landtag-bw.de ↗

Andreas Sturm

CDU 12.12.2024 Sitzungen 17/110

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kulturfreundinnen und Kulturfreunde! Es ist ein interessanter Titel, den sich die SPD ausgesucht hat: „Auf dem Weg zum Drama: Wie geht es weiter mit der Staatsoper?“ In jedem Drama gibt es nämlich einen Punkt, an dem es sich entscheidet, ob das Drama zur Tragödie wird oder eben nicht. (Unruhe) Genau an dieser Weggabelung (Beifall bei der CDU – Zuruf des Abg. Andreas Schwarz GRÜNE) steht der Landtag als Souverän im nächsten und im übernächsten Jahr mit wichtigen Entscheidungen. Wir seitens der CDU-Fraktion haben aber früh dafür gesorgt, dass in den verschiedenen Leistungsphasen der Landtag jederzeit Herr des Verfahrens ist. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Manuel Hagel CDU: Genau!) Damit wird auch deutlich, dass die heutige Debatte zum falschen Zeitpunkt kommt. Denn das von Ihnen geforderte Moratorium führt zu diesem Zeitpunkt letztlich zu nichts, außer zu Mehrkosten und zusätzlichem zeitlichen Verzug. (Abg. Manuel Hagel CDU: Genau!) Momentan wird ja nicht gebaut, sondern geprüft und geplant. Aktuell läuft ein sehr bewegender Kinofilm über den Ballettchoreografen John Cranko. Er kam im Jahr 1961 von London und hat das Stuttgarter Ballett innerhalb von zwölf Jahren an die Weltspitze geführt. Wer also die Essenz des Stuttgarter Staatstheaters verstehen will, muss entweder in den großartigen Littmann-Bau gehen oder diesen Kinofilm sehen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Zuruf des Abg. Andreas Schwarz GRÜNE) Warum spreche ich aber hier in dieser Situation über den großen Choreografen? John Crankos Genialität und seine Exzellenz waren gepaart mit einer übertriebenen Suche nach Perfektion. Meine Damen und Herren, diese Exzellenz und Perfektion brauchen wir nicht nur im Littmann-Bau auf der Bühne, sondern auch bei den handelnden Personen und Gremien, die die Sanierung planen und durchführen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Herr Kollege Rivoir hat die Situation dargelegt. Die Kostenschätzung aus dem Jahr 2019 beträgt 550 Millionen €, dazu ein Kostenpuffer und eine Inflationssteigerung. Das ergibt eine Summe von ungefähr 960 Millionen €. Aber klar ist: Es ist teurer geworden. Uns liegt aber keine Schätzung vor. Nun verzögert sich das Projekt um vier Jahre, und das ist alarmierend. Es gehört ja zur Arbeitsbeschreibung eines Parlamentariers dazu, dass er bei einer solchen Entwicklung alarmiert ist (Abg. Manuel Hagel CDU: Genau!) (Andreas Sturm) und verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgeht. Dafür hat uns die Bevölkerung ihr Vertrauen geschenkt, und dafür sind wir Haushaltsgesetzgeber. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Deshalb ist es richtig, dass die Projektgesellschaft vorgeschlagen hat, das Interimsprojekt auf Herz und Nieren zu prüfen und in einem halben Jahr in der Sommersitzung eine Einschätzung zu geben. Wir begrüßen dieses Vorgehen ausdrücklich; denn für uns ist klar: Wir brauchen verlässliche Zahlen, wir brauchen eine verlässliche Einschätzung, ob das Interimsprojekt so machbar ist. Auf dieser Grundlage können wir dann darüber diskutieren, wie es weitergeht, ob es auf dem vorgesehenen Weg weitergeht oder ob eben eine Alternative gewählt wird. Mein Appell lautet: Wir müssen hier bei einer Abstimmung im Landtag, die im nächsten und im übernächsten Jahr kommen wird, größtmögliche Sicherheit darüber haben, was auf uns zukommt. Kein „Augen zu und durch“, sondern eine Entscheidung mit Augenmaß. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Wenn man an die Stuttgarter Staatstheater denkt, möchte ich nicht, dass man automatisch ein Bild wie S 21 oder Milliardengrab vor Augen hat, sondern ein Bild wie „Schwanensee“, (Zurufe der Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE und Martin Rivoir SPD) Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ oder „Was ihr wollt“. Wir, die CDU-Fraktion, wollen Spitzenkultur. Wir wollen erstklassige Ensembles, erstklassige Gebäude, wir wollen aber auch die Fakten auf den Tisch, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können, die wir danach nicht bereuen. (Beifall bei der CDU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, John Cranko wäre nicht der geniale und legendäre Ballettchoreograf gewesen, wenn eine Inszenierung bei ihrer Premiere nicht zu 100 % durchdacht gewesen wäre. 100 % Perfektion! Wenn nämlich ein Balletttänzer eine Tänzerin in die Luft wirft und sie zu spät auffängt, dann liegt sie auf dem Boden. Eine Sekunde zu spät ist eben eine Sekunde zu spät. Genau das ist auch bei dem großen Wurf der Opernsanierung so. Wir müssen uns, wenn wir zum Wurf ansetzen, sicher sein, dass wir alles auch auffangen können. (Beifall bei der CDU) Bei den Gesprächen mit dem Intendanten war klar: Spielpläne werden drei Jahre im Voraus geplant. Wenn das Interim nicht rechtzeitig fertig werden würde, wäre das eine Katastrophe und ein Schlag für den Kulturstandort Baden-Württemberg. Solides Handwerk, das für John Cranko gilt, muss also genauso für das Finanzministerium, das Wissenschaftsministerium, die Stadt Stuttgart und die Projektgesellschaft gelten. Letztlich muss es genauso für uns, das Parlament als Haushaltsgesetzgeber, gelten. Wir erwarten deshalb von den verantwortlichen Personen keine freundliche Begleitung, sondern eine klare Steuerung im Sinne einer wirtschaftlich vertretbaren Lösung. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) e – 110. Sitzung – Donnerstag, 12. Dezember 2024 Lassen Sie uns also mehr John Cranko wagen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)

Alle Reden von Andreas Sturm Protokoll ↗