Dr. Boris Weirauch
Sie hatten Ihre Redezeit. Sie haben hier doch alles gesagt. Es ist doch Ihre Debatte. Deshalb ist das Projekt in Haru Oni zwar von großer Bedeutung für die Entwicklung der E-Fuels-Technologie, mitnichten aber ein Startschuss für die Anwendung auf breiter Front. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Doch!) Punkt 2: Verfügbarkeit und Priorisierung. Die regenerativen Energien, die für die Herstellung von E-Fuels in großer Menge benötigt würden, werden an anderer Stelle dringender gebraucht. In Baden-Württemberg wurde erst kürzlich durch das Umweltministerium ermittelt, welche Bedarfe die Unternehmen im Land haben. (Zurufe der Abg. Thomas Dörflinger CDU und Dr. Uwe Hellstern AfD) Ergebnis ist, dass zwischen 2025 und 2040 doppelt so viel Wasserstoff benötigt wird, wie es eine Abfrage von vor zwei Jahren ergab. 2040 liegen wir schon bei 91 TWh. Es geht ja nicht um den Primärenergiebedarf. Insbesondere die chemisch-pharmazeutische Industrie, eine Schlüsselindustrie in Baden-Württemberg, benötigt die Wasserstoffderivate als Grundstoff in der Produktion, und sie ist gar nicht in der Lage, diese anderweitig zu substituieren. (Abg. Thomas Hentschel GRÜNE: Sehr richtig! – Zuruf des Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD) Die FDP muss sich schon die Frage gefallen lassen, ob sie der Industrie den dringend benötigten grünen Wasserstoff bzw. die Wasserstoffderivate verwehren will, weil sie diese lieber als synthetischen Kraftstoff auf der Autobahn verfackeln will. Punkt 3: Kosten. Wir müssen auch über die avisierten Marktpreise der E-Fuels sprechen. Eine Fraunhofer-Publikation zum Thema hat ergeben, dass die großflächige Nutzung von E-Fuels insbesondere in privaten Kraftfahrzeugen ökonomisch nicht zielführend ist. Fraunhofer legt dar, dass Studien bezüglich der E-Fuels-Kosten auch nach Erreichen von allen signifikanten Kostensenkungspotenzialen für 2050 noch von einem Literpreis von bis zu 3,60 € ausgehen, und zwar zuzüglich Kosten für Steuern, Abgaben, Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Gewinnmargen. eriode – 91. Sitzung – Mittwoch, 10. April 2024 Manch einer kann gern auch noch bei einem Literpreis von 5 € aufwärts seinen Porsche 911 betanken; aber dass die Volksmassen zu diesen Konditionen zu den Zapfsäulen pilgern, wird eine Illusion bleiben. Unser Fazit lautet also: Anstatt immer weiter Nebelkerzen rund um den Verbrennungsmotor zu werfen, kommt es entscheidend darauf an, die Unternehmen im Land in der Transformation zu begleiten, die Rahmenbedingungen verlässlich zu halten und sie so anzupassen, dass der Industriestandort Baden-Württemberg stark bleibt. Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Unternehmen mit Hunderttausenden gut ausgebildeten und fleißigen Facharbeitskräften die besten Voraussetzungen bieten. Dazu braucht es aber keine Scheindiskussion um den Siegeszug von E-Fuels und zur Rettung von Verbrennungsmotoren. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Anhaltender Beifall bei der SPD – Beifall bei Abge- ordneten der Grünen)
