geplanten US-Zöllen sagen – das Thema ist zu wichtig –: Die angekündigten Zölle auf Autos treffen unseren Wirtschaftsstandort direkt. Sie gefährden Arbeitsplätze, schwächen die Industrie und bremsen Investitionen in Zukunftstechnologien. Klar ist: Handelshemmnisse schaden am Ende allen, auch der US-Wirtschaft. Die EU darf deshalb kein Zeichen der Schwäche senden; sie muss für faire Wettbewerbsbedingungen einstehen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Meine Damen und Herren, Baden-Württemberg bringt alles mit, was es dafür braucht: Innovationskraft, technisches Knowhow und eine Landesregierung, die entschlossen handelt. Wir halten Kurs, wir investieren, wir gestalten den Wandel, und wir arbeiten daran, dass die Menschen in den Fabriken, die sich zu Recht Sorgen machen und Abstiegsängste haben, eine Perspektive bekommen. Wir geben Antworten auf Abstiegsängste – nicht mit Schlagzeilen, sondern mit konkreten Lösungen, damit Baden-Württemberg Automobilland bleibt. Herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
