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Klaus Ranger

SPD 19.06.2024 Sitzungen 17/98

Danke, Herr Fraktionsvorsitzender, für die Aufmerksamkeit. Aber diese Spitzensportler gehen nebenher ihrem Beruf, ihrer Ausbildung oder einem Studium nach. Das ist mit sehr, sehr großen Einschränkungen und hohem eigenen Organisationsaufwand verbunden. Wir haben es schon vom Kollegen Hailfinger gehört: Über 70 Athletinnen und Athleten aus Baden-Württemberg werden in ein paar Wochen in Paris bei den Olympischen und Paralympischen Spielen an den Start gehen. Ihnen wünsche ich alles, alles Gute, dass sie verletzungsfrei bleiben, ihre Leistungen, die sie sich vorgenommen haben, erbringen und natürlich auch ihre Auszeichnungen und Medaillen erhalten, über die auch wir uns dann freuen werden. (Beifall bei der SPD sowie Abgeordneten der Grü- nen, der CDU und der FDP/DVP) Thema „World Games“: 2029 haben wir sie in Karlsruhe. Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup und sein Sportbürgermeister Martin Lenz, ehemals Vorsitzender des Badischen Sportbunds Nord, haben diese Spiele nach Karlsruhe geholt. Das ist für unser Land Baden-Württemberg wieder eine riesige Chance, sich international mit Spitzensport positiv periode – 98. Sitzung – Mittwoch, 19. Juni 2024 zu präsentieren. Aber es ist dringend auch das Bekenntnis der Landesregierung notwendig, dass hier die Finanzierung sichergestellt wird. Es darf nicht gewartet werden, bis der Bund zugesagt hat. Bitte geben Sie den Veranstaltern diese Sicherheit, damit sie entsprechend planen können. (Beifall bei der SPD) Der Spitzensport braucht also auch Spitzenförderung, um eine Chance auf Erfolg zu haben. Das ist bei uns im Land – wir haben Ausführungen dazu gehört; ich sehe manches ein bisschen anders – nicht immer so gegeben. Die Strukturen in unserem Landessportverband sind unterfinanziert. Oft sind es die kleinen Zufälle, durch die Talente entdeckt und entsprechend gefördert werden. Wenn wir Glück haben, ist es ein aufmerksamer Sportlehrer oder eine aufmerksame Sportlehrerin an der Schule, der oder die zufällig auch Trainer oder Trainerin im Verein oder gar Honorartrainer oder Honorartrainerin im Landessportverband bzw. in einem Sportfachverband ist. Daher können wir also auch hier noch mehr tun. Nun einen Schwenk zum Breitensport: Es gibt den Spruch „Ohne Spitzensport gibt es keinen entsprechenden Breitensport, und umgekehrt: Ohne guten Breitensport finden wir keine Spitze.“ Das ist eine alte Weisheit – aber mit gescheitem Breitensport haben wir die Chance, mehr Talente zu finden, und können uns später über die Entwicklung freuen. Was ganz wichtig für unsere Gesellschaft ist: Die Kinder und Jugendlichen brauchen Vorbilder aus dem Leistungssport. Diesen können und wollen sie unbedingt nacheifern. Egal, ob im Fußball, ob in der Leichtathletik, ob beim Schwimmen: Das sieht man überall bei den Kinder- und Jugendwettkämpfen. Die Vorbilder sind einfach da. Ich habe noch das Bild vom Spiel vorgestern im Kopf, als die Einlaufkinder um Mbappé gestanden sind und stolz wie Bolle waren, als er ihnen noch direkt vor dem Spiel die Trikots und T-Shirts mit einem Edding signiert hat. Die waren einfach die Kings. Sie haben gestrahlt – unglaublich. Das war toll. Der Breitensport in Baden-Württemberg hat nach Corona wieder einen unheimlichen Aufschwung erlebt. Der Kollege Hailfinger hat die Zahlen schon genannt; gestern kam dazu auch die Pressemeldung vom Landessportverband heraus. Für mich waren vor allem die beiden Zahlen im Kinder- und Jugendbereich beeindruckend: Null- bis Zweijährige plus 15,59 %, Drei- bis Sechsjährige plus 10,09 %. Das ist ein unheimlich tolles Ergebnis, das die Sportvereine hier erzielt haben. Es ist zum Teil das Ergebnis einer gewissen Professionalisierung – Ballschulen, Fußballschulen. Man hat aber auch den Ball aufgenommen – um im Bild zu bleiben –, den Schwung, den z. B. der Basketball nach der gewonnenen Weltmeisterschaft genommen hat, um neue Formate zu bringen. Das haben die Vereine toll gemacht. Da kann man nur gratulieren. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Ebenso sind die Kletterhallen vom DAV unheimliche Magnete. Diese boomen ohne Ende. Auch hier werden die Kinder und Jugendlichen wunderbar angeleitet. Es ist für unsere Sportvereine toll und wichtig, wieder einen solchen Zulauf zu haben. Aber dieser Zulauf muss von unse- (Klaus Ranger) ren Vereinen auch personell und räumlich bewältigt werden. Es braucht dringend neue, zusätzliche Sportflächen – in der Halle und im Freien. Das kostet die Vereine und die Kommunen hohe Summen – zunächst für den Bau und später auch im Unterhalt. Das muss finanziert sein. Das können die Vereine nicht allein leisten. Da brauchen sie die Unterstützung vom Land. Kollege Hailfinger, ich habe sehr wohl gehört: zwei Mal 20 Millionen € für Lehrschwimmbecken. Da bin ich voll bei Ihnen. Als ehemaliger Schwimmer bin ich da dabei. Lassen Sie es uns angehen! (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der CDU) Was brauchen wir noch? Es braucht dringend zusätzliche neue Übungsleiterinnen und Übungsleiter in den Vereinen. Denn die Vereine platzen aus allen Nähten und haben zwischenzeitlich schon Wartelisten. Es kann nicht sein, dass ein Kind, das mit zwei Jahren in einen Verein will, warten muss, bis es dreieinhalb ist. Das können wir uns nicht leisten. Wir müssen sie versorgen. Hier sind die Sportverbände wieder gefordert, den Vereinen die notwendigen Aus- und Fortbildungsangebote zur Verfügung zu stellen. Aber auch hier merkt man, wenn man aus dem Sportverband kommt: Die Landessportschulen stoßen da mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenzen. Es geht zum Teil gar nicht mehr. Denn ich kann nicht einfach plötzlich 50 statt 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einen kleinen Schulungssaal stecken. Warum beruht der Breitensport zum größten Teil auf ehrenamtlich erbrachter Arbeit? Diese ist wichtig für unsere Vereine. Sie ist wichtig für unsere Demokratie. Hier, im Plenarsaal, diskutieren wir oft über Beteiligungsformate und über die Resilienz gegenüber extremistischen Gedanken in unserer Bevölkerung. Unsere Sportvereine sind mit einem Organisationsgrad von 37 % der Menschen in Baden-Württemberg ein großer Teil dieser Lösung. Die Mitglieder in den Sportvereinen müssen wir dafür begeistern – sie sind auch dabei –, bei der Demokratie mitzumachen. Hier lernen die Kinder und Jugendlichen schon von klein auf die positiven Tugenden Toleranz, Fairness, den Umgang mit gemeinsamer Freude und gemeinsamem Frust, wenn man verloren hat. Unsere Vereine sind die Wiege unserer Demokratie, in der auch die Themen Integration und Inklusion ganz einfach gelebt werden – ohne Wenn und Aber. (Beifall bei der SPD – Vereinzelt Beifall bei den Grü- nen und der CDU) Wie kommt das zustande? Das sind die Vorbilder aus dem Spitzensport, wie ich es vorhin schon gesagt habe. Es sind aber vor allem auch die Vorbilder in Gestalt von Trainerinnen und Trainern, die den Kindern das vorleben und diese Werte natürlich auch entsprechend vermitteln. Deswegen sind Kooperationen mit anderen Partnern aus unserer Zivilgesellschaft für die Sportvereine in unserem Land so wichtig. Es boomen nämlich die Kooperationen mit Kindergärten und Schulen. Das Ministerium ist in diesem Bereich, was die Zusammenarbeit und die Einbindung der Sportvereine ab 2026 in den riode – 98. Sitzung – Mittwoch, 19. Juni 2024 künftigen Ganztag an den Grundschulen betrifft, meiner Meinung nach noch etwas zögerlich unterwegs. Ich habe es hier schon öfter angemahnt: Die Vereine und Verbände benötigen zügig verbindliche Zusagen über Inhalte, Zulassungsvoraussetzungen und auch über die Finanzierung. Das ist die Aufgabe der Landesregierung und nicht der Kommunen. (Beifall bei der SPD) Ein halbes Jahr vor Beginn des neuen Schuljahrs ist es zu spät für die Vereine, diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch zu suchen, zu finden und ordentlich zu schulen. Diese anspruchsvolle Aufgabe muss gescheit finanziert und rechtzeitig angegangen werden. Liebe Frau Ministerin Schopper, der neue Doppelhaushalt steht an. Da muss in diesem Bereich Geld in die Hand genommen werden, das wir dringend brauchen. Auch der Solidarpakt wurde schon angesprochen. Es ist notwendig, diesen im kommenden Jahr rechtzeitig vor der nächsten Landtagswahl zu verhandeln – bitte nicht erst wieder knapp vor dem Wahltermin. Der Solidarpakt muss aufgestockt werden; da stimme ich dem Kollegen zu. Wenn Sie dazu etwas vorlegen, haben Sie die Zustimmung der SPD-Fraktion. Wir reichen gern auch eigene Anträge ein und hoffen dabei auf Ihre Zustimmung – im Interesse und zur Unterstützung der Sportvereine in unserem Land. Vergeben wir nicht diese große Chance für das Land, für unseren vielfältigen Sport und für die Sportvereine. Herzlichen Dank Ihnen allen. (Anhaltender Beifall bei der SPD – Beifall der Abg. Swantje Sperling GRÜNE sowie Konrad Epple und Manuel Hailfinger CDU)

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