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Dr. Wolfgang Reinhart

18.12.2024 Sitzungen 17/112

Nur weitermachen. Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Ist schon recht. – Vom frühkindlichen Bereich gehen wir zum Gymnasium über. Die Diskussionen im Landtag hierzu waren auch sehr virulent, inwieweit wir vom achtjährigen Bildungsgang auf den neunjährigen Bildungsgang im Gymnasium umstellen. Wir haben nach der Diskussion und dem Volksantrag der damaligen Initiatorinnen, aber auch dem Bürgerforum, das wir dazu eingerichtet haben, reagiert und haben gesagt: „Okay, wir stellen auf ein neunjähriges Gymnasium um. Es soll aber auch eine Möglichkeit bleiben, den Bildungsgang in acht Jahren zu erledigen.“ Es ist jetzt 20 Jahre her, dass das achtjährige Gymnasium damals unter Schwarz-Gelb eingerichtet wurde. Die Argumente dafür waren damals, die Schülerinnen und Schüler, die Abiturientinnen und Abiturienten seien zu alt, wenn sie ins Studium oder auf den Arbeitsmarkt kommen. Der Wunsch, dass es nach wie vor ein neunjähriges Gymnasium geben solle, war jedoch immer virulent zu spüren, und mit diesem Wunsch haben wir uns in der Landesregierung intensiv auseinandergesetzt. Wir haben das Bürgerforum durchgesetzt und sind dann zum Schluss gekommen, eine Umstellung auf ein G 9 zu machen. Aber wir werden nicht einfach den Bildungsgang strecken, sondern wir haben zusammen mit Fachleuten, mit Praktikern diskutiert und werden Innovationselemente in das G 9 mit hineinbringen, um mit den neuen Herausforderungen an den Schulen umgehen zu können, und wir werden diese auch auf die anderen Schularten übertragen. Ungefähr 45 % der Kinder sind bisher auf das Gymnasium übergetreten, es haben aber auch ungefähr 25 % der Kinder an den Realschulen und ungefähr 14 % der Kinder an den Gemeinschaftsschulen eine Gymnasialempfehlung. Es ist wichde – 112. Sitzung – Mittwoch, 18. Dezember 2024 tig, dass diese Schularten jetzt nicht den Rücken gekehrt bekommen, indem man sagen würde: Na ja, das Gymnasium und die innovativen Ansätze, die wir dort haben, sind jetzt sehr interessant, doch die werden nicht auf andere Schularten übertragen. Dort, wo wir bei den Grundlagen in den Klassen 5 und 6 innerhalb der Gymnasien noch mal nachsteuern, müssen wir das auch in den weiterführenden Schulen im Sekundarbereich I machen. An den Gymnasien wird jetzt durchgängig von der fünften bis zur elften Klasse das Fach Informatik angeboten, in der fünften und sechsten Klasse ist es Medienbildung. Das wollen wir aber auch an den anderen weiterführenden Schularten. Für die ist es nämlich umso wichtiger, die Zukunftsthemen Informatik, „Künstliche Intelligenz“ und Medienbildung als ein eigenes Schulfach einzuführen. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Ich meine, wir merken es ja nicht nur an der Diskussion, die wir zum Tagesordnungspunkt 3 hatten, bei der es um die Stärkung des jüdischen Lebens in Deutschland ging: Wir brauchen einfach Demokratiebildung an den Schulen, und wir brauchen noch mal mehr Zeit und mehr Möglichkeiten, das nicht nur am Gymnasium, sondern an allen weiterführenden Schulen zu machen. Das ist ein wichtiges Signal nicht nur für unsere freie Gesellschaft, sondern auch für unser Zusammenleben; denn das ist bei den Kindern und bei den Jugendlichen absolut ein Thema. An den Schulen, wo wir die Diskussionsfreude und den kritischen Geist fördern sowie mündige Bürgerinnen und Bürger erziehen wollen, müssen wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass dies möglich ist. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Wir stärken auch die berufliche Orientierung. Auch das ist ein Thema, das wir hier im Hohen Haus schon oft diskutiert haben: der beruflichen Orientierung an den weiterführenden Schularten einen anderen Stellenwert einzuräumen. Da geht es besonders um den gymnasialen Bereich. Dort wollen wir besonders in der elften Klasse – wenn die jungen Menschen dann schon näher an ihren Abschlüssen sind – mit Praktika, mit Möglichkeiten die berufliche Orientierung weiten. Das ist ein ganz wichtiges Zukunftsthema, auch für unser Bundesland. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Aber wir haben uns mit dem Schulgesetz nicht nur diese Innovationselemente mit den entsprechenden Umstrukturierungen der Tableaus und der Schwerpunkte an den Schulen vorgenommen, sondern wir haben uns auch vorgenommen, die Maßnahmen, die wir zum Teil schon in der Diskussion hatten – mit den Anfängen im Koalitionsvertrag –, mit anzupacken und das im Schulgesetz auch noch einzubringen. Dazu haben wir einerseits an den Gemeinschaftsschulen, die bisher keine gymnasiale Oberstufe haben, die Möglichkeit zum Abitur ausgebaut, indem sie durch Verbünde mit anderen Schulen eine gemeinsame Oberstufe ausgestalten oder Kooperationen untereinander machen können. (Ministerin Theresa Schopper) Wir wollen nun auch das Coaching, das schon seit Langem versprochen wurde, hinterlegen. Das Coaching, das Mentoring, das bisher ein gemeinschaftsschulspezifisches Element ist, um die jungen Menschen auf ihrem schulischen Weg zu begleiten, wollen wir in den Gemeinschaftsschulen, aber auch in den anderen Schularten haben. Ein großer Diskussionspunkt bei den Realschulen ist immer wieder die Orientierungsstufe, in der Kinder bisher zwei Jahre lang auf einem mittleren Niveau lernen mussten und sollten, obwohl wir wussten, dass es da Frustrationserlebnisse bei Schülerinnen und Schülern gegeben hat. Den Anforderungen des M-Niveaus waren sie nicht gewachsen. In Gesprächen mit den Praktikerinnen und Praktikern ist das immer auch an uns herangetragen worden. Deshalb haben wir da auch eine klare Entscheidung getroffen: Die Orientierungsstufe an den Realschulen wird auf ein Jahr verkürzt; gleichzeitig schaffen wir die Möglichkeit für die Realschulen, einen klareren Weg auch in Richtung Abitur aufzeigen zu können. Realschulen können auch feste Kooperationen mit Gymnasien – egal, ob allgemeinbildende oder berufliche – oder den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen einrichten und dann auch den Namen „Realschule in Kooperation“ führen. Es ist so, dass der Werkrealschulabschluss – diese Diskussion ist ja immer auch in Ihren Wahlkreisen virulent, gerade dort, wo es sehr stabile Werkrealschulen gibt – ausläuft. Das haben wir zum einen deshalb gemacht, um das Schulsystem übersichtlicher zu gestalten. Baden-Württemberg hat als einziges Bundesland in der Bundesrepublik den Werkrealschulabschluss. Deshalb lassen wir den Werkrealschulabschluss auslaufen, ohne allerdings einen Weg zu einem mittleren Abschluss zu verbauen. Der Weg ist sicherlich härter, wenn man das über die Realschulen oder die Gemeinschaftsschulen macht, aber wir sind mit Hochdruck dran, für die Werkrealschülerinnen und -schüler, die im nächsten Schuljahr an die Werkrealschulen gehen, zu ermöglichen, dass auch sie in fünf Jahren zu einem mittleren Abschluss kommen können. Da sind wir mit Hochdruck dran, weil wir sehen, dass es wichtig ist, dass wir eine Perspektive bieten. Das entspricht dem alten Credo, keinen Abschluss ohne Anschluss zu bieten. Es ist nicht nur dem Kultusministerium wichtig, dass wir da noch einmal Perspektiven bieten, sondern ich weiß, dass wir da auch von Ihrer Seite her entsprechend Unterstützung finden. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Nein! Keine Unter- stützung! Das ist ein schwerer Fehler, die Abschaf- fung!) – Sie haben ja gleich Gelegenheit. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Ja!) Die Debatte um Kompass 4 hatten wir schon in der vergangenen Woche. Ich sage es noch einmal: Mich und uns irritieren die Rückmeldungen, die wir vor allem im Bereich Mathematik hatten. Beim ersten freiwilligen Durchgang, an dem sich 1 300 von unseren 2 500 Grundschulen beteiligt haben, war das so nicht zu erwarten. Deswegen habe ich auch in der vergangenen Woche schon gesagt: Wir schauen uns das sehr genau an und analysieren, woran es gelegen hat, und werden da auch entsprechend nachsteuern. ode – 112. Sitzung – Mittwoch, 18. Dezember 2024 Wichtig ist aber – auch das habe ich in der vergangenen Woche gesagt –: Für die Kinder hat das schlechte Abschneiden in Kompass 4 keine nachteiligen Auswirkungen. Denn natürlich gilt die Empfehlung der Lehrkräfte, und wenn die Klassenkonferenz oder die Lehrkraft das Gymnasium empfiehlt und die Eltern diese Schulart wählen möchten, hat der Kompass da keinen weiteren Einfluss. Für die Kinder ist die Empfehlung der Klassenkonferenz die weite Option. Wenn es dann aber sozusagen keine weitere Empfehlung vonseiten der Lehrkraft gibt, ist ein Potenzialtest, der im Februar geschrieben wird, eine weitere Option. (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) Klar ist aber auch: Es gibt – da darf man sich auch nicht verschließen; da kann man sozusagen auch nicht darüber hinweggehen; das muss uns allen auch ein Anliegen sein – Handlungsbedarf im Mathematikbereich. Die Kollegin Olschowski sagte: Das zieht sich hin bis zu den Universitäten. Es wird immer wieder sichtbar, dass Vorkurse gebraucht werden und wir uns das unter diesem Aspekt noch einmal anschauen müssen, ob wir im Bereich Mathematik noch zusätzliche Maßnahmen hineingeben müssen. Aber ich denke, die Defizite bei Kompass 4 gehen wir gezielt an und sind da sozusagen auch auf dem Weg. Dass wir eine Unruhe an den Schulen in unserem Land hatten, das tut mir für die Kinder, für die Eltern und auch für die Lehrkräfte leid, aber ich denke, wir steuern da entsprechend nach. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Dass wir hinsichtlich dessen, wie die entsprechenden Regelungen eingeschätzt werden, in einem Spannungsfeld sind, sieht man schon daran, dass wir zum einen von der Vielgliedrigkeit nicht genug haben könnten, wie es der Kollege Timm Kern hier sicherlich gleich noch einmal vertreten wird, dass sich jedoch zum anderen auch die Frage stellt, ob wir nicht zu einem Zweisäulenmodell kommen sollten. Da Sie sozusagen hineingeheimnissen, wären wir schon quasi straight ahead: Da sind wir, meine ich, auch bei dem, wie die politischen Positionen auseinanderliegen, sehr klar, deutlich und sichtbar. Wir haben in der Koalition – hier danke ich noch einmal herzlich den bildungspolitischen Sprechern, den Fraktionen und den Arbeitskreisen – insgesamt eine gute Unterstützung gefunden. Ich bin überzeugt, dass wir mit der Bildungsreform wirklich einen gelungenen Kompromiss auf den Weg bringen, um auf die aktuellen Herausforderungen im Bildungsbereich zu reagieren und für die Schülerinnen und Schüler einen guten Weg aufzuzeigen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Ich danke allen Lehrkräften an unseren Schulen, allen Beteiligten am Schulleben, unserer Schulverwaltung. Ich wünsche den Kindern und Eltern im Land frohe Weihnachten. Insgesamt wünsche ich Ihnen allen ein frohes Fest. Ich hoffe, dass Sie Zeit für all das haben, was für Sie jeweils am wichtigsten ist. Ich wünsche Ihnen ein gesundes neues Jahr – und herzlichen Dank, bis zum nächsten Jahr. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU)

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