Dennis Klecker
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Damen und Herren Abgeordnete! In keiner Berufsbranche wird so viel diktiert wie in der Landwirtschaft. Das Thema Pflanzenschutz ist hierfür ein sehr gutes Beispiel, ein Thema, das nur mit den Landwirten reformiert werden kann. Aber wie es so ist, lassen Sie die Landwirte meist gar nicht mitdiskutieren. Was denken Sie eigentlich, warum am letzten Wochenende Hunderte von Lkw-Fahrern, unterstützt durch unzählige Traktoren und mit Schildern, die Heilbronner Innenstadt durch eine Demo zeitweise lahmlegten? Sie alle demonstrierten gegen eine irrationale Politik. Selbst im SWR konnten Sie die wichtige Aussage bildlich sehen: „Ist der Bauer tot – Hungersnot“. Ihr allgemeiner Ansatz lautet, es soll am besten kein Pflanzenschutz mehr betrieben werden. Alles soll stattdessen so wachsen, wie es die Natur zulässt. (Abg. Martina Braun GRÜNE: Quatsch!) Eine idyllische Biolandschaft ist Ihre Idee. (Zuruf des Abg. Martin Hahn GRÜNE) Das hört sich schön an. Aber was sind die Folgen? Mit der Umsetzung des Green Deals der EU sind nicht nur die Erträge in Zukunft geringer, sondern es sind in einigen Jahren auch Missernten zu erwarten. Die Welt außerhalb von Europa kann diesen Produktionsrückgang nicht auffangen. Das Ergebnis ist nicht nur weniger Ertrag, sondern sind auch Krankheiten wie Pilze, z. B. das Mutterkorn am Getreide, das u. a. Fehlgeburten auslösen kann. Auch wachsen durch weniger Pflanzenschutzmittel viele Giftpflanzen, die dann oft im Trog unserer Tiere landen. Immer weniger Pflanzenschutz ist kein Naturschutz, sondern fördert den Welthunger. Das Problem fängt schon bei den Zuode – 78. Sitzung – Donnerstag, 9. November 2023 lassungen an, weil hierzulande ein System verwendet wird, das es nicht noch einmal gibt. Nur noch wenige Pflanzenschutzmittel haben eine gültige Zulassung. Die nützlichen Pflanzenschutzmittel haben meist keine Zulassung mehr, oder ihre Zulassung ist bereits ausgelaufen. Hier kommt die Notfallzulassung ins Spiel. Einzelne Verbände können eine Sondergenehmigung beantragen. Die Notfallund Sonderzulassungen sind theoretisch Einzelfälle, damit z. B. auf bestimmte Wetterereignisse reagiert werden kann. Doch die Einzelfälle sind keine Einzelfälle mehr, sondern inzwischen ist es gängige Praxis, dass fast nur noch mit Notfallund Sonderzulassungen gearbeitet wird. Durch dieses unübersichtliche Vorgehen verlieren sogar die Kontrollinstanzen schnell mal den Überblick, und eine übermäßige Bürokratie wird notwendig. (Beifall bei der AfD) Schon das bedeutet Handlungsbedarf. Ein sinnvolles System muss es jedem Landwirt ermöglichen, unkompliziert zu sehen, welche Mittel derzeit zugelassen sind, und das ohne den Umweg über Verbände. (Beifall bei der AfD) Niemand kann sich Pflanzenschutzmittel einfach so kaufen. Ein Landwirt muss erst einen Kurs belegen, um einen Berechtigungsschein zu erhalten. Das ist auch nachvollziehbar. Die vier Stunden Schulung pro Zeitraum sind ebenfalls sinnvoll. Doch es gibt Organisationen, die sich an diesen Schulungen bereichern. Hier sollte eine einheitliche Regelung zugunsten der Landwirte in Baden-Württemberg angestrebt werden. (Beifall bei der AfD) Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kostet Geld – Geld, welches die Landwirte nicht haben. Je weniger Mittel sie also beziehen müssen, umso besser. Jeder Landwirt strebt daher von sich aus an, dass sein Schutz effektiv ist, aber keinesfalls zu viel Pflanzenschutzmittel verwendet wird. Mittlerweile ist die Technik so fortschrittlich, dass es mit sogenannten Präzisionsspritzen im „Spot Spraying“-Verfahren möglich ist, nur noch einzelne Pflanzen zu besprühen. Dies verhindert auch die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln. Eine Abdrift kann benachbarte Landwirte schnell verfeinden. Auch zum Schutz der Gewässer gilt es, eine Abdrift zu vermeiden. Die Technologie ist also mal wieder die Lösung, und nicht grüne Verbote. (Beifall bei der AfD – Abg. Anton Baron AfD: Sehr gut! – Weitere Zurufe von der AfD: Bravo! – So ist es!) Ein weiter gehendes Verbot von Pflanzenschutzmitteln würde zu mehr Bodenbearbeitung führen. Mehr Bodenbearbeitung bedeutet Verdichtung der Böden und damit Zerstörung von Bodenorganismen. Eine Verdichtung muss aber auch aufgrund des Hochwasserschutzes, z. B. bei Starkregenereignissen, weitgehend verhindert werden. Der vermehrte Einsatz von Drohnen wäre hier ebenfalls eine gute technische Lösung. Hierdurch werden beide guten Eigenschaften vereint: Der Boden wird geschont, und das Mittel kann präzise eingesetzt werden. (Dennis Klecker) Ein weiterer Vorteil ist die sinnvolle Verwendung von KI. Dies ermöglicht es auch, in der Landschaft und in Naturschutzgebieten die Landwirtschaft fortzusetzen – mit einer so geringen Belastung der Natur, wie es bisher nie möglich war. (Abg. Martin Grath GRÜNE: Das wollen wir doch!) Zusammengefasst: Es wird keine Patentlösung geben. Es muss aber für die Landwirte ein System geschaffen werden, welches ihnen die Arbeit erleichtert und nicht nur aus Bürokratie und Verboten besteht. (Beifall bei der AfD) Dazu dienen technische Lösungen und Fortschritt, sodass die Kombination aus alten und neuen Methoden der beste Ansatz ist. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der AfD)
