Alexander Salomon
Deswegen habe ich es nicht gemacht, Frau Präsidentin. Das wäre aber ganz spannend. (Heiterkeit bei den Grünen) Allerdings ist das in der Geschäftsordnung nicht abschließend geklärt. Biber und andere Sachen darf man hier nicht mit hineinnehmen, bei Robotern ist dies noch nicht so ganz klar. Ich habe das in diesem Fall nicht gemacht. Ich will Ihnen das Thema anders aufzeigen, und zwar mit einer Frage, die ich in den Raum stelle: Was verbindet denn eine Schwefelkiesknolle aus der Vogelherdhöhle, die Firma Magirus und die Gründung des Deutschen Feuerwehrverbands? Was ist die Gemeinsamkeit? Das wird Ihnen vielleicht nicht direkt einfallen. Ich könnte Ihnen jetzt noch die Chance geben, dass Sie das bei ChatGPT eintippen. Die Antwort war ganz spannend: Baden-Württemberg und Ulm. Aber darüber hinaus ist es auch noch das Thema Feuer. Das ist ganz spannend. Durch eine solche Schwefelkiesknolle, wie sie vor etwa 32 000 Jahren in der Vogelherdhöhle eingesetzt worden ist, hat sich der Mensch der Technik des Feuers bemächtigt. Er hat dies tatsächlich kontrollierbar gemacht. Durch die Firma Magirus haben wir die andere Seite dieser Technologie aufgezeigt bekommen. Diese Kulturtechnik ist sehr tief in uns verankert. Jeder lernt von Kindesbeinen an, wie man mit Feuer umgeht. Wir alle wissen, dass Feuer auch Schäden und Risiken verursachen kann. Aber wir haben in Baden-Württemberg – das ist das Spannende – auch die andere Seite beleuchtet. Wir haben gesagt: Es gibt Feuerwehrzüge, es gibt Feuerwehrtechnik, um diese Technologie im Zaum zu halten. Ich glaube, das ist die wichtige Botschaft daraus: Wir wissen, wie man mit Technologie umgeht. Das ist etwas, was in Baden-Württemberg sehr entscheidend ist. Wir schauen nicht nur darauf, was die Vorteile einer Technologie sind, was deren Nutzen ist, wir schauen uns diese Technologie in aller Breite an, auch dahin gehend, wie wir die Risiken minimieren können. Das ist etwas, für das Baden-Württemberg steht. Dafür stehen wir, die Regierungsfraktionen, die Regierung. Wir wollen, dass Baden-Württemberg Technologien nicht nur in der Vergangenheit und bis heute federführend angewendet hat, sondern dies auch in Zukunft tun wird. (Beifall bei den Grünen) Den Link könnten Sie jetzt bis hin zur Verbrennungstechnik fortführen. Sie können weitergehen in die Computertechnologie, die in Baden-Württemberg mit federführend entwickelt worden ist. Es geht vor allem darum, zu zeigen, wie wir mit Technologie umgehen. riode – 72. Sitzung – Donnerstag, 20. Juli 2023 Für uns ist es wichtig, dass wir auch beim Thema „Künstliche Intelligenz“ die Federführung übernehmen und nicht das machen, was in letzter Zeit beim Thema Feuer immer wieder geschieht, nämlich die Risiken überzubetonen. Wir sind nicht blind gegenüber Gefahren – das auf keinen Fall. Wir sehen auch, dass künstliche Intelligenz nicht nur Vorteile hat. Sie hat natürlich für einige Personen, für einige Gruppen in der Gesellschaft auch Nachteile, z. B. wenn diese Technologie missbraucht wird oder wenn es zu großen Verwerfungen kommt. Wir sehen es beim Thema Brandschutz. Ihnen wird die Denkschrift auch zugegangen sein. Dort wird an einigen Beispielen deutlich, wie sehr das Thema Feuer tatsächlich auch überbetont werden kann. Wie gesagt, wir sagen das immer mit der Einschränkung, dass wir niemanden in Gefahr bringen wollen. Aber ich glaube, es gehört zu Technologien dazu, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Wir müssen immer schauen, dass wir Technologien sinnvoll einsetzen, mit Rücksicht einsetzen, vorteilhaft einsetzen für die Gesellschaft und für den Einzelnen. Das ist das, was wir auch beim Thema „Künstliche Intelligenz“ machen wollen. Wir wollen, dass Baden-Württemberg federführend die Topregion in Deutschland, in Europa wird und weltweit mit den großen Regionen beim Thema „Künstliche Intelligenz“ zumindest mithalten kann, wenn nicht sogar diese anführt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Dazu gehört aber auch, dass man sich intensiv mit dem Thema befasst. Wir haben als Fraktion eine kleine Ideenmesse, Ideenbörse gemacht, zu der wir die Hochschulen eingeladen und gesagt haben: „Zeigt uns doch mal: Was passiert denn eigentlich bei euch?“ Ich glaube, das ist das Entscheidende, was wir als Abgeordnete ja auch immer machen: vor Ort gehen und uns Beispiele anschauen, die wir dann in unsere Arbeit einfließen lassen. Da sehen Sie das. Da sehen Sie wirklich, dass nicht die Gefahr das Treibende in der Wissenschaft, in den Hochschulen in unserem Land ist, bei denen, die tatsächlich jeden Tag forschen, sondern der Erkenntnisgewinn, die Befähigung, dem Menschen tatsächlich eine neue Technologie zu geben, ihm tatsächlich – – Und das ist etwas, was, glaube ich, wirklich relevant ist. Deswegen habe ich dieses Feuer-Beispiel gewählt, weil es uns alle angeht, weil die Gefahr von Feuer uns alle betrifft. Wir alle würden wahrscheinlich nicht hier sitzen, wenn wir das Feuer nicht gezähmt hätten. (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Sie brennen ja ein richtiges Feuerwerk ab!) – Das ist sehr gut, Herr Fraktionsvorsitzender Schwarz. Das stimmt. Sie kennen wahrscheinlich meine Gedanken. Es gibt ähnliche Beispiele mit Feuer, weil das so tief in uns verankert ist. Beim Thema KI wird das auch so werden. Das ist das Relevante an diesem Bereich: Wir müssen uns damit befassen; es betrifft alle in unserer Gesellschaft. Deswegen ist es letztendlich relevant, dass sich auch die Hochschulen in unserem Land damit beschäftigen. Wir haben gesehen, was dann alles möglich ist. Das ist auch relevant, wenn man in die Studienorien- (Alexander Salomon) tierung, in die Studienberatung schaut. Schauen Sie an den jeweiligen Hochschulen mal, wie viele Studiengänge es gibt. Das ist ziemlich unübersichtlich geworden, wenn man sich wirklich intensiv damit beschäftigen will und den Studiengang herausfinden will, der auf einen persönlich passt. Mittlerweile gibt es aber beispielsweise an der Uni Ulm, der Uni Hohenheim und am KIT Angebote für eine Studiengangsberatung per Chatbot. Dort kann eine gewisse Ersteinschätzung stattfinden: Passt etwas zu mir? Passt etwas nicht zu mir? Das sind Entwicklungen, die stattfinden, und deswegen ist es wichtig, über künstliche Intelligenz zu reden. Ich habe in politischen Debatten manchmal den Eindruck, dass viele denken: „Das kommt alles erst noch, in zehn, 20 Jahren; wir müssen uns jetzt noch nicht intensiv damit beschäftigen.“ Die künstliche Intelligenz ist da. Ihr Handy basiert auf künstlicher Intelligenz. Jeden Tag, wenn Sie an der Gesellschaft teilnehmen, werden Sie mit künstlicher Intelligenz in Berührung kommen. Egal, ob Sie das wissen oder nicht, es ist letztendlich so. Man sieht auch schon in vielen Bereichen, wenn es darum geht, Ersteinschätzungen zu bekommen und kreative Prozesse zu machen: Auch da hat mittlerweile künstliche Intelligenz Einzug gehalten. Deswegen ist es relevant, dass wir uns im politischen Raum intensiver damit beschäftigen, weil auch die Prozesse durch künstliche Intelligenz deutlich schneller werden. Das ist natürlich auch etwas, mit dem wir uns in der Demokratie beschäftigen müssen. Unsere Prozesse basieren ja auf Legitimation, darauf, dass wir sie transparent darstellen. Wenn Sie dann natürlich mit Menschen reden, wenn Sie täglich Ihr Handy nutzen, täglich diese Technologie nutzen, sehen Sie: Alles steht immer sofort zur Verfügung und ist bereit. Deswegen geht der Appell an uns und auch an die Hochschulen, weil gerade da die Führungskräfte, die Personen für die Zukunft ihre Lehre, ihre Befähigung erhalten, dass wir uns damit beschäftigen und die künstliche Intelligenz befördern – wie gesagt, mit allen Risiken und Vorsorgen. Es geht darum, dass wir tatsächlich diesen Spirit, diesen Geist mitnehmen, dass die künstliche Intelligenz unser Leben leichter machen kann, uns befähigen kann. Deswegen ist, glaube ich, der Satz nicht ganz falsch, dass die künstliche Intelligenz das Feuer unserer modernen Zeit ist, und das wollen wir auch in Baden-Württemberg tatsächlich durch alle Politikbereiche, durch alle Fachbereiche, durch alle Wirtschaftsbereiche fördern und auch einfordern. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich komme dann auch schon zur Quintessenz – letztendlich für uns noch mal kompakt zum Schluss –: Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck. Wir machen künstliche Intelligenz nicht, damit wir künstliche Intelligenz gemacht haben, damit wir uns das auf die Fahnen schreiben können, sondern es geht immer darum, dass wir die einzelnen Personen dazu befähigen, mit diesen Instrumenten umzugehen, ähnlich, wie gesagt, wie mit dem Feuer, damit man weiß: Wie setzt man es ein? Wie kann man es in Prozesse einbinden? Wie kann man einen Mehrwert daraus entstehen lassen? eriode – 72. Sitzung – Donnerstag, 20. Juli 2023 Deswegen, glaube ich, ist es ganz wichtig, dass wir künstliche Intelligenz als Co-Piloten verstehen. Wir selbst sind noch immer am Steuer, aber KI kann Prozesse vereinfachen, wir können schneller auf Wissen zugreifen. Das heißt, Wissen wird auch demokratischer verteilt, Prozesse werden dadurch demokratischer, indem nicht mehr eine Kumulation von Vermögen stattfinden muss, um etwas entstehen zu lassen; vielmehr können wir auch schon mit kleinsten Mitteln in den Bereich gehen, dass wir uns selbst befähigen, selbst ermächtigen, dann auch an der Gesellschaft teilzunehmen. Das ist das Entscheidende, was wir haben. Deswegen noch einmal der Hinweis: Baden-Württemberg ist weit in diesem Bereich. Wir haben ein Kompetenzzentrum „Künstliche Intelligenz“ am Cyber Valley eingerichtet, wir haben bei der Luft- und Raumfahrt – einer der Treiber der künstlichen Intelligenz – aktuell eine Strategie vorgelegt und investiert. Dort sitzen die Menschen, die Lust darauf haben, Baden-Württemberg voranzubringen. Wir haben Lust, dass Baden-Württemberg weiterhin die Nummer 1 ist. Wir müssen unsere Hochschulen dazu befähigen, dass sie das weiter vorantreiben können. Das ist unsere Aufgabe seitens des Landes Baden-Württemberg, seitens der Fraktionen, die diese Regierung tragen. Deswegen appelliere ich an Sie: Wir müssen meines Erachtens diesen Geist, der in Ulm, in Baden-Württemberg zum Thema Feuer geherrscht hat, wieder aufleben lassen. Es geht darum, letztlich einen Aufbruch zu wagen und Mut zu zeigen und vor allem den Glanz des Fortschritts – das ist das Wichtige – wieder für Baden-Württemberg zurückzubringen. Deswegen, glaube ich, ist es wirklich wichtig, dass wir uns des Themas intensiver annehmen und intensiver diskutieren. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen)
