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Jochen Haußmann

FDP 25.10.2023 Sitzungen 17/76

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Können Sie sich vorstellen, bei der Zweiten Beratung dieses Gesetzentwurfs auf eine einer Kultusministerin angemessene Wortwahl zu achten? Das wäre sonst einer Kultusministerin nicht so angetragen. Danke schön. (Zuruf von den Grünen: Das ist so was von sexis- tisch!) Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Wir haben hier freie Rede, und diese halte ich so, wie es ist. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Um zur Debatte zurückzukehren: Ich glaube – das ist auch schon von anderer Stelle genannt worden –, wir haben eine andere Schülerschaft. Die Heterogenität hat sich massiv verändert. Wir müssen die Beratungsintensität in den Grundschulen und insgesamt im Schulwesen weiter verbessern und an den Tag legen. Ich glaube, der Blick nur in die Vergangenheit hilft uns an dieser Stelle nicht als probates Mittel weiter. Vielmehr müssen wir genau hinschauen. Ich glaube, da haben wir auch wirklich reagiert, indem wir noch zusätzliche Lernstandserhebungen eingeführt haben und indem wir mit dem „Kompass“ noch mal eine Orientierung und eine Beratungsmöglichkeit geben. riode – 76. Sitzung – Mittwoch, 25. Oktober 2023 Zum breiten Reigen dessen, was wir an Rückmeldungen zum Gesetzentwurf der FDP/DVP haben: Sie zitieren immer nur den Philologenverband und den Realschullehrerverband. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Ja, immerhin!) Beim Philologenverband verstehe ich das Unverständnis mit am wenigsten. 90 % der Kinder, die aufs Gymnasium gehen, haben eine entsprechende gymnasiale Empfehlung. Die Gymnasien haben im Grunde die homogenste Schülerschaft aller Schulsysteme. Ich weiß gar nicht, warum an dieser Stelle der Leidensdruck so hoch ist. Wir bekommen es auch andersherum gesagt. So sagen im ländlichen Raum, wo tatsächlich ein großer Teil der Schülerschaft den entsprechenden Abschluss zum Abitur über den Weg der Realschule und der beruflichen Gymnasien sucht, die Direktorinnen und Direktoren sowie Lehrkräfte der Gymnasien: „Da gehen auf die Realschule andere Kinder. Das sind meine Kinder.“ Das ist ein Punkt, wo, wie ich meine, der Elternwille in verschiedene Richtungen geht. Auf die Gymnasien gehen zu 90 % Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung über. Das ist sehr stabil. Das war in den letzten Jahren sehr stabil. 1 % der Kinder mit Werkrealschulempfehlung gehen aufs Gymnasium. Ich bin mir sicher: Diese Kinder werden dort entsprechend leiden, wie es auch bei manchen Kindern auf der Realschule ein Martyrium ist. Da bin ich mit Ihnen einig. Es geht aber doch nicht, dass man dann den Eltern sagt: „Das Kind hat nicht die erforderliche Leistungsfähigkeit.“ Vielmehr müssen da alle mitgenommen werden. Da muss den Eltern gesagt werden, was vom Kind erwartet wird, was für Leistungserwartungen es im Hinblick auf Fremdsprachen, auf das Fächerprinzip gibt, wo jede Lehrkraft ihren Fokus auf das entsprechende Fach hat, und die Kinder bestimmt massiv überfordert sind. An dieser Stelle habe ich überhaupt keinen Zweifel. Aber so zu tun, als wären da der Philologenverband oder das Gymnasium die Leidtragenden per se, (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Alle weiterführen- den Schulen!) das ist ein Bild, das so nicht gezeichnet wird. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Wenn man sich die anderen Rückmeldungen anschaut, sieht man: Der VBE lehnt die Wiedereinführung ab: Das Elternrecht wird dadurch beschnitten; das passt nicht zur heutigen Struktur der Schullandschaft, die sich seit 2012 tatsächlich massiv verändert hat. Ich glaube, die Herausforderungen anzupacken, indem Sie nur eine verbindliche Grundschulempfehlung mit auf den Weg geben, ist nicht der richtige Weg, um die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die tatsächlich im Schulsystem bestehen, auf die Zielgerade zu bringen, die ich mir vorstelle und die wir uns hier auch vorstellen. (Glocke des Präsidenten)

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