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Dr. Dorothea Kliche-Behnke

SPD 12.03.2025 Sitzungen 17/117

Im Übrigen wird mir hier am Pult keine Zeit angezeigt. – Ah, jetzt. (Heiterkeit) Schön, ich habe Zeit. (Abg. Andreas Stoch SPD: Es ist ja auch eine zeitlo- se Rede! – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Wir hät- ten es dir geschenkt!) Wussten Sie, dass der Frauenanteil im Verbandsrat beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband bei 2 % liegt? Wussten Sie, dass von fünf hauptamtlichen Führungskräften (Dr. Dorothea Kliche-Behnke) beim Sparkassenverband Baden-Württemberg keine einzige eine Frau ist? Beim Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung sind es elf Männer, ebenfalls keine einzige Frau. Im Verwaltungsrat sitzt dort immerhin eine Frau, zusammen mit 24 Männern. Kolleginnen und Kollegen, Sie wissen, dass ich noch unzählige solcher Zahlen, unzählige solcher Gremien aus unserem Bundesland aufzählen könnte. Seien wir alle ehrlich: Frauen haben in weiten Teilen des Landes eben keine Macht. (Beifall bei der SPD – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Liebe frauenpolitische Sprecherinnen der demokratischen Fraktionen: Hiermit lade ich Sie zu einem fraktionsübergreifenden Gespräch über das Instrument ein, das wir in Baden-Württemberg dafür haben: das Chancengleichheitsgesetz. Wir alle wissen, dass dieses Gesetz novelliert gehört. Ich sage Ihnen: Wenn Sie den Titel der heutigen Debatte ernst meinen, dann lassen Sie uns das gemeinsam angehen. (Beifall bei der SPD – Vereinzelt Beifall bei den Grü- nen – Abg. Anton Baron AfD: Die Begeisterung war zu spüren!) Es gibt viele solcher Kennzahlen, hinter denen Strukturen stehen, die auf Kosten von Frauen gehen. Doch ich möchte die heutige Debatte auch nutzen, um den Blick auf die grundsätzliche Situation der Frauenrechte in der Welt zu lenken. Eine Frau wird auf offener Straße angegriffen, weil sie kurze Haare hat und deshalb von Männern für eine Feministin gehalten wird. Gruppen wie die „Neue Männer-Solidarität“ protestieren offen gegen Feministinnen und Gleichberechtigung. Ihre Anführer bezeichnen Feminismus als „psychische Krankheit“ und Feministinnen als Männerhasser. Bei Bewerbungsgesprächen werden Frauen schamlos nach Beziehungsstatus und Kinderwünschen gefragt. Große Unternehmen werden beschuldigt, Frauen nach einer Heirat oder Schwangerschaft zu degradieren oder zur Kündigung zu drängen. Alles Fiktion, alles Dystopie? Weit gefehlt. So sieht es etwa in Südkorea aus, einem der modernsten und wohlhabendsten Länder der Welt. Tief patriarchale Strukturen treffen dort auf einen rasanten sozialen Wandel. Reaktionäre und Konservative machen heute starke, selbstbewusste Frauen für alles Übel in ihrem Land verantwortlich. Das ist sicher ein extremer Fall, liebe Kolleginnen und Kollegen, der aber zeigt, wohin uns die neuen Männerrechtsbewegungen treiben können und wollen. (Oh-Rufe von der AfD) Aber wir sehen es an so vielen Orten auf der Welt. Wir sehen es in den USA, wo nun Begriffe wie „Frauen“, „Gender“ und „Gleichberechtigung“ von den Regierungs- und Behördenwebseiten gestrichen werden sollen, (Abg. Anton Baron AfD: Zu Recht!) iode – 117. Sitzung – Mittwoch, 12. März 2025 wo Förderanträge nicht mehr mit diesen Begriffen versehen werden dürfen. Wir sehen es in Russland, und – ja – wir hören auch in Deutschland, was manche Herren aus den Reihen der AfD an Parolen verbreiten. (Beifall bei der SPD und den Grünen sowie Abgeord- neten der CDU und der FDP/DVP)

Alle Reden von Dr. Dorothea Kliche-Behnke Protokoll ↗