Dr. Hans-Ulrich Rülke
Herr Präsident, mei ne Damen und Herren! In der Tat, Herr Binder, es ist richtig: Wir haben die Frage hier inhaltlich diskutiert, und am heuti gen Tag geht es im Wesentlichen darum, ob jetzt ein Gutach ten eingeholt werden soll. Aber eines will ich schon richtig stellen: (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Sie sind nicht am Möbelhaus vorbeigefahren!) – Zu Ihnen komme ich schon noch, keine Sorge. (Vereinzelt Heiterkeit) Wir behaupten nicht, dass wir jetzt hier mit den 154 Abgeord neten in einem XXL-Landtag sitzen. Aber wenn die Progno se von Herrn Professor Behnke eintritt – er gehört nicht der FDP an, sondern den Grünen – (Zurufe von der SPD, u. a.: Stimmt!) und wir letztlich über 200 Abgeordnete in diesem Parlament haben, dann haben wir schon einen XXL-Landtag. Herr Deuschle, Sie haben prognostiziert: Wenn sich das Wahl ergebnis von 2016 wiederholt, wird das Parlament nicht grö ßer. Ja, aber nur unter der Voraussetzung, dass alle mit der Zweitstimme so abstimmen wie mit der Erststimme. (Abg. Andreas Deuschle CDU nickt. – Zuruf des Abg. Andreas Deuschle CDU) (Dr. Hans-Ulrich Rülke) Davon ist nicht auszugehen; denn wenn Sie die Möglichkeit schaffen, dass die Leute eine Zweitstimme bekommen, dür fen Sie auch damit rechnen, dass vom Stimmensplitting Ge brauch gemacht wird. Und genau das ist das Problem. (Beifall bei der FDP/DVP – Zurufe der Abg. Danie la Evers GRÜNE und Andreas Deuschle CDU) Jetzt zu Ihnen, Herr Lede Abal: So viel Unsinn, wie Sie am heutigen Tag erzählt haben, hat man in diesem Haus wirklich selten erlebt. (Abg. Daniel Lindenschmid AfD: Das ist doch jedes Mal, wenn er den Mund aufmacht! – Weitere Zuru fe) Die Behauptung, die FDP/DVP wolle ein reines Verhältnis wahlrecht, ist ja völlig abwegig, wenn 38 Abgeordnete direkt in Wahlkreisen gewählt werden sollen. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE schüttelt den Kopf.) Genauso wie bei der Bundestagswahl: Sie haben gesagt, wir wollten ein reines Verhältniswahlrecht und wir wollten die Di rektwahl abschaffen. Das waren Ihre Behauptungen. (Zuruf des Abg. Thomas Hentschel GRÜNE) Was für ein Unfug, Herr Lede Abal! (Beifall bei der FDP/DVP – Zuruf des Abg. Thomas Hentschel GRÜNE) Im Übrigen würde mich schon interessieren, ob die Grünen dann auch bereit sind, das Gutachten, das Sie einholen wol len, auf jeden Fall weiterzureichen. Denn die Beratungen im Ständigen Ausschuss lassen einen anderen Verdacht zu. Da haben Sie sich nämlich die Möglichkeit offengelassen nach dem Motto: Jetzt holen wir erst mal das Gutachten ein, und wenn dieses Gutachten dann unseren Erwartungen entspricht – das heißt, der Gutachter rät dazu, dieses Volksbegehren als verfassungswidrig zu betrachten –, dann wird es an das Ver fassungsgericht weitergereicht. Und wenn Ihnen das Gutach ten nicht passt, wollen Sie es kassieren. Das ist genau der Te nor dessen, was im Ständigen Ausschuss besprochen worden ist, und das zeigt genau, worum es eigentlich geht: panische Angst bei den Grünen vor Mandatsverlust angesichts jüngs ter Wahlergebnisse, beispielsweise bei der Europawahl, mei ne Damen und Herren. (Beifall bei der FDP/DVP – Vereinzelt Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Daniela Evers und Thomas Hentschel GRÜNE) Im Übrigen wird Ihnen das Ganze gar nichts helfen; (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Sie haben schon ein Minderheitenvotum angekündigt, ohne zu wis sen, was im Gutachten steht!) denn das Innenministerium hat ja ein anderes Volksbegehren zugelassen, und das andere Volksbegehren startet im August. Wenn dieses Volksbegehren Erfolg hat – ganz unabhängig von irgendwelchen Gutachten, die Sie einholen –, dann wird die Bevölkerung die Zahl der Wahlkreise auf 38 begrenzen. Das hat das Innenministerium zugelassen, und darüber wird die eriode – 102. Sitzung – Donnerstag, 18. Juli 2024 Bevölkerung entscheiden. Es hilft Ihnen also gar nicht viel, jetzt diesen Zinnober zu veranstalten. Herzlichen Dank. (Beifall bei der FDP/DVP)
