Dr. Timm Kern
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch von meiner Seite natürlich zunächst einen Dank an die CDU-Fraktion, die dieses wichtige Thema für die heutige Aktuelle Debatte eingebracht hat. Sport ist – das sieht man nicht erst seit Beginn der diesjährigen Fußballeuropameisterschaft der Herren – ein ganz wesentlicher, ja unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Man könnte fast sagen: Sport ist ein Brückenbauer zwischen den Menschen. Sport vermag sogar dort zu wirken, wo man es zunächst vielleicht eher weniger vermutet. So nutzt z. B. auch das Auswärtige Amt den Sport als diplomatisches Instrument: Er vermag dort Brücken zu bauen, wo man mit herkömmlicher Kommunikation und Diplomatie nicht weiterkommt. Nun aber zum Sport in Baden-Württemberg: Ist das Sportland Baden-Württemberg wirklich „stark in der Spitze und spitze in der Breite“? Und wenn es so ist: Ist unser Land dies wegen oder trotz der Arbeit der grün geführten Landesregierung? Entscheidend ist heute folgende Frage: Woran mangelt es im Sportbereich in Baden-Württemberg? Wenn man die Redner von Grünen und CDU so hört, könnte man meinen, es laufe alles super und rund. Man lobt sich und die eigene Landesregierung, klopft sich gegenseitig auf die (Dr. Timm Kern) Schulter, und alle sind glücklich. Aber ist dem denn wirklich so? In einem Punkt sind wir uns sicher alle einig: Großer Dank gebührt zunächst einmal allen Ehren- und Hauptamtlichen im Bereich des Sports. Ohne sie, ohne die vielen Vereine, ohne die Verbände wäre der Sport in Baden-Württemberg in der Spitze und in der Breite niemals möglich. Es ist schon mehrmals angesprochen worden: 70 Sportlerinnen und Sportler aus Baden-Württemberg sind für die Olympischen und Paralympischen Spiele qualifiziert. Das zeigt, wie erfolgreich die Arbeit aller Aktiven in den Vereinen ist. (Beifall bei der FDP/DVP – Vereinzelt Beifall bei den Grünen und der CDU) Allein schon deshalb muss es doch Ziel für uns Politikerinnen und Politiker im Landtag von Baden-Württemberg sein, unser Bestmögliches zu geben, um genau diese Akteurinnen und Akteure im Bereich des Sports angemessen zu unterstützen und zu fördern. Ganz aktuell aber fragen sich viele Vereine, wie es im Zuge der Hochwasserkatastrophe der vergangenen Wochen weitergehen soll. Oftmals ließ das Wasser nur Schlamm und Zerstörungen zurück. Angesichts dieser Schäden bleibt doch die Frage, wie man das alles wieder richten soll. Wer soll das alles jemals bezahlen können? Hier erwarten ich und die Sportler im Land von der grün geführten Landesregierung ein deutliches Signal der Rückendeckung für die betroffenen Vereine und Sportstätten. Denn viele Vereine haben noch mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen, und die Hochwasserkatastrophe bringt manche Vereine nun an den Rand ihrer Existenz. Deshalb unsere Forderung an Grün-Schwarz: Nicht nur über Sport reden und sich gegenseitig selbst loben, sondern handeln, und zwar ganz konkret, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Oder Sport ma- chen!) Aber auch bei einem anderen Thema lässt Grün-Schwarz die Vereine derzeit im Dunkeln und lässt sie zappeln, nämlich bei der Miteinbeziehung des Vereinssports im Zuge des Ganztagsanspruchs an Grundschulen, beginnend ab dem Schuljahr 2026/2027. Noch immer ist völlig unklar, welche Rolle die Vereine hier spielen sollen und wie es mit den rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen aussieht. So jedenfalls stellen wir von der FDP uns einen angemessenen und respektvollen Umgang mit den Sportvereinen nicht vor. Die Vereine könnten hier mehr leisten, und sie wollen auch mehr leisten. Deshalb muss die grün-schwarze Landesregierung das Engagement der Sportvereine entsprechend wertschätzen und beim Thema „Einbindung in die Ganztagsbetreuung an Grundschulen“ endlich klären, was gilt, und so für Planungssicherheit sorgen. (Zuruf der Abg. Petra Häffner GRÜNE) Auch beim Thema Spitzensport – – Ja, liebe Kollegin, Sie sind dabei. Aber seit wann wissen Sie schon, dass das Thema auf der Tagesordnung stehen muss? Im Sport versucht man ja, periode – 98. Sitzung – Mittwoch, 19. Juni 2024 möglichst schnell voranzukommen. Da können Sie sich noch ein bisschen mehr beeilen. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) Auch beim Thema Spitzensport bräuchte es klare Worte der Landesregierung. Vor knapp zwei Monaten hat die Stadt Karlsruhe den Zuschlag für die World Games 2029 bekommen. Das ist ein großartiges Ereignis, von dem das Land Baden-Württemberg, die Bürgerinnen und Bürger im Land sowie die Sportvereine hierzulande profitieren können. Hier wünschen sich die Verantwortlichen eine klare Aussage seitens der Landesregierung, was die finanzielle Beteiligung im Zuge der Vorbereitung und der Austragung der World Games 2029 anbelangt. Liebe Kolleginnen und Kollegen von Grün-Schwarz, nicht nur Aktuelle Debatten beantragen und führen, sondern, noch wichtiger: Themen des Sports anpacken, Lösungen finden und durchführen; denn der Sport selbst findet ständig flexible Lösungen! Nehmen Sie nur einmal das überragende Thema Integration: Ich glaube, die Sportvereine in Baden-Württemberg haben in dieser Frage mehr geleistet, als es eine Landesregierung je könnte. (Zuruf des Abg. Raimund Haser CDU) Das Engagement für die Integration durch den Sport geht natürlich weit über den sichtbaren Teil hinaus. So hat der Landessportverband Baden-Württemberg nicht zuletzt im Rahmen des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ zahlreiche interkulturelle Bildungs- und Qualifizierungsangebote, Anlaufstellen für Beratungen oder weitere Hilfen zur Vereinsentwicklung auf die Beine gestellt. Das ist eine großartige, fantastische Arbeit, und ich finde, die Sportlerinnen und Sportler haben es verdient, dass für sie auch auf der politischen Seite entsprechend professionell gehandelt wird, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) Zu guter Letzt möchte ich noch auf ein Thema aufmerksam machen, das mir und meiner Fraktion ebenfalls sehr am Herzen liegt – es ist heute auch schon angesprochen worden –: Noch immer können viel zu viele Kinder nicht richtig schwimmen. (Abg. Gabriele Rolland SPD: So ist es!) Zwar scheint sich die Lage nach Corona ganz leicht verbessert zu haben, doch nach wie vor können laut der Stellungnahme zu einem Antrag, den mein Kollege Dennis Birnstock gestellt hat, rund ein Drittel aller Kinder nicht richtig schwimmen – was nachvollziehbarerweise mitunter dramatische Folgen haben kann. Wir, die Bildungspolitiker, dürfen uns damit nicht zufrieden geben. Hier muss gehandelt werden. Es braucht aus Sicht der FDP wesentlich mehr Schwimmunterricht an den Schulen. Hierzu muss die Zahl der qualifizierten Sportlehrkräfte erhöht bzw. müssen bestehende Defizite baldmöglichst ausgeglichen werden. Außerdem müssen wir die Vereine, beispielsweise die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, einbinden, die auf diesem Gebiet echte Profis sind. (Dr. Timm Kern) Klar ist aber auch: Ohne Schwimmflächen nutzen auch das beste Personal und der beste Wille nichts. Seit Jahren findet ein Bädersterben in Baden-Württemberg statt. Die finanziell häufig angespannte Situation macht es vielen Trägern immer schwerer, ihre Bäder am Leben zu erhalten. Dabei sind Schwimmbäder nicht nur Übungsflächen für Schwimmkurse, sie sind auch für die anschließende Erhaltung der Schwimmfähigkeit von existenziellem Wert. Hier fordern wir Freien Demokraten erneut einen Aktionsplan der Landesregierung, der eine echte Unterstützung für die Träger von Schwimmbädern beinhaltet. Aus unserer Sicht ist es von Interesse, auch des Landes, dass es überall im Land in zumutbarer Entfernung eine Schwimmfläche gibt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe nur einige wenige Beispiele genannt, wo in Baden-Württemberg durchaus noch Luft nach oben ist, was die landesseitige Sportförderung anbelangt. Die Überschrift der Aktuellen Debatte ist ein Zielbild, und wir Freien Demokraten haben hier klare Vorschläge, wie wir auch tatsächlich dorthin gelangen können. Denn nicht das Erzählte reicht, liebe Kolleginnen und Kollegen der Koalition, sondern nur das Erreichte zählt. (Beifall bei der FDP/DVP) Nehmen Sie unsere Vorschläge auf, und handeln Sie, damit die Überschrift dieser Aktuellen Debatte „Sportland Baden-Württemberg – stark in der Spitze und spitze in der Breite“ nicht irgendwann verfällt – mit schwerwiegenden Folgen für das ganze Land. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Landesregierung, Sie haben es in der Hand. Handeln Sie, und zwar jetzt und nicht erst morgen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der FDP/DVP)
