Dr. Stefan Fulst-Blei
Vielen Dank. – Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, Heino hat mal gesagt: „Lieber schlechte Publicity als keine Publicity.“ Unter diesem Gesichtspunkt könnten Sie recht haben, Kollege Hailfinger. (Beifall bei der SPD und des Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP) Ich muss ganz ehrlich sagen: Es ist ja schön, dass wir uns hier im Hause mittlerweile einig sind, dass diese Plakatkampagne ein ziemlicher Griff ins ... – na ja – war. (Abg. Andreas Stoch SPD: „Klo“ darf man sagen!) Dass es in der Tat auch Menschen verletzt hat, war jetzt, glaube ich, wirklich deutlich geworden. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich wollte heute auch gar nicht so viel dazu sagen. Aber vielleicht einfach mal eines vorneweg: Wissen Sie, was die beste Werbung für einen Arbeitgeber ist? Verlässlichkeit und Respekt. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der FDP/DVP – Abg. Andreas Stoch SPD: So ist es!) Das ist die beste Werbung für einen Arbeitgeber. Denn was würde sich ein junger Mensch oder ein Seiteneinsteiger hinsichtlich der Berufsorientierung überlegen? Junge Menschen würden sich gerade in der heutigen Zeit, in der sie genug Angebote auf dem Arbeitsmarkt haben, einfach einen wertschätzenden Umgang wünschen, und sie möchten auch Perspektiven haben. Da rede ich über A 13 für Grundschullehrkräfte, da rede ich übrigens auch über eine bessere Begleitung in den Bereichen Studium und Evaluation. Sie negieren ja immer unsere Frage: Warum evaluiert ihr eigentlich nicht, warum die jungen Menschen abbrechen? Da kommt von Ihnen viel zu wenig. Das wäre mal eine Maßnahme, bei der man nachbessern könnte. Es wäre aus meiner Sicht auch besser, diese 200 000 € in eine Studie zu investieren anstatt in eine Plakatkampagne. Sie sagen, Sie hätten dadurch super Klickzahlen. Beweisen Sie mir doch aber mal, wie viele von diesen super Klickzahlen vielleicht nur aus Neugierde zustande gekommen sind. Vielleicht können Sie sich dann auch bei uns bedanken. Wir sind ja sozusagen Teil der Aufregung gewesen. Aber wie viele sind denn tatsächlich am Ende hängen geblieben? Ich glaube, das Geld wäre besser investiert in eine konkrete Evaluation der de – 84. Sitzung – Donnerstag, 21. Dezember 2023 Abbruchgründe bei Referendarinnen und Referendaren. Das wäre seriöser als das, was Sie da auf den Weg gebracht haben. (Beifall bei der SPD und des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP – Zuruf von der SPD: Richtig!) Es ist ja Weihnachten: Was war positiv? Die schnelle Reaktion, mit der man das Plakat geändert hat. Erlauben Sie mir die Randbemerkung zur Weihnachtszeit: Diese Reaktionszeit wünsche ich mir dann auch beim Thema G-8/G-9-Wahlfreiheit. Und liebe Kollegen der FDP/DVP, ich frage mich, ob das Sinn macht, per Landtagsbeschluss die Regierung aufzufordern, sich zu entschuldigen. Jetzt mal ganz ehrlich: Wer soll denn so eine Entschuldigung ernst nehmen? (Heiterkeit und Beifall bei der SPD) Eine Sache muss ich allerdings auch noch mal kritisch in Richtung FDP/DVP sagen: Es geht mir echt auf den Senkel – wenn ich das mal so formulieren darf –, dass ihr ausgerechnet in so einer Anfrage auch gleichzeitig noch mal den Gemeinschaftsschulen eine mitgebt. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Wieso denn?) Warum muss man da noch eine Frage über einen Werbefilm bei den Gemeinschaftsschulen einbauen? (Zurufe der Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP und Da- niel Lede Abal GRÜNE) Entschuldigung! Wissen Sie, Kollege Kern und Kolleginnen und Kollegen von der FDP/DVP, da sollten Sie dann aber bitte nicht wieder vor den nächsten Wahlen in den Gemeinschaftsschulen auf gut Wetter machen. Dann lieber mal ehrlich sagen, ihr seid gegen diese Schulart. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Unsinn! Unsinn!) Ich fand es an dieser Stelle wirklich völlig daneben, dass man in diesem Kontext den Gemeinschaftsschulen noch mal eine mitgeben muss. Aber in diesem Sinn abschließend auch von mir: Friedliche, erholsame Weihnachten für Sie alle hier im Haus und ein bildungsgerechteres 2024 für Baden-Württemberg. Danke schön. (Beifall bei der SPD)
