Dr. Wolfgang Reinhart
Entschuldigung, die Ministerin hat das Wort, und ich bitte darum, hier die Höflichkeitsformen zu achten. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Gruppengespräche kann man auch draußen führen!) Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Petra Olschowski: Genau, danke. – Wir haben während Corona ja darum gerungen, was Digitalisierung in der Hochschullehre bedeuten kann. Wir haben auch darum gerungen, wie wir das Nebeneinander von digitalisierten Prozessen und dem Miteinander-vor-Ort-Lernen in hybriden Veranstaltungen und in (Ministerin Petra Olschowski) Präsenzveranstaltungen voranbringen können. Das sind Erfahrungen, die wir gemacht haben, die wir jetzt in die Frage, wie KI in der Hochschulbildung aussehen kann, auch mit integrieren können. Mit der Bund-Länder-Vereinbarung „KI in der Hochschulbildung“ werden die Hochschulen dabei unterstützt, künstliche Intelligenz in der Lehre noch besser zu nutzen. Ich möchte der Fraktion GRÜNE danken, die mit dem Fachgespräch kürzlich die Möglichkeit geboten hat, dass die Hochschulen sich untereinander und mit denjenigen von Ihnen und uns, die dabei waren, austauschen. Auch da hat man gemerkt, dass die Stimmung eigentlich eher von Neugier und Zutrauen geprägt ist und dass es enorm wichtig ist, dass sich die Hochschulen genau anschauen, welche Kompetenzen fächerspezifisch benötigt werden und wie Kooperationen stattfinden können. Es gibt einige Projekte an unseren Hochschulen und Universitäten, die mittlerweile wirklich auch da schon eine große Wirkung zeitigen. Ich will noch einen Aspekt in die Diskussion bringen, den wir jetzt noch nicht hatten: Mit dem Thema KI wird aus meiner Sicht auch das interdisziplinäre und kooperative Arbeiten zwischen den Hochschulen gestärkt. Es gibt deutlich mehr Verbundprojekte im Bereich KI in unterschiedlichsten Formaten: Universitäten mit HAWs, Universitäten untereinander, HAWs untereinander. Man sieht, dass dieses Thema auch dazu führt, dass Austausch wichtig ist und wir interdisziplinär vorankommen. Wir unterstützen im Land in den Jahren 2023 bis 2026 zusätzlich zu dem gerade genannten Programm mit dem Programm „KI-Tools in der Hochschullehre und der Lehrerbildung; Digitalisierung und Empirische Bildungsforschung“ mit zwei Förderlinien, zum einen mit dem Schwerpunkt „Digitale Hochschullehre“, zum anderen mit dem Schwerpunkt Lehrerbildung. Ziel der Ausschreibung ist die Förderung von Forschungsvorhaben zur Entwicklung von Lehr-/Lernformaten unter den neuen Gegebenheiten von teilweise Text-, aber natürlich auch Bild-KI-Tools in der Hochschullehre und Lehrerbildung mit hohem Transferpotenzial und Praxisbezug. Im Moment läuft gerade das Auswahlverfahren. Ich stimme Frau Kliche-Behnke zu: Es geht hier nicht um einen Bruch, sondern es geht darum, einen Prozess zu gestalten, der dynamisch ist, der schnell ist, der herausfordernd ist, der aber enorme Möglichkeiten in der Lehre und im Lernen voranbringt, und zwar nicht nur für die Studierenden, sondern – Sie haben es auch angesprochen – auch für die Lehrenden, für die Professorinnen und Professoren sowie eben auch für die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen. Das sind die Punkte, die wir im Blick behalten müssen. Alle Bereiche von Hochschulen müssen in diesen Prozess eingebunden werden. Das ist schon ein sehr umfangreiches und umfassendes Unterfangen. Deswegen, Herr Birnstock, will ich schon noch mal sagen: Ich glaube, dass es nicht so wahnsinnig viel hilft, zu schauen, ob wir vor zwei, drei, vier, fünf, sechs Jahren hier mal über KI diskutiert haben oder nicht. Wichtig ist, dass wir es immer wieder tun. Denn wenn wir bei diesem Thema nicht im Gespräch bleiben, wenn wir nicht im Austausch bleiben, wenn riode – 72. Sitzung – Donnerstag, 20. Juli 2023 es keine Möglichkeit gibt, über Best-Practice-Beispiele zu informieren und in Kontakt zu kommen, dann werden wir es nicht schaffen, diesen Prozess zu gestalten. Es ist ein hoch kompetitiver Prozess. Es ist aber auch ein Prozess, der nur über Kooperation, über Austausch, über Best Practice funktionieren kann. Deswegen finde ich es schon hoch wichtig und relevant, dass wir uns auch hier im Landtag von Baden-Württemberg immer wieder und andauernd über das Thema unterhalten. Ich sage Ihnen ehrlich: Ich bin froh über jede Fraktion in diesem Landtag, die das Thema auf die Tagesordnung setzt. (Beifall bei den Grünen und der CDU – Abg. Alex- ander Salomon GRÜNE: Also nicht die FDP/DVP!) Ich möchte noch kurz darauf hinweisen, dass wir im Moment ein Programm mit dem Stifterverband haben, der Fellowships zu Lehrinnovationen und Unterstützungsangebote in der digitalen Hochschullehre anbietet. Am 18. Oktober 2023 findet in der Liederhalle eine große Konferenz statt. Wer von Ihnen Lust und Zeit hat, kann kommen. Wir freuen uns. Das Thema Fachkräfte ist angesprochen worden. Ich möchte noch einen Aspekt dazusetzen. Es geht nicht nur darum, dass wir mit den Studierenden die Fachkräfte der Zukunft bei uns bilden. Es geht auch darum, dass die Studierenden nach Baden-Württemberg kommen. Ich bin davon überzeugt, dass die KI-Angebote unserer Hochschulen extrem notwendig sind, um für Studierende attraktiv zu sein. Wenn man mit Professorinnen und Professoren redet, dann sagen die: Meine Studentinnen und Studenten wissen meist viel mehr über künstliche Intelligenz als ich und setzen sie schon vollkommen anders und selbstverständlich ein. Das bedeutet: Für junge Menschen, für junge Studierende ist es eine Standortfrage, ob ein Standort wie Baden-Württemberg, ob Hochschulen hier im Land mit KI arbeiten oder nicht. Meine Damen und Herren, es geht nicht nur um Text-KI. Ich glaube, das ist klar. Wir haben über das Thema „Virtual Reality“ und die Kombination mit KI Möglichkeiten, Lehre heute ganz anders stattfinden zu lassen. Auch kreative Prozesse, beispielsweise Planungsleistungen in der Architektur oder in der Stadtplanung, können wir ganz anders voranbringen. Wir können an Labore in der Medizin denken, die keine Leichen mehr benötigen, sondern Anatomie anders erproben. Wir wissen, dass Roboter entwickelt werden, z. B. Polybot vom AI Center, die in der Zukunft Erntehelfer auf unseren Bauernhöfen werden. All diese Felder unseres gesellschaftlichen Denkens sind angesprochen. Nicht zuletzt möchte ich das Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit KI“ ansprechen. Wissenschaftliches Denken ist ursächlich kritisches Denken. Wissenschaftliches Denken wird durch die KI nicht abgeschafft, sondern es wird durch KI genauso befördert wie durch anderes. Woher eine Quelle kommt, wie eine Quelle aussieht, wann eine Quelle warum wie verwendet wird, das alles sind Fragen, die Wissenschaft schon heute an die Quellen stellt. Das sollte sie auch in Zukunft tun, und das wird sie auch in Zukunft tun. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ich komme zum Schluss. Ich will darauf hinweisen, dass wir im Moment den Dialogprozess „Hochschulen in der digitalen (Ministerin Petra Olschowski) Welt“ mit unseren Hochschulen am Laufen haben. Das bedeutet, dass wir im Moment tatsächlich sammeln, welche Zukunftsperspektiven die Hochschulen für sich sehen, was sie brauchen, um den digitalen Wandel in Forschung, Lehre und Verwaltung erfolgreich abschließen zu können. Auch deswegen bin ich dankbar, dass wir heute darüber reden. Ich nehme von dieser Debatte mit, dass alle demokratischen Fraktionen, die hier sitzen, (Abg. Miguel Klauß AfD: Alle!) bereit sind, das Thema im Haushalt aufzurufen und uns zu unterstützen. Denn das werden wir brauchen, um die Hochschulen in diese Welt zu begleiten. Wir werden Ende des Jahres die Handlungsfelder dafür definiert haben. Ich bin gespannt, wann wir das nächste Mal darüber sprechen. Meine Damen und Herren, neues Denken, neues Lernen und Lehren, andere Kompetenzen – das gilt nicht nur für die Studierenden, das gilt für uns alle. Auch der Bereich Weiterbildung muss mitgedacht werden. Wir stellen hier die Weichen für eine zukunftsorientierte und verantwortungsbewusste Hochschulpolitik bei uns in Baden-Württemberg, die die Studierenden auf die Anforderungen einer digitalen und auch von KI getriebenen Welt vorbereitet. Lassen Sie uns gemeinsam die Potenziale von KI in der Hochschullehre nutzen, unseren Vorsprung, den wir haben, in der Forschung einsetzen und unsere Gesellschaft zukunftsfähig und resilient gestalten. Ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung. (Beifall bei den Grünen und der CDU sowie Abge- ordneten der SPD)
