Matthias Miller
Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Künstliche Intelligenz in der Schule und als Nachhilfe-Tool produktiv nutzen“ ist der Titel des Antrags. Wir diskutieren ja über KI seit November 2022 sehr intensiv, auch hier im Haus. Der eine oder andere hat schon eine Rede gehalten, die durch ChatGPT programmiert war, andere haben Anträge gestellt, Kleine Anfragen, die durch ChatGPT programmiert waren, und auch im Bildungsausschuss haben wir uns darüber schon regelmäßig unterhalten. Deswegen freue ich mich, dass wir heute im Plenum zu diesem Thema sprechen. (Dr. Matthias Miller) Es geht heute um KI in der Schule, darum, welche Möglichkeiten KI in der Schule eröffnet. Das möchte ich einmal zum Anlass nehmen, hier auch die Leitplanken zu setzen, wie KI in der Schule eingesetzt werden kann. Im Antrag finden sich zahlreiche Beispiele, wie KI schon jetzt ganz konkret eingeführt wird. Wichtig ist aber auch: KI ist kein Allheilmittel. Die Schule hat nach wie vor die Aufgabe, mündige Bürger zu schulen. Bevor wir über KI nachdenken, ist wichtig: Lesen muss man können, Schreiben muss man können, Rechnen wäre auch nicht schlecht. (Vereinzelt Heiterkeit) Wenn man Deutsch sprechen kann, wäre das auch ganz gut. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) Das, was uns KI auch nicht abnehmen kann, ist eine Persönlichkeitsentwicklung. Das ist auch schon angeklungen. Wenn wir das humboldtsche Bildungsideal in den Blick nehmen, sollten wir nicht den Fehler begehen, es mit KI komplett zu negieren oder zu vergessen. Denn die KI nimmt uns das Denken nicht ab. Die baden-württembergischen Schülerinnen und Schüler – ich sehe einige hier oben auf der Tribüne – sollten nach wie vor kritisch hinterfragen können, ob Ergebnisse, die sie von KI oder ChatGPT bekommen, stimmen können oder nicht stimmen. Anderenfalls ist Manipulation Tür und Tor geöffnet. Wir haben ja gerade von Vulkanien gehört. Jetzt möchte ich einmal ein anderes Beispiel nehmen und in die Literatur gehen: Ozeanien bei George Orwells „1984“. Wir wollen nicht so etwas wie Ozeanien haben, wo von einer Diktatur vorgegeben wird, wie wir zu denken haben, und wo allen Bewohnern das Denken abgenommen wird. Diese Gefahr von KI müssen wir auch im Blick haben. Deswegen ist es Aufgabe der Schule, nach wie vor kritisches Denken zu fördern und einzufordern. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen sowie der Abg. Rüdiger Klos und Dr. Rainer Balzer AfD – Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Sehr richtig!) Es kommt darauf an, wie wir künstliche und menschliche Intelligenz klug kombinieren. Das heißt aber nicht, dass wir der KI kritisch gegenüberstehen würden. Gerade in Wissenschaft und Forschung ist sie enorm wichtig. Es gibt ganz aktuell ein Buch – das ist mir vor Kurzem in die Hände gefallen – mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und wissenschaftliches Arbeiten – ChatGPT & Co: Der Turbo für ein erfolgreiches Studium“. Wenn man das durchliest, kann man wahrscheinlich danach alles herausragend machen. Aber die Autoren Bucher, Holzweißig und Schwarzer sind alle drei Baden-Württemberger. Der Verlag, in dem es erschienen ist, ist sehr renommiert. Wir sind also auch in dieser Frage „Künstliche Intelligenz und Wissenschaft“ ganz vorn dran. Die Autoren sind alle drei Professoren der DHBW. Auch was Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung betrifft, sind wir in Baden-Württemberg führend. Unser Ziel muss es ode – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 sein – Ralf Nentwich hat es angesprochen –, die KI als Chance zu sehen, dass wir auch hier mit Blick auf die Wirtschaft die Nummer 1 werden. Wir haben Rahmenbedingungen, die einzigartig sind. Wir haben das Max-Planck-Institut for Intelligent Systems in Tübingen und Stuttgart. Wir haben den ersten Quantencomputer in Europa in Ehningen stehen – auch in Baden-Württemberg. Wir haben den Innovationspark KI in Heilbronn und mit der Dieter Schwarz Stiftung einen großen Förderer von künstlicher Intelligenz. All diese Facetten sind in Baden-Württemberg einzigartig und zeigen uns, dass wir auch in diesem Bereich führend werden können und führend werden müssen und hier – das ist gerade bei den Herausforderungen, die wir in der Automobilindustrie sehen – in der Zukunft ein wirtschaftliches Standbein haben werden. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Wir stellen uns also vor, dass die Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg nach wie vor kritisch denken – ich sehe auch, der eine oder andere schmunzelt; ich gehe auch davon aus, dass sie es machen –, aber genauso stellen wir uns vor, dass KI und Quantencomputing weitere wirtschaftliche Stützen in Baden-Württemberg sein können und sein müssen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und den Grünen)
