Andreas Sturm
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Fulst-Blei, vielen Dank, dass Sie diesen Antrag im Plenum behandeln lassen. Das gibt uns die Möglichkeit, einige Behauptungen richtigzustellen. Erfreulich ist z. B., dass trotz der Schwierigkeiten im Schuljahr 2023/2024 im Vergleich mit dem Schuljahr 2019/2020 – der Kollege hat es schon in Prozentzahlen ausgedrückt; ich nenne die absoluten Zahlen – 4 428 Lehrkräfte mehr in baden-württembergischen Schulen im Schuldienst zur Verfügung stehen. Ein Beispiel, wie auch Ihre politischen Botschaften wirken, haben Sie selbst genannt, und zwar hinsichtlich der sonderpädagogischen Lehrkräfte. An den SBBZ arbeiten speziell ausgebildete Lehrkräfte auf dem modernsten Stand der Sonderpädagogik. Es gibt Kinder mit Einschränkungen, die sich am besten in diesem Umfeld entwickeln können. Nun gibt es Studieninteressierte, die während des Studiums planen, entweder als Lehrkraft in der Sekundarstufe I zu unterrichten oder nach einer speziellen Ausbildung als Sonderpädagoge oder Sonderpädagogin an einem SBBZ zu arbeiten. Wenn aber nun bei allen möglichen Veranstaltungen die Existenz der SBBZ infrage gestellt wird, dann wundert es nicht, dass sich junge Menschen vielleicht überlegen, etwas anderes zu machen. Deswegen sollte man auch zu diesen Schularten stehen und sagen: „Jawohl, wir brauchen Sonderpädagogik, und wir brauchen Schulen, in denen das vermittelt wird.“ (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP – Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Richtig! Sehr richtig!) Das Gleiche gilt übrigens auch für Haupt- und Werkrealschulen. Dort gibt es Kinder mit besonderen sozialpädagogischen Herausforderungen. Lehrkräfte widmen sich diesen Kindern mit viel Engagement, Herzblut, und auch das Klassenlehrerprinzip ist eine Antwort auf das Bedürfnis nach klarer Struktur und starker persönlicher Bildung. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Wir stellen diese Schulart deswegen weder infrage, noch reden wir das Engagement aller am Schulleben beteiligten Akteure politisch schlecht. Es ist aller Ehren wert, dass es gelingt, die Schüler zu fördern, und diese dann auch bessere Startvoraussetzungen haben. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Die SPD hat vollkommen recht, dass es Probleme bei der Lehrerbedarfsprognose gibt. Es gibt da Differenzen, aber nicht immer stimmen die Aussagen mit der tatsächlichen Situation vor Ort überein. Der Grund ist einfach: Es gibt starke regionale Unterschiede, sehr unvorhersehbare und kurzfristige Bedarfe, z. B. infolge des Ukrainekriegs, sowie den aktuellen Fachkräftemangel, der dazu führt, dass Lehramtsstudierende oder Referendare auch zahlreiche andere Karrieremöglichkeiten haben. riode – 101. Sitzung – Mittwoch, 17. Juli 2024 Es freut mich aber, dass die Kultusministerkonferenz und auch das Land Baden-Württemberg dringend notwendige Maßnahmen in die Wege geleitet haben. Dazu gehören ein leichterer Direkteinstieg, eine schnellere, pragmatischere und unbürokratischere Anerkennung von Abschlüssen aus dem Ausland und Ein-Fach-Lehrkräfte.
