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Andreas Sturm

CDU 07.03.2024 Sitzungen 17/90

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kulturfreundinnen und Kulturfreunde! Auch Kultureinrichtungen müssen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch gerade die Kultureinrichtungen haben sich in der Vergangenheit schon durch Ressourceneinsparung um Nachhaltigkeit bemüht und sollen nun moderne Tools dafür bekommen; das ist sinnvoll. Eine Sammlung von Best-Practice-Beispielen für Nachhaltigkeitsstrategien im Kunstbetrieb ist deshalb der richtige Weg. Es kommt aber auch darauf an, was man unter Green Culture versteht. Wenn ich die landesweite und bundesweite Berichterstattung und Kommentierung lese, möchte ich deshalb vier Punkte akzentuieren, insbesondere zur Entwicklung außerhalb von Baden-Württemberg. Erstens: Wir unterstützen einen ökologisch nachhaltigen Kulturbetrieb und gehen davon aus, dass die Kulturschaffenden das hier in Baden-Württemberg schon erledigen. (Vereinzelt Beifall bei der CDU) Das Zeitalter der großen Kunstmäzene ist vorbei. Das heißt, Kunst- und Kultureinrichtungen müssen – dies von jeher – auf ihre Kosten achten, sie müssen sparsam sein. Gerade die Kulturschaffenden sind es ja, die Kostüme mehrfach verwenden und die schauen, dass sie eine Anschlussverwendung für ihre Kulissen finden. Zweitens: Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Green Culture nicht zu einer übertriebenen Regulierung führt. Deswegen bin ich dem Kollegen Köhler dankbar, dass er es erwähnt hat: Es geht hier um Empfehlungen für den Kulturbereich. Denn die Regulation künstlerischer Freiheit lehnen wir ab. Die Kunstfreiheit ist ein hohes Gut. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Wie schmal der Grat sein kann, zeigt auch die Antwort zu Frage 1. Da werden Kultureinrichtungen als „Multiplikatoren zur Gestaltung der Transformation für mehr ökologische Nachhaltigkeit“ identifiziert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Künstlerinnen und Künstler nehmen von jeher gesellschaftliche Diskurse auf und verhandeln sie in ihren Werken. Im Übrigen bedeutet Kunstfreiheit hier auch, dass beispielsweise staatliche Kunststipendien und Förderungen thematisch nicht zu eng gefasst werden. Im Hinblick auf die Kommentierung außerhalb von Baden-Württemberg möchte ich deutlich sagen: Der CO -Fußabdruck darf nicht das wichtigste Kriterium für Kunst sein. Bei all den CO -Rechnungen für Kultureinrichtungen ist mir eine Botschaft wichtig: Kunst lässt sich nicht immer ausrechnen. Beispielsweise ist es bei den Württembergischen Staatstheatern so, dass 60 % des CO -Ausstoßes auf den Publikumsverkehr zurückzuführen sind. Das heißt, Kunsteinrichtungen, die eine Strahlkraft haben, die Leuchttürme der Kunst sind, haben eben auch einen größeren Publikumsradius. Das darf nicht zum Nachteil geraten. Es wurde in Frage 6 dargestellt, dass es mittlerweile Konzerte mit Hologrammen gibt. Das ist sicher für den Einzelfall ganz gut, aber Corona hat uns ja gelehrt, dass nichts über das persönliche Erleben von Kunst geht. Kunst kann eben nicht (Andreas Sturm) wie die Wissenschaft durch eine Effizienzsteigerung in der Produktion diese Effizienz erreichen. Drittens: Wir sind stolz, dass die baden-württembergischen Ensembles weltweit Auftritte absolvieren. Für das internationale Renommee ist es wichtig, dass unsere Ensembles auch reisen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Viertens – jetzt werden die Finanzpolitiker unter uns wohl einen Schwächeanfall bekommen –: Kunst war noch nie der Sparsamkeit verpflichtet. (Lachen bei Abgeordneten der SPD) Kunst ist in den Augen mancher Verschwendung; manche sehen Kunst sogar als unnütz. Aber gerade deshalb ist Kunst so wichtig. Kunst greift gesellschaftliche Themen auf, Kunst verhandelt gesellschaftliche Einstellungen, verliert aber ihre Ästhetik, wenn sie politisch vereinnahmt wird. Ich bin deshalb dafür – wie auch schon im Staatstheater geschehen –: LEDs statt Lampen, PV statt „pollution“, Wärmerückgewinnung statt zu warmer Säle. Aber Kunst muss auch Kunst bleiben dürfen, ohne ein vorgefertigtes Schema, mit all ihren Unkalkulierbarkeiten. Green Culture ist deswegen eine wichtige Hilfestellung als Unterstützung, als Empfehlung, nicht aber – wie es der Kollege Köhler auch gesagt hat – als Regulierung und Zwang. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und den Grünen)

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