Dr. Dorothea Kliche-Behnke
Nein. – Das Stichwort ist immer dasselbe, wir haben es heute schon gehört: toxische Männlichkeit. Es ist kein Wunder, dass hier im Saal an dieser Stelle vonseiten der AfD Gelächter zu hören war. Es handelt sich um ein Verhaltensmuster, das Männern vorschreibt, Emotionen zu unterdrücken, aggressiv aufzutreten, Macht über Frauen auszuüben. (Abg. Anton Baron AfD: So ein Unsinn!) Die Folgen sind verheerend, nicht nur für Frauen, sondern natürlich auch für die Männer selbst. Wir wissen, dass toxische Männlichkeit mit psychischen Problemen, Suchtverhalten und einer erhöhten Suizidrate bei Männern in Verbindung steht. Im Feminismus gibt es gerade die Debatte: Müssen wir jetzt also auch noch die Männer retten? Nein, natürlich nicht. Aber – es wurde heute gesagt – wir werden eine geschlechtergerechte Gesellschaft niemals erreichen ohne die Männer. (Beifall bei der SPD und den Grünen, Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP) Ich möchte heute trotz allem mit einer guten Portion Hoffnung enden. Ja, viele befürchten den Backlash, und ohne Zweifel freuen sich manche auch über ihn. Aber es gibt auch Erfolge, zumindest kleine Erfolge. Es gibt Entwicklungen, die Hoffnung machen. Da sei auch noch einmal genannt, dass der Bundestag in seiner letzten Sitzung vor der Bundestagswahl das Gewalthilfegesetz fraktionsübergreifend auf den Weg gebracht hat. Es sichert Frauen erstmals einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei Gewalt. Das hat immense Folgen auch für unser Bundesland; es ist eine Verpflichtung auch für uns. Ich möchte aber auch konkrete Punkte von hier nennen. Die Stadt Ludwigsburg hat in dieser Woche – bundesweit erstmals – einen Gedenktag für gewaltbetroffene Frauen begangen. Die Stadt Ludwigsburg nimmt die Istanbul-Konvention ernst und erklärt: Gewalt gegen Mädchen und Frauen wird hier nicht geduldet. Was für ein starkes Zeichen! (Beifall bei der SPD sowie Abgeordneten der Grü- nen, der CDU und der FDP/DVP) Das Bewusstsein wächst an dieser Stelle eindeutig: Wir müssen wegkommen von einer Einengung der Sicherheitsdebatte. Die Sicherheit von Frauen muss verstärkt auch innerpolitisch in den Blick genommen werden. Ich danke meinen Vorrednerinnen ausdrücklich dafür, dass sie diesen Aspekt aufgegriffen haben. Es gibt weitere kleine Erfolge wie den gestaffelten Mutterschutz, und ich möchte einen Punkt nennen, der uns alle be- (Dr. Dorothea Kliche-Behnke) trifft: das Wahlrecht von Baden-Württemberg. Dieses neue Wahlrecht wird – das wird in dieser Debatte, die im Moment auch vonseiten der FDP gern geführt wird, völlig übersehen und muss einmal gesagt werden – strukturelle Veränderungen für dieses Haus mit sich bringen, von denen viele Frauen – das wird ehrlicherweise auch ganz massiv meine Fraktion betreffen – in Baden-Württemberg profitieren werden. (Abg. Rüdiger Klos AfD: Quote statt Qualität! – Abg. Anton Baron AfD: Die Grünen haben es doch hinbe- kommen beim letzten Wahlrecht! – Gegenruf des
