Andreas Sturm
Eventuell später, wenn ich dann noch Zeit habe. (Vereinzelt Heiterkeit) Gleichwohl müssen wir ehrgeiziger werden. Es gibt zentrale Herausforderungen, etwa die stark angestiegene kognitive und soziale Heterogenität der Schülerschaft. Die Bildungsstudien verdeutlichen im Blick auf diese sozialen Disparitäten die Herausforderungen für alle Schüler, wenn es darum geht, gute Ergebnisse solcher Studien zu ermöglichen. Es bedarf also einerseits gezielter Anstrengungen, um die Bildungsqualität zu erhöhen, und andererseits auch in der gesellschaftlichen Breite wieder mehr Bildungsaffinität und höherer Bildungsambitionen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Schule ist auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Doch kann hier nicht die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme liegen. Gute Bildung muss mit der verlässlichen und systematischen Förderung von Vorläuferfähigkeiten beginnen, damit alle Kinder gute Startchancen haben. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Kita ist damit Bildung, Erziehung und Betreuung gleichermaßen. Wir müssen deshalb die Sprachkompetenz sicherstellen. Bei Feststellung eines ausgeprägten Sprachförderbedarfs für Vierjährige muss zukünftig eine verbindliche Fördermaßnahme folgen, die evaluiert werden muss und die dann, begleitet von Tests, gegebenenfalls neue Fördermaßnahmen nach sich zieht. Für Kinder mit einem entsprechenden Förderbedarf sollte, wie z. B. in Hamburg oder Hessen, die Teilnahme an einer Vorschulklasse ausgelöst werden, damit Kinder zu Beginn der Grundschule einen Mindeststandard erfüllen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Grundsätzlich plädieren wir für eine durchgängige Lernverlaufsdiagnostik von Klasse 1 bis Klasse 9 und die Dokumentation der Leistungsentwicklung. Die CDU hat nämlich mit ihrer Fraktionsinitiative einen Impuls zur Bereitstellung der computergestützten Lernverlaufssoftware „quop“ an allen Schulen in Baden-Württemberg gegeben. Wir treten auch für ein konsequentes Fördern und Fordern zugunsten gelingender Übergänge ein. Wie Kollege Poreski bereits ausgeführt hat, gibt es eine sozialindexbasierte Ressourcensteuerung als Modellversuch, den wir gern ausbreiten wollen. Die Einführung multiprofessioneller Teams sorgt dann für mehr Bildungsgerechtigkeit im Primarbereich. de – 82. Sitzung – Mittwoch, 13. Dezember 2023 (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Wir, die CDU, wollen das Leistungsniveau im Schulsystem heben. Damit gilt: Ohne Fleiß kein Preis. Wir üben und vertiefen individuell und im Rahmen der entsprechenden Förderund Trainingsprogramme in den Kernfächern. Wir bekennen uns in diesem Kontext ganz klar zum gegliederten Schulwesen – mit eigenständigen profilierten Schularten und der begabungsgerechten Durchlässigkeit. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Das gegliederte und differenzierte Schulsystem lebt von der Steuerung der Übergänge, (Zuruf des Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP) um seine Wirkung zu entfalten. Beim Bürgerforum am Montag wurde der Fokus sehr stark auf die Frage G 9 gerichtet. Wir begrüßen aber auch die Empfehlung des Bürgerforums, die Grundschulempfehlung weiterzuentwickeln: Lehrerempfehlung, Elternwunsch und Test. Im Land der Automobilbauer kommt niemand auf die Idee, ein Auto ohne Lenkrad auszuliefern. Genauso widersinnig wie ein Auto ohne Lenkrad wäre ein differenziertes Schulsystem ohne Schülerlenkung. (Beifall bei der CDU und der FDP/DVP – Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Bravo!) Und da wir ein durchlässiges Schulsystem haben, geht es auch nicht um eine Vorentscheidung. Es geht darum, den bestmöglichen Weg für eine Schülerin oder einen Schüler und die bestmögliche individuelle Förderung zu erhalten. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Richtig so!) Unser Fraktionsvorsitzender Manuel Hagel hat in Reaktion auf das Bürgerforum zur zukünftigen Dauer des Gymnasiums ein – Zitat – „ganzheitliches Update für unser Bildungssystem“ gefordert. (Abg. Manuel Hagel CDU: Sehr gut!) Wir danken dem Bürgerforum für die engagierte Arbeit und werden die Ergebnisse intensiv evaluieren. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Die Zufallsbürger haben viele kluge Hinweise gegeben. Ich zitiere sinngemäß: Genauso wenig, wie das G 8 für alle Probleme verantwortlich ist, wird das G 9 nicht für alle Probleme die Lösung sein. Ein G 9 mildert aber die negativen Auswirkungen ab. Das ist richtig, und deswegen halten wir an unserer jahrelang erhobenen Forderung fest: ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten. (Abg. Andreas Deuschle CDU: Ja!) (Andreas Sturm) Ich resümiere: Wir benötigen Sprachtests vor der Grundschule und eine verbindliche sprachliche Förderung, eine konsequente Förderung der frühkindlichen Bildung, eine stetige Unterrichtsentwicklung und den Einsatz digitaler Tools zur individuellen Förderung. Am sinnvollsten wäre es deshalb, in diesem Haus einen breiten Konsens zu bilden, der über diese Legislaturperiode hinaus Bestand hat. (Abg. Andreas Deuschle CDU: Ja!) Wir dürfen unser Bildungssystem nicht am Wohl von Parteiideologie ausrichten, sondern nur am Wohl der Kinder. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Und wir brauchen ein Bekenntnis zur Leistung. Es ist zwar vielleicht für den Moment positiv, dass die Leistungen in unserem Land nicht so stark gefallen sind wie in anderen Bundesländern oder dass unser Land über dem Durchschnitt liegt. Wir waren aber an der Spitze, und wir wollen zurück an die Spitze. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Zuruf von der CDU: Sehr gut!)
