Thomas Dörflinger
Vielen Dank. – Frau Ministerin, wir reden über Fachkräfte, wir reden aber auch generell über Arbeitskräfte. Von offenen IT-Stellen bis hin zu relativ einfachen Tätigkeiten: Überall wird Personal gesucht. Auf der anderen Seite gibt es über zwei Millionen Arbeitslose. Warum gelingt dieser Match nicht? Was muss getan werden, damit diese Lücken geschlossen werden können? Noch eine anschließende Frage: Welche Rolle spielen für Sie die überbetrieblichen Bildungsstätten gerade auch zur Fachkräftegewinnung? Danke schön. Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: Zu den überbetrieblichen Bildungsstätten: Für die überbetriebliche Berufsausbildung geben wir pro Jahr insgesamt 12,12 Millionen € und einen Teil eben auch für die überbetrieblichen Bildungsstätten. Diese sind ein ganz wichtiger Partner für die kleineren Unternehmen bei uns im Land, damit diese die Ausbildungsleistung überhaupt erbringen können. Denn sie stehen um gute Auszubildende natürlich auch im Wettbewerb mit größeren Unternehmen. Deswegen ist das für uns, das Land, auch eine ganz wichtige Investition in die Zukunft der Fachkräfte, gerade eben für kleinere Betriebe. Da tun wir also viel und richten unser Angebot immer auch auf die Bedarfe aus, die aus den überbetrieblichen Bildungsstätten an uns gemeldet werden. Stichwort Matching: Das ist natürlich eine große Herausforderung. Wir haben eine Arbeitslosenrate – – Man kann im Grunde vor dem Hintergrund der fast 200 000 Stellen, die in Baden-Württemberg allein im zweiten Quartal nicht besetzt waren, schon davon ausgehen, dass viele Menschen, die arbeitsfähig sind, auch die Möglichkeit haben, ein berufliches Angebot anzunehmen. Da ist natürlich die Bundesagentur für Arbeit in der Pflicht, die hier vermittelt, die hier auch auf beiden Seiten informiert. Aber wir werden natürlich immer – ich sage mal so – eine gewisse Gruppe, auch eine Fluktuation haben, sodass immer ein bestimmter Teil von Menschen nicht in Arbeit sein kann. Was die Langzeitarbeitslosen betrifft, haben wir viele Maßnahmen. Der Passiv-Aktiv-Tausch ist ja im Grunde bei uns im Land entstanden und wird jetzt vom Bund finanziert. Was wir weiterhin tun, um das Arbeitskräfteangebot noch zu erweitern, um Zugang zu jungen Menschen zu finden, die Schwierigkeiten in ihrer Bildungsbiografie haben: Wir haben AV Dual, die Ausbildungsvorbereitung Dual, schon vor vielen Jahren auf den Weg gebracht. Das wollen wir jetzt sukzessive auf das ganze Land ausrollen. Das ist ein Programm, bei dem Praxis und Theorie verbunden werden. Wir haben da eine hohe Quote: 40 % der jungen Menschen gehen dann auch in die Ausbildung. Wir setzen hier also an vielen Stellen an. Ein Thema ist natürlich auch, qualifizierte Kräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Wir werden jetzt bei uns im Land Baden-Württemberg sozusagen eine zentrale Ausländerbehörde zusätzlich zu den Ausländerbehörden – das sind ja über 100 im ganzen Land – einrichten, sodass dieser Dienstleistungsgedanke ganz stark in den Vordergrund gerückt wird, um auf die Bedarfe einzugehen. Wir wissen: Da hakt es wirklich an der Verwaltung, da dauert es teilweise eine lange Zeit, um eine Aufenthaltsgenehmigung auszustellen oder dann auch wieder neu zu erteilen, sodass wir hier auch in diesem Bereich aktiv sind.
